Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1870)
- Date
- 1870-11-15
- Page
- Seite 894 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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894 Während ich dieses schreibe, erhalte ich Nr. 58 <Juli—Aug.» 1870 von Steinschneiders hebräischer Bibliographie. Daselbst befindet sich ein Artikel von vr. H. Breslau: „Zur Geschichte der Juden in Deutschland. Baiern," in welchem es heißt p. 106: „Die Juden stehen unter der Gerichtsbarkeit des bischöflichen Stadtvogtes und ihres Richters des Judenmeisters." Daß letzterer ein Jude war, ist nach einer unten mitzutheilenden Bestimmung sehr wahrscheinlich. So viel mir bekannt ist, war der Judenmeister der Rabbiner und der „Hochmeister" der Oberrabbiner. Diese waren selbstverständlich Juden. Es waren Rabbinatsgerichte, deren Wirksamkeit sich auf Streitsachen zwischen Juden und Juden, wenn es nicht Criminalverbrechen waren, erstreckte. Diese Rabbinatsgerichte wurden in Oesterreich unter Kaiser Joseph II. aufgehoben. Hingegen gab es im ..Mittelalter „Judenrichter" und diese waren, so viel mir bekannt ist, Christen. Deren Wirksamkeit genau zu fixiren, war mir bis fetzt nicht möglich. Judeumeister. Es lagen mir zwei Urkunden von Söhnen, deren Bäter Rabbiner waren, vor. Tie Eine ist von dem Sohne des berühmten Jsierlein pann mann vom 8. Januar 1467. Dieselbe beginnt: „Ich Srom Maister Jsierleins Sun" und schließt: mvz naa ainnn y-i» ais: n: nsmri araa b'rb a^nar: ba b"- -'"-nm72 yrran zu Die zweite ist von „Aron Meister Märkleins Sun" Vsi a"-r:73a y)-« vom 2. Mai 1477. Termini technici. Wechselbriefe, welche bekanntlich von Juden erfunden wurden, werden -aii» ana genannt. Hingegen adoptirte man die Bezeichnung Quittung aaiarap. Jüdische Namen. Ich fand unter den Unterschriften manche Namen, die heute unter den Juden nicht mehr gebräuchlich sind. Hervorheben will ich den Namen Feiertag. Diejenigen die jetzt den Namen Lipman tragen, haben den 'a-npn a*a Jom tob. Der Großmeister der jüdischen Wisienschaft, Zunz, trägt bekanntlich diesen Namen. Doch heißt niemand jetzt Feiertag. In einer Urkunde vom 6. Juli 147 3 heißt es im deutschen Texte: „Beyertag" und in der Unterschrift: a'itp tp -an aaüny'n parr Pia ,b"T pma pr L yr Jüdisch-Deutsch. Ich habe auch einige Vidimirungen in jüdischdeutscher Cursivschrift gefunden, die ich als Curiosa hersetzen will. 2. Jäner 1488. yrs a->rr n«a y-i7yra src V'7- T-« (Conradin) yma rpis .b"- a"r> »in ynn: arnaars 18. März 1490. an yp-'-a y ba-a ■p-ray aye y-r T5* ya« a«n b - lobin .137273 23. May 1490. an bsr yp^s y'b-io-s “yx pinc'a nyc am yx “im ybr: iL 272w :-x axii .a'ac Die Motive der Austreibung der Inden aus Steiermark'. In dem kaiserl. Mandat, Donauwörth, 28. März 1496, welches bekannt ist, heißt es, die Juden sollen vertrieben werden, weil sie dem heil. Sacramente schwere Unehre erzeigt, Christenkinder jämmerlich gemärter:, getödtet, vertilgt, ihr Blut von ihnen genommen :c. Sie haben falsche Briefe ausgefertigt und ebenso Jnsiegel. — Es braucht heute nicht weitläufig auseinandergesetzt zu werden, daß alle diese Beschuldigungen nur Vorwände waren, um der Austreibung irgendwie den Schein des Rechtes zu geben. Wir sind jedoch in der Lage auch den Beweis ^>asür zu führen. Im landschaftlichen Archive zu Graz befindet sich nämlich die Eingabe der Prälaten vom Adel :c. an den Kaiser, in welcher sie bitten, daß man zur Ehre Gottes und zur Hebung des Wohlstandes der Christen die Juden ausschaffe, wofür sie, um den Kaiser für den Entgang der Judensteuer zu entschädigen, 38,000 Pfd. Pfennige zahlen wollen. Dabei weisen sie auf ihre patriotische Haltung zur Zeit des ungarischen Krieges hin. Der Kaiser erließ, Augsburg 27. Januar 1496, folgende Entscheidung: „Die Prälaten vom Adel, gemeiner Priesterschaft und die von Städten und Märkten, haben um Austreibung der Juden gebeten. Der Dienste wegen, die sie im ungarischen Kriege geleistet und da sie 38,000 Pfund Pfennige bezahlen wollen, worauf sie bereits 14,000 bezahlt haben, soll ihn der Wunsch gewährt werden." — Bon all den Anklagen gegen die Juden kömmt kein Wort vor. Ein Curiosnm. In dem hiesigen Haus-, Hof- und Staatsarchive befindet sich die Urkunde Rudolfs v. Habsburg, Gemünd,