Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1870)
- Date
- 1870-12-06
- Page
- Seite 957 (sequence 5)
- Language
- German
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957 stets, wenn die Brauchbarkeit eineS jüdischen Schulbuches oder einer jüdischen Jugendschrist sich durch die wiederholten Auflagen praktisch erweist. Die vorliegende Schrift hatte erst 1866 eine starke zweite Auflage erfahren, und so muß ihr unbestritten der Werth eines wackeren Schulbuches zugestanden werden. Der Bersaffer scheut deshalb auch keine Mühe, die neuen Auflagen seines Werkes zu verbessern und zu erweitern. So hat er in diese 3. Aufl. eine Auswahl von Capiteln aus den Propheten und den Hagiographen mit gutem Tact ausgenommen und als einen Anhang einen kurzen Abriß der Geschichte der Juden von der Zerstörung des zweiten Tempels bis auf die neueste Zeit hinzugefügt. Er hat dadurch seine Schrift noch viel brauchbarer gemacht. Doch gestehen wir, daß, wo es sich um „eine Geschichte Israels" handelt, wir glauben, die Geschichte seit der Zerstörung dürfe nicht blos, der ausführlichen Erzählung der biblischen Geschichte gegenüber, als ein kurzer Abriß angehangt, sondern ebenso ausführlich als ein zweiter Theil unserer Geschichte behandelt werden. Es ist von höchster Wichtigkeit, der Jugend zu klarem Bewußtsein zu bringen, wie sich der geschichtliche Faden bis zu unserer Zeit fortgesponnen hat, welche Geschicke unseren Stamm trafen, welche Arbeit er vollbrachte, welche Opfer er nicht scheute, welche Geistesrichtungen er verfolgte. Diese allesammt sind so überaus verschieden von dem Inhalt der biblischen Geschichte und doch das große Mittelglied bis zu unserer Zeit, daß sie für die Erkenntniß der jüdischen Geschichte von großem Werthe sind. Mir möchten dies dem geehrten Verfasier für fernere Auflage zu erwägen geben. — Predikan, hallen vid invigningen af den nya Synagogan i Stockholm den 16. September 1870 afDr. L. Lewysohn. Paddln vid Mosaiska Församlingen i Stockholm. Stockholm, Marcus, 1870. Es ist dies die am 16. September bei der Einweihung der neuen Synagoge von deren würdigem Rabbiner über 2 Mos. 25, 8 und Jesaias 57, 19 gehaltene Predigt, die nach den uns zugegangenen Berichten einen tiefen, ergreifenden Eindruck gemacht hat. — Häva Judarne verkligen korsfast Jesus? af Dr. Lttdvrig Philippson. Oeversättning af C-c-g. Stockholm, 1870. lieber diese schwedische Uebersetzung unserer bekannten Broschüre und deren Aufnahme in Schweden ist bereits in d. Bl. aus Stockholm berichtet worden. Diese Schrift hat ihre Wirksamkeit außer dem deutschen Original durch eine holländische, dänische, schwedische, zwei ungarische, eine rumänische und drei englische Uebersetzungen (von denen zwei in Nordamerika erschienen) über einen großen Theil der civilisirten Welt ausgedehnt. Wie man sieht, sind es jedoch vorzugsweise protestantische Länder, in welchen sie eine so glänzende Aufnahme gefunden. — „Hebräisch-Deutsches Wörterbuch nebst Paradigmen der Substantiva und Berba. Bon Dr. David Cassel. Breslau, Schletter'sche Buchhdlg., 1871." Hören wir, was der Verfasier über den Zweck dieses Wörterbuches im Vorwort selbst sagt: „Für die Abfasiung des hebräischen Wörterbuches, das hiermit der Oesientlichkeit übergeben wird, ist die Wahrnehmung maßgebend gewesen, daß es an einem Lehrmittel zu fehlen schien, welches einerseits geeignet sei, den Lernenden in das lexikographische Berständniß der hebräischen Schriften A. B. einzuführen, ohne ihn durch die seinem Standpuncte unzugänglichen wiffenschaftlichen Erörterungen zu verwirren, andrerseits durch seinen Umfang und den daraus sich ergebenden Preis die Anschaffung eines solchen Buches zu erleichtern. Gewiß hat mancher Lehrer gleich mir die Erfahrung gemacht, daß sprachvergleichende, etymologische, archäologische Excurse, wie sie die größeren hebräischen Wörterbücher bieten, nur für diejenigen den richtigen Werth haben, die sich überhaupt dem Studium orientalischer Sprachen widmen, während sie für einen Jeden, der in diesen schwierigen Lehrgegenstand erst eintritt, störend sind. Für diese Stufe, d. h. für diejenigen Classen von Lehranstalten, in denen überhaupt hebräisch unterrichtet wird, für angehende Theologen und Philologen, stellt sich neben der Uebermittelung des hebräischen Wortschatzes in den deutschen Clasien als nächstes Bedürsniß die Erkenntniß der hebräschen Wortformen und die Orientirung über die wichtigsten syntaktischen Erscheinungen heraus. Von diesem Standpunct aus ist die Bearbeitung des vorliegenden Wörterbuchs unternommen worden; es dürfte aber auch für alle diejenigen, die sich das Berständniß des hebräischen Urtextes über die eigentliche Studienzeit hinaus erhalten wollen, auf Grundlage der erworbenen grammatischen Kenntnisie vollkommen ausreichen. So wenig also dieses Schulwörterbuch einen Anspruch auf wisienschaftliche Förderung des hebräischen Sprachstudiums erhebt, so bietet es dem Gebrauch die Resultate neuerer grammatischer und lexikographischer Arbeiten in gedrängter, vom Plan und Umfang des Ganzen vorgezeichneter Form." Wir konnten die Absichten des Vers, nicht bester als mit obigen Worten charakterisiren, und entspricht ihnen die uns vorgelegte Arbeit in vollständiger