Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1870)
- Date
- 1870-11-29
- Page
- Seite 930 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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930 funden haben soll; dieselbe trug einige höchst unbekannte und geheimnißvolle Zeichen, welche Abü-l-Badar als „den höchsten Gottesnamen" betrachtete und in diesem Sinne auch in einem sechszeiligen Gedichte erklärte 0); ähnlich wie hier auf einem Stein, so laßt der Midrasch den Gottesnamen aus ein Schwert eingegraben sein.") Gehen wir nun an die Beantwortung der Frage: Was bedeutet vv? Die bisher gegebenen Erklärungen sind zumeist nichts anders als Nothbehelfe, und wir wollen auch die unserige nur als Hypothese gelten lasten. Löw's Erklärung") ist schon deshalb unhaltbar, weil eben von der Gravirnng des Gottesnamens immer nur ppn gesagt wird. — Es bleibt am gerathensten, wenn wir zur Beantwortung der obschwebenden Frage ein aus der Hand liegendes und — sonderbar genug — bisher nicht beachtetes Moment zum Ausgangspuucte wählen. Wie tritt das Tetragrammaton im Pentateuchs auf und was unterscheidet es in Bezug darauf von dem El6h!mnamen? Dieses Unterscheidende kann jenem seinen Namen gegeben haben. Wir antworten: Der Elöhtmname wird als ein, wie auch Schaddai, bekannter und im Bewußtsein und der Gottesauffastung des Volkes lebender stets nur einfach erwähnt, er wird nicht besonders eingesührt, dem Volke nicht vorgestellt, daher auch nicht etymologisch erklärt. Das Tetragr. hingegen tritt als Ausdruck einer Erkenntnißstuse aus, welche das Eintreten einer neuen religiös-geschichtlichen Periode signalisirt, war dem Volke früher unbekannt, wird demnach als ein bisher fremder Ausdruck in solcher Weise eingesührt und -— was uns maßgebend ist — durch -iw« rrrt« rr-'N« etymologisch erklärt. Das Tetragr.ist hiernach der „erklärte G ottesname" der 2w.*) '') Keivand's vesoription de monumens musulmans du duc de Blacas. Bd. II, S. 245 f. 10) Pethichta zu EchL rabb. tz 24. Jalküt Exod. $ 393. u) In der Zusammenstellung der Bezeichnungen für Tetragrammaton vergißt Low den Ausdruck 2« anzuführen, welcher sich Megill. Ta anith c. VII findet. Vgl. Lbl. d. Orient 1845 o. 649. *) Wir können diese Erklärung allerdings nur als eine neue, geistreiche Hypothese ansehen, wüsten an unserer Darstellung in Nr. 45 festhalten, und glauben für unsere Meinung die gewichtigsten Beweise herangebracht zu haben. Die Redaction. Literarischer Wochenbericht. Oppeln, im Nov. Deutsches Lesebuch für Oberclasten israel. Schulen, herausgegeben vom Lehrer G. Jacob in Sorau. Erste ALtheilung. 1870. Verlag der Schulbuchhandlung (Hermann Heilberg) Schleswig. Als ich nur den Namen des Herausgebers las, hatte ich schon das Berttauen, daß hier eine tüchttge pädagogische Leistung oder vortreffliche Auswahl guter Lesestücke vorliege. Herr Lehrer Jacob ist bei seinen oberschlesischen Collegen als gediegener Schulmann anerkannt. Referent kennt ihn ebenfalls von seiner früheren Wirksamkeit an der hiesigen Schule, wo namentlich sein Unterricht im Deutschen überraschend schöne Früchte zu Tage förderte. Der Herausgeber hat sein Lesebuch ohne jedes Vorwort in die Welt geschickt, entweder beabsichtigt derselbe, dies bei der zweiten Abtheilung nachzuholen, oder er huldigt wohl für seine Geistessrucht dem Grundsätze jenes Rabbi (Edujoth 5, 7), der es verschmähete, seinem leiblichen Kinde ein Wort der Empfehlung an seine Collegen mitzugeben. Doch werden die Worte des Herrn Jacob, die ich einem Briefe desselben entnehme, die Tendenz des Lesebuches angeben. „Die in den letzten zwei Decennien von christl. Pädagogen für die Volksschule verfaßten Lesebücher haben ein so stark hervortretendes confessionelles Gepräge, daß deren Einführung in die jüdische Schule reine Unmöglichkeit ist.Deshalb habe ich den Versuch gewagt, ein aus der Erfahrung und sorgfältiger Prüfung hervorgegangeues Buch herzustellen. „Zweck der vorliegenden ersten Abtheilung ist besonders die Jugend in die Anschauung der mannigfachen Verhältnisse des Menschenlebens, wie es sich im Einzelleben, in der Familie, Gemeinde und im Staate auf sittlich-religiöser Grundlage ausprägt, durch concrete, mustergiltige Darstellungen einzuführen. Die zweite Abtheilung, mit welcher das Lesebuch für Oberclasten abschließt, wird Bilder zur Belebung des Realunterrichts bringen." Wir beabsichtigen keineswegs, dem Urtheil unserer Schulmänner vorzugreifen, sind aber der Zuversicht, daß sie dieses Lesebuch für die Oberclaffen israel. Volksschulen mit Freude begrüßen werden. vr. Wiener, Rabbiner.