Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1870)
- Date
- 1870-11-22
- Page
- Seite 915 (sequence 7)
- Language
- German
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915 und als leer und ohnmächtig erweisen, dieser Gährungsprvceß die französische Nation destomehr von den Schlacken reinige, die sich in ihr aufgehäuft haben, daß sie sich von all' der Selbstüberhebung, von all' dem nationalen und persönlichen Ehrgeiz, der Eitelkeit, dem Haschen nach Schein und Flitter, von den falschen Begriffen über Recht und Billigkeit, von der Herrschgier und vor Allem von der Unwissenheit, von der Unkenntniß der eignen und der fremden Zustände, von der Neigung zu dem Lug- und Trugsystem, dem sie sich gefangen gegeben, so sittlich wieder aufzurichten und von Neuem aufzubauen vermöge, um die Entwicklung ihrer bedeutenden Fähigkeiten auf geistigem und industriellem Gebiete auf geraden und ebenen Wegen wieder beginnen und fördern zu können. ' Wir würden die Aufgabe, welche wir uns gestellt, nicht völlig erfüllt glauben, wenn wir nicht noch mit Wenigem die Lage Italiens in Erwägung zögen. In eigenthümlicher Weise wurde die apenninische Halbinsel seit anderthalb Jahrzehenden bei allen europäischen Verwickelungen und Kämpfen in Mitleidenschaft gezogen, und gelangte durch die Erfolge, die auf ihm fremden Schlachtfeldern erstritten wurden, zu dem Ziele seiner nationalen Einheit. Außer diesem Glücke von außen hat es noch die innere Dergunst, eine nationale Idee zu haben, gleich Deutschland, in deren Lichte eine Wiederverjüngung möglich ist. Im Dienste dieser Idee hat es eine große gemäßigte liberale Partei, welche die extreme, die sg. Activnspartei znm Handeln treibt. So kam es, daß, gerade nach der Proclamirung des Unsehlbarkeitsdvgma, durch den, von den Deutschen blutig errungenen Sieg die Italiener auf fast ganz unblutige Weise den Papst auf seinen vaticanischen Palast beschränken, sich Roms und des Kirchenstaates bemächtigen konnten, wenn auch König undMinisterium nur zögernd darauf eingingen. Es wird jetzt Italien die Zeit gegönnt sein, an seinem innern Ausbau zu arbeiten, und die beiden großen Culturaufgaben jedes modernen Volkes, die Volksbildung durchzuführen und die Enfaltung des industriellen Lebens zu fördern, zu lösen. Die Zukunft wird erweisen, ob Italien hierin vorzugehen das Geschick und den Willen hat. Denn daß die Einverleibung deS Kirchenstaates von irgend einer außeritalienischen Seite angegriffen und materiell bestritten werde, ist keine Aussicht vorhanden. Es werden an Italien die Forderungen der anderen Mächte, die Freiheit und Unabhängigkeit des Papstes in seinem geistlichen Amte, in seinem oberhirtlichen Berufe über die katholische Krrche zu sichern, herantreten. Das Bedürfniß hiernach ist um so größer, je unbeschränkter die päpstliche Autorität durch die Majoritätsbeschlüsse des letzten Concils geworden ist, und je serviler der ganze Episkopat, auch in den Gliedern der conciliarischen Opposition nach dem Concile sich benommen hat. Die Lösung dieser Frage wird aber auf diplomatischem Wege, also ohne Erschütterungen und materielle Kämpfe zu Stande kommen. So stellt sich uns das Bild der nächsten Zukunft auf dem Boden der Thatsachen und der constatirten Richtungen dar. Es hat noch seine großen und dunkeln Schattenseiten; es zeigen sich in der Perspective noch Ausgaben und Probleme genug. Aber das Licht ist doch vorherrschend und die Wirksamkeit desselben auf alle dunkeln Partien scheint gesichert. Es ist nicht die freudige Aufwallung jugendfrischer Hoffnungen, die sich so leicht zu Täuschungen wandeln, sondern die Sicherheit männlicher Besonnenheit, kräftiger Entschließung und erprobter Befähigung, mit welcher wir in die nächste Zukunft hineinschreiten mögen. Welche Aussichten knüpfen sich nun hieran für die Juden? Dies mögen wir am Schluffe zu erwägen suchen. Sammlung für die verunglückten Israeliten in Straßburg und Metz. Aus Bonn ferner von Herrn Jacob Meyer 5 Thlr., Hellwitz 3 Thlr.. Lehrer Loewenstein k Thlr., Oberländer l Thlr., Meier Heymann 1 Thlr., Mich. Schuster 1 Thlr., Jul. Livien 5 Thlr. Zusammen aus Bonn 375 Thlr. und 240 Frcs. Bon Herrn Benny Burchardt in Berlin 5 Thlr., L. R,vsenthal in Moers 10 Thlr., Isaak Böhme in Gröbzig 2 Thlr., durch H. Lehrer R. Wolfsdorf in Erwitte gesammelt von Herrn Benj. Stern 5 Thlr., Simon Schreiber aus Sacramento 5 Thlr., Levy Stern llj-> Thlr., Sostheim, Frau Henr. Schulen, vr. G. Stern je 1 Thlr.. Isaak Elsbach ssn. 20 Sgr., Isaak Schreiber, I. Elsbach^rw., H. Stern, I. Stern, Wittwe A. Stern je 15 Sgr., B. Rathheim, B. Fisch-