Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-12-06 · Heft 49 (6.12.1870) · p. Seite 955

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 49 (6.12.1870)
Date
1870-12-06
Page
Seite 955 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3226744-3226794--28969-3302844
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

955 Die Anforderungen an ihn von Staat und Gesellschaft sind überaus groß, und andrerseits erfordern Gottesdienst und Schule nach den gegenwärtigen Bedürfnissen ungleich größere Mittel als früher. Bis jetzt hat es, wir können es offen anerkennen, an Opferwilligkeit hierfür bei den Juden nicht gefehlt, und es ist der Wahrheit nur gemäß, wenn wir sagen, daß in diesem Puncte das jetzige Geschlecht die früheren sehr übertrifft. Tägliche Thatsachen erweisen, daß dieser Geist im erfreulichen Wachsen begriffen ist. Alles, was zum wahren Heile der Menschen geschieht, wird zugleich zur Ehre Gottes gethan; und wo nun der religiöse Zweck ganz besonders und sichtlich vorhanden, da geschieht die That sicherlich vor Gott, und „Gott steht in der Gottesgemeinde!" Sammlung für im Kriege verunglückte Israeliten in Straßburg, Metz und Landgemeinden -es Elsaß uud Lothringens. Lehrer Daniels in Blekede ges. 15 Thlr. N. N. in Hildesheim 1 Thlr. Sammlung in Heiligenstadt: Frau Wittwe I. Grunsfeld 10 Thlr., Wittwe M. Oppenheim, Jos. Grunsfeld Söhne, je 5 Thlr. Jos. Löwenthal, M. G. Oppenheim, je 2 Thlr. Wittwe Henr. Löwenthal, Ungenannter, je 1 Thlr., Frl. Joh. Tobias 20 Sgr. Summa 26 Thlr. 20 Sgr. — Sammlung des Lehrers N. H. Katz in Berleburg: F. Heinemann, Meier Blumenthal, je 1 Thlr., M. Beifus 20 Sgr., F. Beifus 10 Sgr., F. Beifus jun. 15 Sgr., I. Krebs 7V2 Sgr., L. Goldschmidt und N. N., je 5 Sgr. Summa 4 Thlr. 4^ Sgr. — M. Rüben in Carlskrona (Schweden) 20 Thlr. — H. B. H. in D. 5 Thlr. — Gesammtsumme: 554 Thlr. 27 Sgr. und 240 Fr cs. Die Redaction. Prag, 20. November. Die deutsche Hauptschule in der Iosephstadt < Juden stadt) hat in jüngster Zeit sehr viel von sich reden gemacht, und ist ihre Angelegenheit auch für einen weitern Leserkreis nicht ohne Interesse. Die Schule für Israeliten im Jahre 1781 von Kaiser Joseph II. gegründet, wurde von ihm zu einer deutschen Hauptschule bestimmt, und blieb eine solche bis auf den heutigen Tag. Daß sie eine solche geblieben, bleiben mußte, das ist, was zu ihrer Auflösung hätte führen sollen. Als im Jahre 1848 allerhöchst angeordnet wurde, daß die Judenstadt, seit damals Josephstadt genannt, in die Verwaltung der Hauptgemeinde übergehen müsse, wurden von dem damaligen Vorsteher der Jsraelitengemeinde Herrn Th. I. Landau und einigen Vertrauensmännern die Modalitäten des Anschlusses entworfen, welche, ehe sie zur Ausführung gelangten um zehn volle Jahre zu spät kamen. Unter diese Verwaltung wurde die Pflasterung, Reinigung und Beleuchtung der Straßen u. s. w. und auch die Fortführung der Schule ausgenommen. Die Uebergabe der letzteren an die Stadgemeinde geschah mit einer, man kann sagen, unverantwortlichen Leichtfertigkeit. Freilich waren die israel. Contrahenten glücklich, endlich einmal des „fünften Hauptviertels" los zu fein, allein um welchen Preis sie es los wurden, das zeigt sich in sehr trauriger Weise, seitdem die nationalen Verhältnisse in Prag sich über alles gestellt. Am traurigsten zeigte sich dies bei der in Rede stehenden Schule, an welcher Männer den ersten Unterricht ertheilen, deren Ruf weit über den Ocean reicht, welche der Stolz und die Zierde des Judeuthums in- und auch außerhalb Oesterreichs sind. Für den Fortbestand dieser Schule glaubten die damaligen israelitischen Contrahenten genügend gesorgt zu haben, wenn sie in den Vertrag des Anschlusses der Judenstadt an die Stadtgemeinde eine Punctation aufnahmen, vermöge welcher die Stadtgemeinde verpflichtet wurde die Schule nach der übernommenen Weise bis zum Jahre 1870 fortzuführen, nach dieser Zeit aber stehe es ihr frei diese Schule aufzulassen, wenn sie für den Unterricht der israelitischen Jugend in anderweitig entsprechender Weise sorge. Die allgemeine Czechisirungslust unsrer Stadtvertretung konnte das Jahr 1870 nicht rasch genug erwarten, um dann durch die ihr zustehende Auflassung der deutschen Schule für israelitische Kinder die Czechisirung derselben an der Wurzel zu beginnen. Mit dem letzten October war die Erhaltungsfrist der Schule abgelaufen, und Anfangs October beschloß der Stadtrath, die Schule am 31. October zu schließen. Für den ferner« Unterricht glaubte der Stadtrath dadurch genügend gesorgt zu haben, daß er die israel. Jugend anwies, entweder den Unterricht an der czechischen Stadtschule zu suchen, oder — wenn 49*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.