Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1870)
- Date
- 1870-11-29
- Page
- Seite 936 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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936 onsunterricht herzustellen, hiermit als genügt angesehen. Der Begriff Schule ist aber Lei einem einzelnen Lehrgegenstande sehr biegsam. Selbst der Unterricht mehrerer oder vieler Kinder zusammen in sg. „jüdischen Stunden" braucht für keine Schule zu gelten, und somit ist es nach dem obigen Ministerialrescript den Gemeinden gestattet, ihre Schächter ohne abgelegte Prüfung den vom Gesetze geforderten Religionsunterricht geben zu lassen. Daß dies der Sinn des Gesetzgebers nicht war, ist ersichtlich. Demungeachtet ist diese Auslegung des Gesetzes für zahlreiche kleine Gemeinden sehr willkommen, welche bei dem Mangel an geprüften Lehrern und bei den gesteigerten Ansprüchen der letzteren sehr oft nicht im Stande sind, einen geprüften Lehrer zu beschaffen. Jahraus jahrein wurden die k. Regierungen deshalb mtt Gesuchen bestürmt, auch anderen Personen die Ertheilung des Unterrichts zu gestatten. Bom Rhein, im Nov. (Privatmitth.) Während deutsche Kraft, mit deutschen Waffen bewehrt, Sieg nach Sieg erficht, erleidet der deutsche Geist eine schwere Niederlage. Jndeß der unfehlbare Papst seines Staates, seiner Hauptstadt und seiner Paläste bis auf den Batican verlustig geht, gelangt sein Unfehlbarkeitsdogma innerhalb der römischkatholischen Kirche immer mehr zum Siege. Wie wir vorausgesagt, entspringt daraus kein Schisma, nur ein zettweises und örtliches Zerwürfniß, das sich bald ausgleichen und spurlos verschwinden wird. Deutsche Gelchrte waren es, welche, als dieses Dogma durch unzweideutige Zeichen als Zweck und Ziel des ganzen Concils bekannt wurde, in entschiedenster Weise dagegen auftraten, und, wenn auch nicht in eleganter Form, doch in der Gründlichkett und Wuchtigkett es allen anderen Nationen zuvor thaten. Dies hatte denn auch zur Folge, daß die Mehrzahl der deutschen Bischöfe sich auf dem Concil in der Opposition befanden, in der Opposition, von welcher so viel Lärm geschlagen wurde und die sich zuletzt dennoch nur als ein schwacher Schemen erwies. Denn der Papst und die Jesuiten kamen zu ihrem Ziele, nämlich zur fast einsümmigen Annahme des Unfehlbarkettsdogma durch das Concil. Die vielposaunige Opposition näurlich ergatterte richtig die bequeme Rückzugslinie, daß sie bei der öffentlichen Abstimmung wegblieb, so daß alle anwesenden Bäter bis auf einen mtt Ja antworteten, und von den weggebliebenen einer nach dem anderen sich schriftlich der Majorität unterwerfen konnte. Während aber die französischen und ungarischen Bischöfe in der Oppositton dies nicht thaten, haben die meisten deutschen Bischöfe ihre Unterwerfung ausgesprochen, ja vereinigten sich, um gemeinsam Hirtenbriefe an ihre Heerden zu erlassen, welche den Glauben an jenes Dogma als die unerläßliche Pflicht jedes Kacholtten verkündeten. Dies war die erste Niederlage des deutschen Geistes. Die deutschen Gelehrten ergaben sich nicht so leicht. Eine Anzahl Professoren, Gymnasiallehrer und Laien veröffentlichten einen Protest, in welchem sie jenes Dogma als eine Neuerung, sich selbst als die echten alten Katholiken bezeichnten. Alsbald traten die deutschen Bischöfe als Nerfechter des Dogmas auf, verboten jenen Professoren entweder, ihre Vorlesungen zu halten oder den Studirenden der katholischen Theologie, die Vorlesungen zu hören, und die Absetzung jener Lehrer ist bereits im Anzuge. So weit aus den öffentlichen Blättern bekannt geworden, steht das preußische Eultusministerium aus Setten der Bischöfe und hat gegen die in die Acht Erklärten sich geäußert. So viel man nun aus den Kreisen der Angegriffenen vernimmt, so werden die meisten sich auf die eine oder andere Weise aus dem Dllemma zu ziehen und ihre Protestatton vergessen zu machen suchen, einige werden sich sofort unterwerfen, und die kleine Zahl der anderen ihren Widerspruch in dickleibigen gelehrten Büchern und umfangreichen Artikeln fortsetzen. Auf die große Masse macht das Ereigniß gar keinen Eindruck, und was dem Papste für den Verlust seiner weltlichen Herrschaft so ungünsttg, das war für sein Unfehlbarkeitsdogma überaus günsttg, nämlich daß die Nattonen durch den riesigen Krieg für alle anderen Erscheinungen gleichgülttg, unaufmerksam sind. Der deutsche Geist ist somit von dem romanischen und jesuitischen Geiste dies Mal völlig geschlagen worden. Ob, wenn die Welt wieder zur Ruhe gekommen, aus diesem Stteite sich noch Etwas entwickeln werde, bezweifeln wir sehr. Denn einerseits ist auch aus der katholischen Welt der religiöse Fanatismus geschwunden, was wir selbstverständlich mit außerordentlicher Beftiedigung gewahren; man schüttelt den Kopf und läßt die Dinge ruhig gehen; andrerseits bringt jenes Dogma in den faetischen Zustand keine Veränderung. Die Bischöfe sind längst die gehorsamen Werkzeuge der römischen Curie geworden, und entschädigen sich