Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1870)
- Date
- 1870-11-15
- Page
- Seite 895 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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8V5 16. Oct. 1274, in welcher er die Freiheiten der Juden zu Regensburg bestätigt. Am Rande der Rückseite der Urkunde steht in hübscher Merubaatschrist: (sic) “pbiari csianpn v^aba bä a^pinn ba a^'p r.bvrn. Das hebräische ist, wie Figura zeigt, nicht ganz correct. Beiläufig in der Mitte der Rückseite findet sich ferner die Bemerkung n-nna br ^xban ara. Ich habe derartige hebräische Anmerkungen aus Copien öffentlicher oder auf Original-Privaturkunden öfters gefunden. So z. B. fand ich auf der Kehrseite der Urkunden - Copie, welche die Beschlüsse der böhmischen Stände vorn Jahre 1501 zu Gunsten der Juden enthält: 'avp*: r-pnrr: Derartige Urkunden wurden nämlich nicht zu Händen der Juden ausgefertigl; weil sie jedoch für sie sehr wichtig waren, so suchten sie sich Copien zu verschaffen. Da die Juden überdies mit der deutschen oder lateinischen Sprache, in welchen die Urkunden abgefaßt waren, nicht sehr vertraut gewesen sind, so setzten sie den Inhalt derselben in hebräischer Sprache auf dieselben. In welcher Weise die Juden zu der Originalurkunde Rudolfs von Habsburg kamen und wie sie wieder ins hiesige Archiv kam, ist mir nicht bekannt. Dieselbe befindet sich mindestens seit dem fünfzehnten Jahrhundert hier, da sie im Register des „Schatzgewölbes" aus jener Zeit bereits vorkömmt.*) *) Ueber das Archiv im „Schatzgewölbe" gibt meine bald erscheinende „Geschichte der k. k. Archive in Wien. Braumüller" nähere Auskunft. Für die Leser dieser Zeitung dürste es nicht ohne Interesse sein, zu erfahren, daß ich in dem citirten Werke unter anderern den Beweis führe, daß sowol daß Gebäude der geheimen Haus-, Hof- und Staatskanzlei, jetzt Ministerium des Aeußern und des kaiserl. Hauses, wie das des Ministeriums des Innern, ehemals böhmisch-österr. Hofkanzlei, zum Theil durch das Geld der Juden erbaut wurden. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 2. November. Wir gestatten uns, auf ein neues geschichtliches Werk des Dr. Martin Philippson, das soeben im Berlage von Fr. Duncker in Berlin erschienen ist, aufmerksam zu machen: „Heinrich IV.und Philipp III. Die Begründung des französischen Uebergewichts in Europa <1559—1610). Erster Theil. Berlin, 1870." Diesem Werke liegen sorgfältige Forschungen in den Archiven zu Paris und anderen Orten, sowie die fleißigste Beachtung der ganzen, dahin einschlagenden, überaus umfänglichen Literatur zu Grunde. Abgesehen von der Stellung in der Wissenschaft, welche die Kritik diesem Werke anzuweisen hat, besitzt es selbst für die Gegenwart ein nicht geringes Jntereffe, da es ausführlich zeigt, auf welche Weise das politische Uebergewicht, welches Frankreich seit jener Zeit mit geringen Unterbrechungen beseffen hat, und das erst durch die großen Erfolge der deutschen Waffen wahrend der letzten Monate gebrochen worden, entstanden ist, welche Geister an der Wiege dieser Suprematie gestanden und von Anfang an ihr Wesen ausgemacht. Eine eigenthümliche Schicksalsfügung ist es, daß der Verfaffer, während sein Buch im Druck vollendet und ausgegeben wurde, dieselbe Suprematie, deren Entstehen er mit so vieler Umsicht und so großem Fleiße beleuchtet, niederzuwerfen im deutschen Heere, und zwar als Freiwilliger, mitkämpft. Bonn, im 'November. „Der Einfluß des B'ne B'rith Ordens auf die Erziehung unserer Kinder. Vortrag, gehalten am 21. August 187 0, in der Mifsouri- Loge Nr. 22, U. Q. L. B., zu St. Louis, Mo., von Dr. S. H. Sonneschein. B. I. Co." Bekanntlich ist durcd die nordamerikanischen Städte der jüdische Orden B'ne B'rith sehr verbreitet und besteht an manchen Orten in mehreren Logen. Derselbe hat in seinen Formen den Freimaurerorden nachgeahmt, vertritt aber eigentlich in einer kräftigen modernen Organisation das uralte Institut der Gemiluth-Cheßed-Chebrah. Der vorliegende Vortrag handelt nun über den Einfluß des Ordens auf die Erziehung der Kinder, obschvn der letztere eigentlich pädagogische Zwecke garnicht verfolgt. Er findet ihn in der Obhut, in welche der Orden die Wittwen und Waisen verstorbener Brüder nimmt, in der Sorgfalt, welche er bei der Aufnahme neuer Mitglieder hinsichtlich deren Rufes trifft, und endlich daß er nur jüdische Theilnehmer aufnimmt, obschon ohne alle Berücksichtigung der religiösen Richtung. Man kann nicht verkennen, daß dies Alles nur einen sehr mittelbaren Einfluß auf die Erziehung abgiebt; aber es ist schon verdienstlich, die obigen Ziele des Ordens immer von Neuem seinen Mitgliedern zum Bewußtsein zu bringen und klar und eindringlich zu machen. Dies hat Herr Dr. Sonneschein recht gut verstanden. — „Die sociale und volkswirthschaftliche Gesetzgebung des Alten Testaments, unter Berücksichtigung moderner Anschauungen dargestellt von Franz Eberhard Kübel, Pfarrer in Effingen, Kgrch. Württemberg. Wiesbaden, Jul. Niedner." Daß die Wahrheit immer mehr durchdringt