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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-11-29 · Heft 48 (29.11.1870) · p. Seite 927

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 48 (29.11.1870)
Date
1870-11-29
Page
Seite 927 (sequence 3)
Language
German
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927 kann man Nachweisen, daß sie den Zusammenhang mit religiösen Studien niemals aufgegeben, die meisten derselben sogar in beiden excellirten. Es kann daher mit Recht gesagt werden, daß Israel zu aller Zeit eine „Gottesgemeinde" gewesen, da der Zweck seines Daseins, seine politische und geistige THLtigkeit sich stets auf dem Boden der Religion erhielt, in dieser seinen Lebensmittelpunct hatte und sich zumeist darauf beschränkte. Auf dem Grunde dieser Erkenntniß und dieser Thalsache steht nun als eine Mahnung das Wort des Psalmisten vor uns: brr mra ns: rrnbst „Gott steht (ist gegenwärtig) in der Gemeinde Gottes," und wir fasien es hier als einen Wegweiser in der Betrachtung besten, was in unserer Zeit der israelitischen Gemeinde obliegt.») Das erste Moment, das sich uns hier darbietet, ist: daß die israel. Gemeinde nichts Anderes als eine „Gottesgemeinde", d. h. als eine Religionsgemeinde sein soll. Bei den völlig veränderten Verhältnissen hat die jüdische Gemeinde keine anderweitigen Beziehungen mehr und keine anderen Jnteresten zu verfolgen, als die der Religion, und ihr Zweck ist daher kein anderer als: den Bestand der israelitischen Religion zu erhalten, zu sichern, sie innerhalb ihrer Glieder lebendig zu erhalten und wirksam zu machen, demnach Alles zu thun und zu beschaffen, was zu diesen hohen Zwecken erforderlich ist, und zwar in der Weise, in welcher es diesen Zwecken am meisten entspricht. Gott ist gegenwärtig in der Gottesgemeinde, d. h. zunächst, diese Gemeinde ist um Gottes willen da, hat ihren Grund und ihr Ziel in Gott, um sich in ihrer Gesammtheit und in allen ihren Gliedern zu Gott hinzuführen. Hierzu aber gehört nach der allgemeinen Seite hin das Bekenntniß der vom Judenthume verkündeten Gottesidee, die Trägerschaft derselben, das Zeugniß für sie. Es ist nicht zu verkennen, daß gerade diese Pflicht, diese Aufgabe für die jüdische Gemeinde, für die Gesammtgemeinde Israels wie für jede einzelne in der neuesten Zeit an Bedeutung und Schwere gewachsen ist. Je mehr durch die Gleichstellung, nicht blos der Bekenner der verschiedenen Culte, sondern auch dieser selbst, alle besonderen politischen und socialen Verhältniffe für die Juden aufgehört haben oder in den *j Wir lassen hier die specielle Bedeutung der obigen Worte an der Psalmen stelle außer Betracht, s. uns. Commentar z. St. Hintergrund getreten sind, je mehr andrerseits der Eintritt in das große Culturleben wiederum nicht blos für die Bekenner, sondern für das Judenthum selbst sich vollzogen hat, je mehr hierdurch der Jude all' den, sein Jntereste beanspruchenden und zerstreuenden Elementen des modernen Lebens hingegeben, das Judenthum aber mit unmittelbarer Wucht den bestehenden Gegensätzen in den Kirchen, in der Philosophie, in den Wisienschaften, in der Bildung, im allgemeinen geistigen Leben, den sich darin vollführenden feindlichen und freundlichen Strebungen gegenüber gestellt ist, und je mehr in unserer Zeit eine rasche Entwickelung nach den verschiedenartigsten Seilen mit mannigfaltigen Kämpfen und nicht ohne vielfache Verwirrung vor sich geht; desto mehr hat das Judenthum seine Zeugenschaft für die Gotteslehre, für welche und in welcher es besteht, kundzugeben und zu bethätigen. Dies wiederum geschieht auf zwei Wegen, die zuletzt zusammenlaufen, nämlich: einerseits durch das treue und eifrige (nicht eifernde) Festhalten an dieser reinen und erhabenen Gotteslehre in unverfälschter, geklärter Weise seitens aller Juden im offenen Bekenntniß wie in thatkrästiger Beförderung zu aller Zeit und besonders jedem Angriff und aller Nivellirungssucht gegenüber , andrerseits durch die wissenschaftliche Bearbeitung des Judenthums in theoretischer und geschichtlicher Beziehung, durch eine sich frisch entfaltende Literatur und durch Anstalten für die Wisienschaft des Judenthums und deren Studium. (Fortsetzung sotgr.> Sammlung für die verunglückten Zsraetiten in Straßburg, Metz und den Landgemeinden in Elsaß und Lothringen. Herr Elias Meyer in Aachen 50 Thlr., Abraham Mendel in Plaue 5 Thlr., Gebr. Jonas in Plaue 6 Thlr., die Synagogengemeiude zu Nienburg a. d. Weser 10 Thlr. Summa 482 Thlr. 21,2 Sgr. und 24O Frcs. Nach genaueren Informationen und den von mehreren Spendern ausgesprochenen Wünschen werden wir den Ertrag dieser Sammlung theilweise auch auf die israel. Landgemeinden von Elsaß und Lothringen ausdehnen, sobald der Erfolg unsers Aufrufs genügende Mittel hierzu gewähren wird. Wie schon einmal bemerkt, wird am Schluffe ein Rechenschaftsbericht von uns gegeben werden. Die Redaction. 48*

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