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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-11-15 · Heft 46 (15.11.1870) · p. Seite 897

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 46 (15.11.1870)
Date
1870-11-15
Page
Seite 897 (sequence 9)
Language
German
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901 Schulmänner, Herrn Obercantor Friedmann rc. bemerkten, stattgefunden. Die Zöglinge legren hierbei unzweideutige Beweise ihres geistigen und körperlichen Gedeihens an den Tag und waren die Anwesenden von den schlagfertigen Antworten, welche diese lieben Kleinen aus den verschiedenen Gegenständen zu geben wußten, auf das Höchste befriedigt. Am Schlüsse der Prüfung hielt Herr vr. Kayserling eine kurze, ergreifende Ansprache, in welcher er den Waisenkindern die Größe der ihnen Seitens der Gemeinde erwiesenen Wohltharen vor die Seele führte, sie zu ewigem Danke gegen dieselbe ermahnte und schließlich dem verdienstvollen Lehrer und weiter des Institutes, Herrn I. Rozsllsi, für seine hingebende Mühewaltung, mit welcher er bei den Verwaisten, im Sinne der edelherzigen Gemeinde, so liebevoll Aelternstelle vertritt, die belobendste Anerkennung zollte. In derselben Richtung sprach auch Herr Fox, Präses der um das Zustandekommen und Aufblühen dieses Institutes hochverdienten Commission, woraus von demselben verschiedene Prämien, behufs Aufmunterung ' zu fernerem Fleiße, an 'die Bravsten unter den Cleven vertheilt wurden. Möge der solchen Cdelmuth nach Verdienst belohnen. Ter anonyme Gründer *) dieses Institutes hingegen kann den reichsten Lohn für sein edles Werk in dem süßen Bewußtsein finden, so vielen verlassenen, obdachlosen Waisen ein trautes, liebevolles Heim geschahen zu haben. Lemberg, 30. Set. > Privaimitrh.) Den hiesigen Bürgern steht auf Grund des endlich errungenen Gemeindeftatuts die Wahl eines neuen Bürgermeisters bevor, und schwankt diese zwischen Ziemialkowski und Smolka. Die israelitischen Bürger befinden sich hierbei in einem Dilemma. Man wird sich erinnern, daß bei den jüngsten Wahlen zum Landtage die Juden in ihrer großen Mehrheit für Ziemialkowski stimmten als einen Anhänger, und gegen Smolka als einen Gegner der Verfassung. Smolka aber ist als Verrheidiger der Gleichberechtigung aller Confessionen und als bewährter Liberaler in Confessionssachen bei den *) Den ersten Impuls zur Jnslebenrufung eines isr. Knabenwaisenhauses in Pest gab nämlich ein hies. ungenanntseinwollender Philanthrop, der zu diesem Zwecke ein prachwoües, zwei Stock hohes Haus spendete. F. Juden sehr beliebt, und sie würden ihn deshalb gern zum Bürgermeister gewählt sehen. Es ist daher eine Spalmng der jüdischen Wähler, welche einen io beträchtlichen Theil der hiesigen Wähler ausmachen, zu besorgen, während sie von der anderen Seite durch die Abstimmung für die Wahl Smolkas sich der polnischen Partei wieder etwas genähert fänden. Znaim, 27. Sct. tPrivatmitlh.- Der Mährische Landesausschuß har allhier den Dr. S. Mühsam, obschon er Ausländer «Preuße) und jüdischer Seelsorger im Amte ist, an der hiesigen Landesrcalschule als Lehrer der französischen Sprache, für das erste Jahr als Supplent, angestellt. Wenn in Sesterreich auch hie und da schon jüoische Lehrer an Mittelschulen sungiren, so gewinnt diese Anstellung denn doch umsomehr an Jnrerefie. als vr. M.r wie gesagt, das Amt eines jüdischen Seelsorgers in der hiesigen Cultusgemeinde bekleidet, und kur; vorher von der Mährischen Statchalrerei als Retigionslehrer am hiesigen Gymnasium und an der Realschule bestätigt worden ist. Czernowitz, im Sct. ^Civiltrauung.« Ein hier noch seltenes Ereigniß, schreibt man der „Presse" von hier 25. d. Ai., trug sich heute 11 Uhr Vormittags zu. Im herrlich geschmückten großen Saale des Rathhauses wurde nämlich die erste Rothcivilehe in der Bukowina vollzogen. Beide Brautleute «Heinrich Grauer und Bertha, zeborne Schapira) gehören der israelitischen Eonfession an. Das Ehehinderniß. welches die Civiltrauung bedingte, bestand darin, daß die Braut von ihrem ersten Garten in der Moldau, wo sie mit demselben früher wohnte, zwar gerichtlich, nicht aber rituell geschieden war. Die Trauungscommission bestand aus den beiden Bürgermeistern von Czernowitz «Advocar v. Kochanowski und Advocat vr. v. Ambros), zwei Sradträrhen «vr. Atlas und Krügel) und einem Mazistratsrathe, zugleich beeideten Schriftführer « Kislinger). In einer Rede stellte der Bürgermeister v. Kochanowski den Brautleuten den Ernst und die Tragweite ihres Schrittes dar, belehrte sie über ihre vom Gesetze geforderten Rechte und Pflichten und stellte sodann die üblichen Fragen über ihre gegenseirige freie Wahl an sie, die mir kräftiger Stimme beantwortet wurden. Hierauf wurde das Traungs- Protokoll von den Brautleuten, den beiden Zeugen

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