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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-11-15 · Heft 46 (15.11.1870) · p. Seite 904

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 46 (15.11.1870)
Date
1870-11-15
Page
Seite 904 (sequence 16)
Language
German
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900 Die hiesige jüd. Gemeindewahl, die bereits Ende vorigen Jahres hätte vorgenommen werden sollen und auf Reclamation eines Theils der jüd. Gemeindeglieder verschiedene Stadien durchmachte, ist bis jetzt noch nicht anberaumt. Möge die verspätete Vornahme derselben keine Schlaffheit erzeugen, vielmehr durch allseitige rege Theilnahme aus derselben Männer hervorgehen, die alle in einer so großen Gemeinde vorkommenden Angelegenheiten im Geiste der Zeit entscheiden und Mund und Her; auf dem rechten Fleck haben. Daß wir an letzterem keinen Mangel haben, beweisen die reichen Gaben an Geld und Naturalien, die unsre jüd. Mitbürger zur Minderung der vom Kriege Betroffenen nach jeder Richtung hin brachten. Erfüllt von der Größe der Opfer, die der Krieg jedem Einzelnen auferlegt, hat die hiesige jüd. Bevölkerung, wie stets, so auch in dem jetzigen bewegten Momente ihren Opfersinn in glänzender Weise bcthätigt und hierdurch Zeugniß von dem Edelsinne, jeder Noch und jedem Elend, unter welchem Flamen und welcher Gestalt es sich auch zeigen mag, nach Kräften zu steuern, abgelegt. Somit schließen wir diesen Bericht, wünschend, daß der Opfer, die im Allgemeinen so reichlich stoffen und als schwacher Beweis der Dankbarkeit, die wir unfern tapfern, braven Truppen schulden, dienen wollen, durch baldigen, allseitig ersehnten Friedensschluß nur noch wenige zu bringen seien. Wie manches gemeinnützige Werk, wie mancher speciell jüdische Zweck würde sonst noch darunter leiden und wie viel hat noch für die zu begründende Hochschule in Berlin, für die Besserung der Verhältnisse resp. Auswanderung der russischen Juden zu geschehen! Sigmund Heumann. Oesterreichischungarische Monarchie. Wien, 1. November. (Privatmitch.) Bezüglich der neu zu errichtenden jüdisch-theologischen Lehranstalt ist noch ein Moment zu bemerken. Das Ministerium beabsichtigt die Professoren dieser Anstalt bezüglich des Gehaltes den Professoren an der katholischen Facultät gleichzustellen. Diese genießen jetzt nicht einen gleichen Gehalr wie die Professoren an der andern Facultät. Das Ministerium gedenkt hingegen im Reichsrathe eine Gesetzesvorlage einzubringen, nach welcher die Professoren aller Facultäten bezüglich des Gehaltes, gleichgestellt^ sein sollen, respective den Gehalt der Professoren an der theologischen Facultät zu erhöhen. In der Religionsschule der hiesigen israel. Gemeinde, wo bisher die Schüler der Mittelschulen wöchentlich drei Stunden Unterricht erhielten, werden jetzt nur zwei Stunden Religionsunterricht ertheilt, wie es das neue Gesetz vorschreibt. In der einen Stunde wird Bibel im Urtexte, in der andern jüdische Geschichte und systematischer Religionsunterricht gelehrt. Außerdem wird denjenigen Schülern, welche es wünschen, ein erweiterter Unterricht in der Bibel im Urtexte ertheilt. Es ist nicht vorauszusehen, daß die Zahl dieser Schüler eine bedeutende sein werde, und der Erfolg, der erzielt werden kann, wenn in der Woche einmal in einer fremden todten Sprache unterrichtet wird, ist sehr fraglich.*) —. Der Gründer des israelitischen Hospitals zu Teplitz, Herr Dr. Schmelkes, ist in Jnterlaken an einer Nervenlähmung verstorben. Pest, 13. October. > Privatmitth.) Unter den zahlreichen Wohlthätigkeitsanstalten, welche in beredtster Weise für die Humanität und Munificen; der hiesigen israel. Gemeinde zeugen, nimmt das jüngst erst errichtete Knabenwaisenhaus unstreitig einen der ersten Plätze ein. Es ist aber in der That auch ein Liebling der Gemeinde und wird, einem zärtlichen Schooskinde gleich, von derselben mit größter O pfer - freudigkeit gehegt und gepflegt, wie das schon die bei jeder Gelegenheit zu dessen Gunsten reichlich einflicßenden Spenden zur Genüge beweisen. So z. B. wird nur höchst selten Einer zur Thora gerufen, der vor allen Anderen dieses humanitäre Institut nicht mit einer namhaften Summe bedenken würde. Heure, als am 2. Tage des Sukkoth-Halbfestes, hat die erste Jahresprüfung der, in demselben mit aller Umsicht und wahrhaft väterlicher Fürsorge gepflegten 20 Waisenknaben — welche Zahl, wie wir zuverlässig vernehmen, in nächster Bälde schon bedeutend vermehrt werden dürfte — im Beisein eines gewählten Publicums, worunter wir die ehrwürdigen Herren Prediger, Mitglieder des Vorstandes, mehrere *) Oder vielmehr gar nicht fraglich, sondern sicher wie Null. Redaction.

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