Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1870)
- Date
- 1870-11-15
- Page
- Seite 896 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3226744-3226791--28907-3302773- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Szeged 1× ep/1048127
OCR text
896 und die richtige Erkenntniß sich Bahn bricht, dafür giebt auch das vorliegende Schriftchen (100 S.) Zeugniß. Das mosaische Gesetz verkündete die höchsten socialen Principien. Diese Wahrheit, welche auch die bekannte Resolution der Leipziger israelitischen Synode aussprach, sucht der Verfasier zu erweisen, und ist dies eine um so willkommenere Bestätigung dem jüngsten Angriff gegenüber, als der Berf., ein evangelischer Geistlicher, von jener Resolution keine Kenntniß hatte und aus der dahin schlagenden bereits umfänglichen Literatur nur Michaelis und Saalschütz Mosaisches Recht kannte. Die Untersuchungen des Gegenstandes sind geistvoll ausgeführt, wenn auch nicht mit wiffenschastlicher Begründung versehen, da der Vers, vor Allem das allgemeine gebildete Publicum vor Augen hatte. Mit einzelnen Ansichten sind wir nicht einverstanden, doch würde die Besprechung an diesem Orte einen zu großen Raum beanspruchen. Jedenfalls empfehlen wir die Resultate dieser Schrift nachdrücklich der Beachtung der Lesewelt. — In Magdeburg ist „als Manuscript gedruckt für die Mitglieder des Handwerkermeister- und des Gewerbevereines" auf Kosten dieser beiden Vereine erschienen: „Ueber den Begriff und die geschichtliche Entwickelung der Arbeit. Zwei Vorlesungen gehalten von Julius Philippson, Kaufmann in Magdeburg." Die Art der Veröffentlichung zeugt für den Werth, welchen diese beiden Vorlesungen den Zuhörern zu haben schienen, und in der That stellen sie die Entwickelung der Arbeit in den verschiedenen Stadien der Menschengeschichte und Verhältniß derselben zu Kapital, Besitz und Geist mit Umsicht und Scharfsinn, gestützt auf praktische Erfahrung, und mit reicher Geschichtskenntniß, verbunden mit Belesenheit in der einschlägigen Literatur, dar. Dabei ist der moralische Standpunct, der in der Erörterung dieser großen Frage gewöhnlich übersehen wird, und doch nach unserer Ansicht ebenso entscheidend wie das materielle Moment ist, überall hervvrgehoben. Die Sprache ist edel und fließend, und nur hier und da hatten wir eine noch prägnantere logische Gruppirung der Sätze gewünscht. Es scheint uns wünschenswerth, daß der Broschüre auch für das weitere Publicum auf buchhändlerischem Wege die Verbreitung ermöglicht werde, wozu freilich nunmehr ein neuer Abdruck nothwendig wäre. Wien, Auf. Nov. Bor einigen Tagen ist bei L. Aigner in Pest ein 332 Seiten starkes Werk vom Oberrab. L öw erschienen, unter dem Titel: „Der jüd. Congreß in Ungarn historisch beleuchtet. Beitrag zur Rechts-, Religions- und Culturgeschichte." Das Werk selbst ist mir noch nicht zu Gesicht gekommen, und sind wir übrigens einer Besprechung deffelben aus Ihrer gewiegten Feder gewärtig.*) — Herr Löw arbeitet gegenwärtig auch an einer Geschichte der Juden in Ungarn, und dürste das Werk bei der Gediegenheit, die von diesem geistreichen Autor zu erwarten steht, ebenfalls vom „Institute zur Förderung der israel. Literatur" herausgegeben werden. — Nicht unerwähnt kann ich auch den vor einiger Zeit bei B. Traub in Szegedin erschienenen, prachtvoll ausgestatteten Band ungarischer Predigten von Löw laffen, der in den größten polittschen Tagesblättern, als „Pester Lloyd", „Hon", eingehend besprochen wurde, welcher Umstand auch die größte illustrirte ungarische Wochenschrift „Magyarorszäg 4s a nagy viläg" veranlaßte, das Bildniß Löw's sammt seiner Biographie zu liefern. Zu bemerken ist, daß Löw, obschon Mähre von Geburt, der Erste war, der die ungarische Predigt auf die Kanzel brachte, und noch jetzt deren hervorragendster Vertreter ist. —. Vor Kurzem ist ein Pamphlet gegegen das Seminar in Breslau erschienen, das Ihnen vielleicht nicht zu Gesichte gekommen.**) Der Verf. hat seinen Zweck gänzlich verfehlt. Denn über die wirklichen Mangel der Anstalt und die Unzulänglichkeit einzelner Lehrer erfahren wir nichts. Statt nachzuweisen, daß das Feld der Homiletik und Religionsphilosophie fett dem Ausscheiden des Rabb. Dr. Joel daselbst ganz brach liegt, daß die Anleitung zur schriftlichen Ausarbeitung talmudischer Themata und die Gegenstände über jüdisches Kalenderwesen und Metrologie bloß in den Jahresberichten figuriren, daß die Pflege der hebr. Sprache und Stilistik nicht einmal in den Lehrplan des Seminars ausgenommen ist, was demselben besonders übel genommen wird, ergeht sich der Berfaffer in persönlichen Schmähungen der gemeinsten Art.***) Jg. Friedlieber. *) Wir haben das Werk noch nicht erhalten. Redact. **) Doch. Der Verf. hat es uns zugeschickt, wir hielten es aber für unwerth, unsrerseits beachtet zu werden. - Redact. ***) In meiner in Nr. 40 erschienenen Recension über Friedmanns Mechilta soll es am Schluffe heißen, daß F. nun an die Herausgabe des Sifta (nicht Sifrs) schreitet, da seine Ausgabe des Sifrs bereits vor einigen Jahren erschienen ist.