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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-11-29 · Heft 48 (29.11.1870) · p. Seite 943

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 48 (29.11.1870)
Date
1870-11-29
Page
Seite 943 (sequence 19)
Language
German
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943 Polen (aller Confessionen) noch irgend eine Hoffnung I auf ihre Befreiung durch die siegreichen Franzosen I zuschreibt; so geneigt dieses Volk zu Illusionen ist, die Franzosen haben dasielbe so oft und so gründlich enttäuscht, daß jede Hoffnung auf sie geschwunden ist. Unfähig, die eigentlichen Ursachen ihres nationalen Unglückes und Sturzes zu erkennen und in sich selbst, ihrer Parteisucht und ihrer Käuflichkeit zu suchen, schreiben sie ihr Mißgeschick allein der Theilung Polens zu, die doch nur eine Folge jener Ursachen gewesen, und hegen nun gegen Preußen, weil es hierbei eine Rolle gespielt, einen unversöhnlichen Haß, wozu nun die Antipachie gegen Deutschland kömmt, welche allen Slaven einwohnt, weil sie sich mit jenen aus der Geschichte und ihrer Raceneigenthümlichkeit im Gegensatz fühlen. Was nun die gebildete Claffe der Juden betrifft, so sind diese durch und durch Polen geworden, und es gilt von ihnen was von jenen. Die niedere Claffe derselben folgt den Einflüssen, welche von ihren Führern auf sie geübt werden, den Meinungen, die unter ihnen verbreitet werden. Und hier muß ich auf einen Umstand aufmerksam machen, der nicht unterschätzt werden darf. Viel gelesen in Polen und Rußland sind die beiden hebräischen Zeitschriften,Hamaggid" (in Lyck) und „Halebanon" (in Paris), und diese Blätter bestärken ihre polnischen Glaubensgenossen in ihrer Gesinnung gegen Deutschland und für Frankreich in nicht geringem Maße, ersteres, indem es ausführlich und nachdrücklich jede der kleinen und kleinlichen Beschränkungen, welche das gegenwärtige preußische Unterrichtsministerium verübt, schildert, hervorhebt und vergrößert, dieses dagegen, jeden Fall, daß ein Jude in Frankreich ein höheres oder niederes Amt, einen höheren oder niederen Officiersrang erhält, ausposaunt und verherrlicht. Dadurch kommen die guten Leute zuletzt zu der Meinung, als ob Deutschland die Hölle, Frankreich das Paradies der Juden sei. Jedermann weiß, daß dies nicht der Fall ist, daß jene noch vorhandenen Chicanen auf die gesammten Verhältnisse der Juden von sehr geringem Einfluß sind, und daß es auch in Frankreich nicht an Rischus fehlt, der sich, wie die französische jüdische Presse immerfort zu berichten Veranlassung hat, in höheren und niederen Regionen, bei den Gerichtshöfen wie in der Literatur allzu oft geltend macht. Daß die jüdische Presse in Deutschland Nichts, auch nicht das Kleinste vorübergehen läßt, ohne darüber zu verhandeln, ist ihre Pflicht, denn sie hat es zu bekämpfen und wo möglich aus der Welt zu schaffen. Aber in Zeitschriften. die für das Ausland bestimmt sind, wird nicht ohne Nachtheil eine gehässige Richtung nach der einen und eine apologetische nach der anderen Seite hin verfolgt werden. Es ist für die polnischen Juden selbst von großer Bedeutung, in Deutschland und allem Deutschen nicht einen geborenen Gegner und Feindseliges zu sehen. Aus Deutschland allein kann die für sie so nothwendige Bildung kommen, nicht aus Frankreich, und mit Deutschland haben sie die Verbindungen zu unterhalten, welche auch ihr materielles Wohl bedingen. Dabei ist ihre Sprache, so sehr sie auch Jargon ist, deutsch. Ueber den Einfluß, den die ftanzösische Cultur unserer Zeit auf die Geister üben muß und in intellettueller, sittlicher und religiöser Beziehung übt. brauche ich mich nicht auszulassen, er ist anerkannter Weise verderblichster Art. Alles Französische daher im Lichte der Verherrlichung und Verklärung der urchellslosen Menge darzustellen, erachte ich für einen großen Mißgriff. Man sage nicht, hinsichtlich der unwissenden Menge sei dies schließlich gleichgülttg. Gerade aus dieser Menge gehen die schöpferischen, thätigen, civilisirenden Geister hervor, und wenn diesen von Jugend auf ein „Deutscher" als Gegenstand der Verachtung und des Hasses — die Volksleidenschaft kennt ja kein Maß — vorgestellt, alles Deutsche als verachtenswerth, als gefährlich und sündig vorgeschmäht wird, so kann die verderbliche Wirkung nicht ausbleiben. Ich könnte Ihnen von Fällen erzählen, die dies ganz thatsachlich erweisen, und mancher wackere ältere Lehrer, der in seiner Jugend sich des Deutschen befleißigte und daraus seine geistige und leibliche Nahrung zog, ist jetzt der Verachtung und dem Hungertode preisgegeben. Amerika. New Aork, 28. Ott. Der Hebrew Leader schreibt: Montag Nachmittag kamen folgende Rabbiner und Prediger, als besondere Delegirte ihrer Gemeinden, in unserer Stadt zusammen: — Rev. Dr. H. Birkenthal aus Albanh; M. Fluegel aus Quincy, Jll.; Ad. Hübsch aus New-Iork-City; Isidor Kalisch aus Newark, N. I.; Kleeberg aus Louisville, Ky; G. M. Kohn und Jacob Mayer aus Cleveland, Ohio; A. L. Mayer aus Richmond, Ba; S. H. Sonneschein aus 48*

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