Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-12-06 · Heft 49 (6.12.1870) · p. Seite 956

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 49 (6.12.1870)
Date
1870-12-06
Page
Seite 956 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226744-3226794--28970-3302845
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

956 auf den deutschen Unterricht der 600 Kinder bestanden würde — sollten diese die altstädter deutsche Hauptschule oder die tleinseitner deutsche Pfarrschule bei Maria de Victoria besuchen. Um das Inhumane, Ungerechte und Ungesetzliche dieses Vorganges beurtheilen zu können, muß man wissen, daß die altstädter deutsche Hauptschule schon früher von einer so großen Anzahl Kinder besucht wird, daß selbst die Parallelclaffen nicht auSreichen, und in diese hatten die israel. Kinder eingebracht werden sollen, oder man hatte sie, die kleinen Kinder von sechs Jahren aufwärts, bei Frost und Schnee oder bei Regen und Koth in die, dreiviertel Stunde entfernte tleinseitner Schule schicken sollen. Daß eine solche Anordnung den Vertretern der isr. Cultusgemeinde nicht gleichgültig fein konnte, ist leicht verständlich, sie richteten in dieser Beziehung einen Recurs au die Statthalterei, wiesen in demselben nach, wie die beschlossene Auflassung der Josephstädter Schule und der angebotene Ersatz sür selbe den gesetzlichen Anordnungen über den Jugenduuterricht widerspreche, und die Statthalterei sistirte den Stadtrathbeschluß. Gegen diese Anordnung der Stadthalterei richtete die Stadtgemeinde einen Recurs an das Ministerium, letzteres verwarf den Recurs der Stadtgemeinde und hielt die Anordnung der Statthalterei aufrecht; allein was ist unserm Stadtrathe ein Ministerialerlaß, wenn er nicht seinen Intentionen entspricht? Er bestand aus seinen Schein und beschloß, die Schule, an welcher der Unterricht Anfangs October begonnen hatte, am letzten dieses Monats schließen zu lassen. In Rücksicht auf diesen Beschluß blieb auch die Schule durch den ganzen Monat, trotz der kalten Witterung, ohne Beheizungsmaterial, wurden den Lehrern auch keine Gehalte ausgezahlt. Unsere jetzige Regierung, welche in der Ausführung ihrer Anordnungen sich überhaupt eine noch nie beobachtete Lauheit zukommen ließ, zeigte sich merkwürdiger Weise in dieser Angelegenheit stark, sie sorgte für den Fortbestand der Schule, und hat auch das kaiserliche Steueramt angewiesen, von den der Commune zukommenden Berzehrungssteuerzuschlägen 18,000 fl. zurückzubehalten, um die nöthigen Auslagen zur Erhaltung der Schule bestreiten zu können. Am 1. November erschien ein städtischer Beamter in der Josephstädter Schule, um dieselbe zu schließen, allein, nachdem der Director derselben, Herr Abraham Utitz, erklärt, daß er nur der Gewalt weichen werde, entfernte sich der Beamte um — zu demselben Zwecke noch einmal zurückzukehren. Die Vornahme der Sperrung wurde abermals durch den Director verhindert, und würde auch vor Organen der Regierung verhindert worden sein, welche sich zu diesem Behufs bereits in der Nähe der Schule befanden. So wird der Unterricht in dieser Schule seit dem 1. November in der bestehenden Weise weiter fortgeführt, der Stadtrath beauftragte mittlerweile seine Rechtssection die Regierungserläffe zu prüfen, sie mit dem Anschlußvertrage zu vergleichen und hierüber die nöthigen Anträge dem Stadtrathe vorzulegen. Bevor aber die städtische Rechtssection diesem Aufträge uachgekommen, besann sich der Stadtrath eines Andern, er erklärte der Regierung mit ihr über den Fortbestand dieser Schule in Verhandlung zu treten, sie so einzurichten, daß auch Kinder anderer Confesflou selbe sollen besuchen können. In wie weit diese Verhandlungen vorgeschritten, ist bis jetzt noch nicht bekannt geworden, das Eine aber wird daraus klar, daß man die Czechisirnug auf eine andere Weise versuchen will. Der Stadtrath will das jetzige israel. Lehrpersonal entferneu und durch christliche czechische Lehrer ersetzen, ein Mittel, das ihm kaum wird bestritten werden können, und das chm zur Erreichung seines Zweckes mit der Zeit wahrscheinlich verhelfen wird. Interessant ist, was ei» czechisch-pädagvgischeS Blatt über den Fortbestand dieser Schicke in seiner jüngsten Nummer sagt. Es warnt den Stadtrath an dieser Schule irgend eine Veränderung vorzunehmen. Wird die Schule einer Veränderung unterzogen und dabei als deutsche Schule fortbesteheu, gefährde sie das czechische Element in Prag; wird sie aber in ihrem jetzigen Verhältnisse fortgeführt, so müsse sie mit der Zeit in sich selbst zerfallen. Sollte dieser Ausspruch nicht ein Fingerzeig für die jetzige Leitung dieser Schule sein, mit Energie daran zu gehen, daß chr von keiner Seite irgend ein Tadel entgegengehalten werden könne? Sollte sie nicht mit aller Kraft dahin wirken, dieser Schule wieder zu ihrem alten Glanze zu verhelfen? Dr.-r. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 23. Nov. In dritter vermehrter und verbesserter Auflage ist erschienen: „Die Geschichte Israels für die israel. Jugend. Bearbeitet von Or. G. Wolf, Religionslehrer der israel. Cultusgemeinde in Wien. Wien, Braumüller, 1871." Wir freuen uns

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.