Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1870)
- Date
- 1870-11-29
- Page
- Seite 951 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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951 den für mein eitles verlorenes Leben, mein Ersatz für all' die Entbehrung des HerzenL, die mir auferlegt worden — wenn Du mich Freund nennst, wenn Du ein Liebeswort an mich richtest, wenn Du mich um Dich duldest, wenn ich den warmen Strahl Deiner Augen erhaschen und in mich aufsaugen darf-dann habe ich ja genug, dann werde ich ja befriedigt fei, und die Qual meiner Seele sich Men . . DerTon seiner Stimme war wieder leidenschaftlicher geworden, sein Aussehen strafte seine Worte, die nur um das Almosen der Freundschaft baten, Lügen, er trat immer naher und suchte die Hand Lelias zu ergreifen. Sie aber wich weiter zurück, und indem sie so kalt und gemeffen, wie sie es unter dem Eindruck der Furcht und des Widerwillens vermochte, zu erwidern suchte, unterbrach sie ihn und sagte: „Herr Pfarrer, lassen Sie diese ungestümen Ausbrüche von Gefühlen, die zwischen uns nicht stattsinden dürfen. Ich kenne Sie nur als Besteller von Arbeit, und weiter nichts. Die Brücke, die sich zwischen unserer Kindheit geschlagen, ist längst zerbrochen. Den Trost, den Sie suchen, kann ich Ihnen nicht gewähren, müssen Sie wo anders suchen. Wenn Sie sich allzuviel mit mir beschäftigten, so kann ich nichts dafür uno gab Ihnen keine Veranlassung dazu. Ich bin nichts als Wittwe und Mutter, und in diese beiden Gefühle gehen alle meine Pflichten, geht all' mein Denken und Thun auf. Verschonen Sie mich also, ich bitte Sie dringend, mit solchem Ansuchen, und werfen Sie das Gevächtniß an mich von sich, was Ihnen bei Ihren hohen Geisteskräften leicht fein muß/' Paolo'schwieg einige Augenblicke; sein Gesicht hatte sich verfinstert, seine Stirn gerunzelt, feine Hände geballt. Er stampfte mit dem Fuße auf den Boden und sprach mit unterdrückter Heftigkeit, aber mit einer furchtbaren Färbung des Tones: „Nein, Lelia, mit solchen nichtssagenden Worten kommst Du dies Mal nicht von mir los. Jetzt oder nie muß sich entscheiden, was zu meinem Verderben und zu meiner Marler allzusehr den Inhalt meines ganzen Lebens ausgemacht. Ich stehe hier dies Mal nicht wie ein unbewaffneter, thörichter Jüngling vor Dir, sondern wie ein gereifter, mächtiger Mann, der seinen Willen durchzusetzen vermag. Du hast in dieser Stunde über Deine Zukunft zu wählen, und diese Wahl wird für Dich, aber auch für mich entscheidend fein. Laß alle diese thörichten Vorurtheile von Deiner reinen und hochbegabten Seele niederfallen, welche Menschen von Menschen trennen und die nur auf einem künstlich aufgeführten Bau des Truges ruhen, und laß uns wie in unserer Kindheit nickts als Mensch zu Menschen sein. Werde meine Freundin, werde die geliebte und verehrte Genossin meines Herzens, werde in Wirklichkeit, was Du bis jetzt in meiner Vorstellung gewesen, die Beherrscherin meines ganzen Daseins-willst Du aber nicht, stößt Du mich mit eisiger Hand von Dir, hast nichts für mich als Stolz und Abscheu — dann wehe Dir, wehe Dir und Deinem Kinde, Du sollst einem grausigen Geschicke anheimfallen, ich werde Drch treffen mitten in Dein Herz, daß der Tod Dir lieber werde als das Leben, daß Du untergehest in langem, langem Weh! Wähle, aber glaube nicht, daß irgend eine Macht die Gistschaale von Deinen Lippen werde reißen können, die meine Hand Dir bieten wird! ... Ja, wähle ... Die Zeit ist da, fürchte Alles für Dich und Dein Kind, es ist der furchtbarste Ernst, das unerbittlichste Geschick, das aus meinem Munde zu Dir spricht!" Diese zermalmenden Worte hatten meine arme Mutter schwer getroffen; sie fühlte wohl, welch' ein Dämon hier zu ihr sprach, welch' ein Teufel ihr gegenüberstanv, von dem sie kein Erbarmen, keine Schonung, kein Zurückweichen vor dem, was er sich zum Ziele gesteckt, zu erwarten hatte. Sie sah sich und ihr Kind seinem Grimme, seiner Verfolgung, seinen Schlägen und Dolchstößen ausgesetzt; sie wußte es nicht, aber fühlte es, daß die getäuschte Begierde den unerschütterlichsten Haß, die nie befriedigte Grausamkeit Hervorrust. Sie ahnte den Sturm, der sie und ihr Kind wie schwache Rohre zerknicken werde. Sie schauerte zusammen, sie bedeckte ihr Antlitz mit ihren Händen, sie rang sie-der Mann, der ihr gegenüberstand, blickte höhnisch auf diese Zeichen ihrer Angst, und schon legte sich ein Lächeln des Triumphes um seine falben Lippen . . . aber war sie denn einen Augenblick zweifelhaft, was sie zu thun, welchen Weg sie einzuschlagen habe? Nein, nicht den Moment lang, dessen der Sonnenstrahl bedarf, um von seinem Lichtball zur Erde zu gelangen. Sie hatte nichts zu erwägen, keine Wahl zu treffen. In dieser ihrer Festigkeit fand sie schnell die Stärke, dem entgegenzutreten, was sich so furchtbar über sie entlud. Sie richtete sich auf und sprach mit fester Stimme: „Sie irren, Herr Pfarrer, mir steht keine Wahl frei. Ich kann nicht wählen zwischen der Sünde und Schmach oder dem trübsten Geschicke, das mich zu treffen drohen sollte. Sie sind jetzt von Leidenschaft verblendet; ich hoffe, Sie kehren zur Besinnung zurück, und werden dann einsehen, daß ich nicht bloß für mich, sondern auch für Sieden rechten Weg eingeschlagen, daß ich nicht blos mich, sondern auch Sie gerettet habe. Was Sie mit Freundschaft benennen, oder in diesem Augenblicke darunter verstehen, das ist etwas ganz Anderes, was Sie und mich zum Verderben führen würde. Dies zeigt schon die Wuth, ,der Zorn, die wüsten Drohungen, die Sie dieser Freundschaft gegenüberstellen. Diese schrecken mich nicht. Ich vertraue darauf, daß Ihr Verstand, Ihr Gewissen, Ihre Priesterpflicht, Ihre Gottesfurcht erwachen und all' die gräßlichen Bilder hinwegscheuchen werden, die in ihnen nur die Kinder einer furchtbaren Aufregung sein konnten. Und wenn dies nicht, so vertraue ich auf den Schutz Gottes, des Gottes, der der Vater der Wittwen und Waisen ist, und der den Gerechten nicht untergehen läßt. Was Sie mir uud meinem Kinde thun würden, das thäten Sie auch ihm — Sie werden sich hüten davor!" „Weib, rief Paolo zähneknirschend, Du bethörst mich nicht mehr. Du weigerst Dich also, mein zu werden? .. . Gut, die Folge komme auf Dich! . . ." Er verweilte noch einige Augenblicke. AlS er sah, daß Lelia unbeweglich und mit abwchrender Geberde