Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1870)
- Date
- 1870-11-29
- Page
- Seite 929 (sequence 5)
- Language
- German
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929 welchem jedoch der französische Gelehrte Garrez5) garnichts Jüdisches, vielmehr daS echt persische Ahüramazda sieht. — Was nun das Tetragrammaton und feine Unaussprechlichkeit betrisst, so hat die jüdische Anschauung Analoga in muhammedanischen Kreisen; und dies in dreifacher Weise: 1) Indem die Araber chr Wort für n^rfb«, nämlich rtbbN, welches ursprünglich wäre, erst in nsbb« dann aber, um einen vierbuchstabigen Gottesnamen zu gewinnen, in die 'gebräuchliche Form zusammenzogen, welches Streben nach Quadriliteralität in den Gottesnamen der amerikaner Theologe Grünebaum mit viel Scharfsinn und Sachkenntniß nachweist; — ferner indem sie, welche keinen von dem Begriffe der absoluten Existenz ausgehenden kanonischen Gottesnamen besitzen, eben dem die höchste Macht bezeichnenden dieselbe Rolle zutheilen, welche bei den Hebräern der ri-in a« hat, nennen sie ihn hbsbsbK asb (etwa unser awn N*Y?:iTf lasrrrj oder asarxb» rrbbs« aasr d. h. den großen Namen Gottes. 2) Da der ursemitische Goüesbegriff ein Ausdruck der Einwirkung ist, welche die in der Natur sich offenbarende unumschräntte Macht der Gottheit auf das in unabsehbaren Wüsteneien zum Bewußtsein seiner Schwäche und Berlaffenheit gelangte menschliche Gemüth ausübt, so gehen die sprachlichen Ausdrücke der Semiten für diesen erhabenen Begriff alle von der der Gottheit innewohnenden Kraft und Stärke aus: den Beduinen Abraham, Isaak und Jakob „offenbarte ich mich als '•-ra brr", ihre Nachkommen kannten n-rrb«, ihre die arabische Halbinsel und die syrische Wüste bewohnenden Geschwister richteten ihre Gebete zn r^bbrr; selbst der semitische Städtebewohner und Kaufmann hatte seinen „Mächtigen" in br«; die Auffassung der Allmacht als ewige Existenz, dieser philosophische Gottesbegriff, ist am frühesten im Judenthume erwacht, welches in dieser wie in vielen anderen Beziehungen dem Semitismus weit vorangeschritten war. — Doch auch in den Muhammedanismus drang die Auffaffung Gottes als ewiges, absolutes ■js« abgeleiteten rabbinischen vrvnr Brod hebr. anb, was jedoch im Pehlevi als rrwni vorkömmt (worüber zu vgl. Spiegel a. a. O. Glossar 8. v.); umgekehrt findet Rawlinson (Ontlines of the history of Assyria p. 12) den von Macrob. (8at I, 23) erwähnten Pharao Deleboras in dem von ihm entzifferten Divanubara des zehnten Jhd. 5) Forum, asiat. 186S IS. 194 ff. Sein, freilich viel später und auch nur bei feinen Bekenner« indogermanischen Stammes, den Persern, auch nicht den rechtgläubigen, sondern den Mystikern, „vaos la philosophie scolastique des Ckeikhites l’existence d’un Vien unique joue un trfcs grand röle. Le mot Tun (= Sein, Existenz) ddsigne dans leur scolastique quelque chose de si saint que les “iia-s doivent trembler en le provontzant tont autant que les Juif3 en pronongant le mot etc.“ 6 7) 3) Diese Scheu den begrifflich unserem Tetragrammaton entsprechenden philosophischen Goüesnamen -wugud auszusprechen, findet sich jedoch nicht nur bei den persischen Mystikern; sie findet sich auch bei den semitischen Wunderthätern des Islam in Aegypten, dieser Fabrica mysteriorum. Jusuf b. Hufein, so berichtet ein arabischer Curiositatenkrämer'), erfuhr, daß der berühmte ägyptische heilige Vü-1-I>ün den höchsten Gottesnamen kennt; er reist, um ihn zu erfahren, direct nach Aegypten, dient Vü-1-Xün (d. h. ist sein Schüler n"r cncj ein Jahr und bittet ihn dann um Mittheilung des Gottesnamens mit dem Versprechen die strengste Discretion zu beachten und das Geheimniß nicht weiter mitzutheilen. Der Lehrer schweigt. Nach sechs Monden schickt er den lernbegierigen Schüler mit einem Kistchen nach Fostat zu einem Freunde. Der Schüler wird unterwegs begierig, den . Inhalt der Kiste kennen zu lernen; er kann's nicht länger ertragen, öffnet das Kistchen und heraus springt eine — Maus. Nun galt es, dem Lehrer die Unart zu gestehen; dies war nicht nöthig, da derselbe Jusufs Vergehen ihm von der Sttrn herablas. „Thor Du," sprach er, „in Betreff einer Dir anvertrauten Maus hast Du mich betrogen; wie wär's wenn ich Dir erst den Gottesnamen anvertraute?" Jeder kundige Leser wird sich alfogleich einer auffallend ähnlichen Erzählung im Midrasch8) erinnen. — Was eigentlich dieser von Dü-l-Nün geheim gehaltene Gottesname gewesen sein mag? Der allbekannte Allah doch gewiß nicht; vielleicht ein ähnliches, wie bei den Persern das msi. In Betracht ziehe ich doch zu diesem Behufs, daß in einer arabischen Handschrift des briüfchen Museums von einer Inschrift die Rede ist, welche der Chalife *Al! geö) Kasembeg. Bab et les Babis. J. as. 1866 II p. 49. 7) Kazwini’s Kosmographie ed. Wüstenfeld Bd. II S. 94. 8) Köheleth rabbäh ID, 11.