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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-11-15 · Heft 46 (15.11.1870) · p. Seite 893

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 46 (15.11.1870)
Date
1870-11-15
Page
Seite 893 (sequence 5)
Language
German
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898 Jüdische Feldgeistliche. Wir erhalten von Herrn Rabbiner Dr. Blum enstein folgende Zuschrift: Mannheim, 4. November 1870. Bei meiner Verabschiedung von dem Generale von Manteuffel am 6. v. M. stellte mir derselbe in etwa 3 Wochen die Abhaltung eines Feldgottesdienstes für die jüd. Soldaten in Ausficht. Demzufolge schrieb ich am 23. v. M. an den General und erhalte heute nachstehende Antwort: Erstes Armeecorps General-Commando H. Q. Jouy, d. 1. Nov. 1870. Sect. II L Nr. 1840. Euer Wohlgeboren danke ich für Ihr Schreiben vom 23. v. M. und erwiedere Ihnen, wie ich mich freuen würde, wenn ich Sie aus der in Ihrem Schreiben angegebenen Veranlassung noch einmal hier sähe. Ich muß dabei aber zu erwägen geben, daß es unter den veränderten Berhältniffen fraglich wäre, ob Sie die Truppen in Folge der Gefangenentransporte pp. hier zusammenfänden zu Ihrem Vorhaben. Gleichzeitig muß ich aber auch bemerken, wie, nachdem durch Allerhöchste Cabinets-Ordre vom 15. v. M. die Seelsorge der jüd. Soldaten geregelt worden ist, ich mich nicht für befugt halten würde, Ihnen die Ausübung der Seelsorge zu übertragen, da ich hierdurch in das Amt der Allerhöchsten Orts bestellten Seelsorger eingreifen würde. Der commandirende General von Manteuffel. An Herrn vr. I. Blumen st ein, Wohlgeboren in Mannheim. Obschon uns bis jetzt jene Allerhöchste Cabinetsordre vom 15. v. M. ihrem Wortlaute nach noch nicht bekannt ist, so haben wir doch auf Privatweg erfahren, daß der König bereits zwei Rabbinen zur Anstellung als Feldgeistliche ernannt hat. Hierdurch ist diese Angelegenheit principiell geordnet, und muß die Erfahrung das Weitere thun. Da hiermit ein rechtgültiges Präjudiz gegeben, so ist die Frage für immer entschieden, und wir können uns dessen in zweifacher Beziehung fteuen. Zuerst daß abermals ein nicht unwichtiger Schritt in der Gleichstellung, und zwar diesmal nicht der Cultusbekenner, sondern der Culte selbst, geschehen ist, und zweitens, daß es so schnell und ohne jene Anstrengungen und Kämpfe vorsichgegangen, welche bisher jeder Fortschritt auf diesem Gebiete gekostet hat. Wer die Verhältnisse genauer kennt, muß darin auch eine Anerkennung für das jüdische Element im Heere seitens des Oberfeldherrn finden, und dies ist um so werthvoller, als es von gewisser Seite her schon jetzt nicht an, steilich vergeblichen Bemühungen fehlt, es herabzusetzen. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Historische Notizen von G. Wolf. Wien, Ende October. Als Anhang zu den Notizen, welche ich in Sir. 37 der Allg. Ztg. d. Äudenth. veröffentlichte gebe ich noch folgende: Inden als Priester. Zur Bestätigung der stüher gebrachten Notiz setze ich hier aus einem Documente Bruck (an der Mur) 3. Sept. 1444 folgenden Paffus: „daß als heut hie für mich vnd das Judenrecht kommen ist Johan der Jüd zu Prugk". Bei der Gelegenheit will ich bemerken. Bekanntlich wurde es später den Juden verboten „christliche" Namen zu haben. Unter Kaiser Leopold II. erschien sogar gedruckt ein Lerzeichniß von Männer- und Frauennamen, welche die Juden haben dürfen. Unter Friedrich II. in Preußen durften die Juden ebenfalls nur „jüdische" Namen haben. In Oesterreich wurde sogar den Juden, welche sich taufen ließen, verboten die Namen hochadeliger Geschlechter als Familiennamen anzunehmen, wie Liechtenstein, Schwarzenberg. (Die Renegaten suchten nämlich bei ihrem Uebertritte zur christlichen Religion jede Spur ihrer Abstammung zu verwischen.) Um der Wahrheit die Ehre zu geben sei bemerkt, daß fromme Juden ebenfalls noch vor nicht langer Zeit es nicht gerne sahen, wenn Juden „christliche" Namen trugen. Ich selber hörte einmal einen Rabbiner in einer Rede dagegen eifern, daß die Juden ihre Kinder statt Abraham Adolf und statt Sara Charlotte rc. nennen. Er meinte, der Patriarch Abraham, der am Eingänge des Paradieses die Wache hält, werde sie nicht als Juden erkennen. Wie aus obigem jedoch zu ersehen ist, hatten die Juden im Mittelalter christliche Namen, wie sie zur Zeit, als sie unter einer griechischredenden Bevölkerung lebten, griechische, Phöbus rc. hatten.

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