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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-11-15 · Heft 46 (15.11.1870) · p. Seite 902

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 46 (15.11.1870)
Date
1870-11-15
Page
Seite 902 (sequence 14)
Language
German
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898 hatte sich eine Anzahl Ofsiciere, Collegen und Freunde desselben angeschlossen. Eine Reihe Equipagen beschloß den Zug. Am Grabe hielt der Rabbiner Dr. Joel eine ergreifende Trauerrede. AuH der Provinz Posen, 1. Nov. «Privatmitth.! Wie wir in d. Kl. bereits mitgetheilt, sind die Repräsentanrenwahlen der Synagogengemeinde -Posen, obschon sie durch Bescheid der k. Regierung und des Oberpräsidiums aufrecht erhalten worden, durch das Ministerium des Innern wegen Befolgung eines ungültigen Wahlreglements aufgehoben und die Anfertigung eines neuen Wahlreglements aus Grund des Gesetzes vom 23. Juli 1847 angevrdnet worden. Nunmehr hat der Borsland ein solches Wahlreglement auszearbeitet. die Repräsentanten es genehmigt und die k. Regierung bestätigt. Es liegen gegenwärtig die Wahllisten behufs Abhaltung einer -Neuwahl von Repräsentanten und Stellvertretern, welche noch im Laufe die'es Jahres erfolgen soll, aus. Jeder Stimmberechtigte har nach dem neuen Reglement einen Zettel mir den -Namen sämmtlicher zu wählenden Repräsentanten und Stellvertreter bis Abends an dem Wahltage abzugeben. Voraussichtlich wird die Betheiligung der Wähler ebenso wie im vorigen Jahre wieder eine sehr rege sein. Gestatten Sie mir, um der Gerechtigkeit willen, die Bemerkung, daß die Mittheilung, man habe bei dem plötzlich verstorbenen sg. Rabbiner Lewin ein Kreuz auf der Brust gesunden, auf einem von seinen Feinden verbreiteren Gerücht beruhte, das daraus beschränkt werden muß, daß man bei dem Verstorbenen keinen fand. Reiße, 2. Nov. «Privatmitth. > Gleich vielen andern unserer Glaubensgenossen, ist neulich auch einem der der hiesigen Gemeinde angehörenden drei Militärärzte, dem Stabsarzt vr. Skutsch, in Folge bewiesener Standhaftigkeit und Ausdauer bei Ausübung seiner ärztlichen Thätigkeit auf dem Schlachtfelde, das eiserne Kreuz verliehen worden. In dem hiesigen etwa 4000 franz. Gefangene enthaltenden Zeltlager, konnten amtlich nur 5 Juden ausgemittelt werden. Diesen wurde denn auch an den verflossenen Feiertagen, auf Ansuchen des Gemeindevorstandes, bereitwillig die Erlaubnis zum Besuch des öffentlichen Gottesdienstes ertheilt. Nicht unbemerkt mag es bleiben, daß vier dieser Leute, Elsässer, im hebr. Gebetbuche gut Bescheid wußten, während der fünfte, ein Stockfranzose, weder Hebräisch zu lesen verstand, noch irgend eine Ahnung vom religiösen Eeremoniel hatte, ja, nach seiner Angabe, sogar des abrahamitischen Bundeszeichens entbehrt. Daß für anständige Beköstigung dieser Leute während der Feiertage gesorgt wurde, ist selbstverständlich. Essen, 23. Sept. In feierlicher Weise fand heute in den -Abendstunden von 5 bis 7 Uhr die Einweihung der neuen Synagoge der hiesigen, gegenwärtig 700 Seelen umfassenden israelitischen Gemeinde statt. Das Gebäude steht an Stelle des alten, im Jahre 1808 errichteten. Von zwei Kuppelthürmen flankirt, ist es äußerlich in einfach edlem, orientalischem Styl gehalten. Das Innere mit flacher, verzierter Holzdecke ist in seinen hellen, milden Farben und der ganzen Architectur von angenehmer Wirkung, die Gallerien und die Orgel bühne springen weit vor, es ist für circa 500 Sitzplätze Raum. Die Estrade, auf welcher sich das Rednerpult vor der für die heilige Lade bestimmten, einfach decorirten Nische befindet, war mir Topfgewächsen geschmückt. Zu der Feier hatten sich außer der Gemeinde die Herren Pastoren Beising und Fischer katholischer und Herr Pastor Wächtler evangelischer Seils, sowie die Herren Bürgermeister Hache, Polzeiinspector Dähne, Landrathamtsverweser Zörnsch und Major v. Forstner eingefunden. Nach einer Abschiedsfeier in der Synagogenschnle begab sich der Zug der 12 Thoraträger, an der Spitze der Prediger, Herr Lehrer Blumenfeld, und der Vorsteher der Gemeinde, Herr Heinemann, in die neue Synagoge, wo der übrige Theil der Gemeinde bereits versammelt war. Unter Orgelklang und Ehorgesang betrat der Zug die Estrade und hielt unter abwechselnden Hebräischen und Deutschen Gebeten und Gesängen einen dreimaligen Umzug. Ein inniges Einweihungsgebet nnd nochmaliger Gesang von der Orgelbühne gingen der nunmehr folgenden Weiherede des Herrn Blumenfeld voran. Die ganze Feier machte durch die harmonischen Chorgesänge, in welchen besonders die Frauenstimmen rein und hell hervortraten, durch den schönen Klang der Orgel und die beredten, von warmem Gefühl und regem Geist belebten Ansprachen und Gebete des Hrn. Blumenfeld einen erhebenden, weihevollen Eindruck.

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