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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-11-15 · Heft 46 (15.11.1870) · p. Seite 892

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 46 (15.11.1870)
Date
1870-11-15
Page
Seite 892 (sequence 4)
Language
German
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892 Mag man mit Recht oder Unrecht Preußen Eroberungslust zugeschrieben haben, Deutschland ist nicht eroberungssüchtig, nicht herrschsüchtig. So unschwer diese Bemerkungen als richtig und wohlbegründet eingesehen werden, richtet sich sofort unser Blick doch nach Osten. Hier bietet das Verhältniß zu Oesterreich Schwierigkeiten, mit welchen man leicht eine nicht geringe Gefahr für den Frieden verbunden glauben kann. Der oberste und mittelbarste Einfluß, die Präponderanz in Deutschland, gehörte zu lange diesem Reiche, als daß der Uebergang dieser Machtstellung auf Preußen und das völlige Aufgeben derselben seitens Oesterreichs schon als vollendet und abgeschloffen erachtet werden dürfte. Freilich ist auch diese Erscheinung eine schon langst vorbereitete. Seit den Tagen des großen Kurfürsten war die Macht Preußens mit dem Gegensatz zu Oesterreich in stetem Anwachs, und jenes hatte den Vortheil, bis auf geringe Anhängsel ein rein deutscher Staat zu sein, so daß feine Jntereffen mit denen Deutschlands meistens zusammensielen, wahrend dies mit dem österreichischen Staate bei Weitem nicht der Fall war. Als Oesterreich, von Napoleon niedergeschmettert, die deutsche Kaiserkrone aufgab, sich als einen von Deutschland gesonderten Kaiserstaat constituirte und den Rheinbund unter französischem Protectorate zulaffen mußte, war in Bezug auf Oesterreich bereits schon einmal eingetreten, was sich 1866 unter veränderten Umständen wiederholte. Solche Wiederholungen, wie dies mit dem Verluste seiner italienischen Besitzungen, wie es mit dem Sturze des Kirchenstaates sich gleichermaßen verhält, erweisen, daß ihnen eine politische, an Kraft wachsende, zuletzt unabweisliche Idee zu Grunde liegt, die schließlich zu unantastbarer Herrschaft gelangt. Deutschland mag diese, wenn auch noch so lose Verbindung mit den mannigfaltigen Nationalitäten des österreichischen Staates nicht mehr, und die letzteren wollen sie noch weniger. Die Wiederherstellung des ganzen Berhältniffes im ehemaligen Bundestage war daher nur eine künstlich gemachte, und für Deutschland wie Oesterreich ist deffen Lösung eine nothwendige und segens- Aber Oesterreich umfaßt beinahe zehn Millionen Deutsche, welche, von Deutschland völlig ausgeschloffen, nach den jetzigen Tendenzen in der politischen Welt eine große Anomalie bilden würden. Bietet dies nun eine mehr oder weniger nahe und schwere Gefahr? Dies ist die Frage. Ihre Beantwortung hangt jedoch von einem ganz anderen Momente, nämlich von der inneren Gestaltung des Kaiserstaates selbst ab. Welche Schwierigkeiten in dieser gelegen sind, ist bekannt. Entweder die staatliche Concentration aller zum Kaiferstaate gehörigen Völker gelange noch einmal, so gering die Aussicht hierfür ist; dann würden die österreichischen Deutschen Deutschland gänzlich abgewandt bleiben, dieser Kaiferstaat aber von innen heraus so schwach sein, daß er seinen Einfluß in Deutschland wieder zu erobern nicht denken könnte, vielmehr darauf hingewiesen wäre, sich von letzterem möglichst fern zu halten. Oder aber der gegenwärtige Dualismus bliebe auftecht erhalten und bildete sich zu einer dauerhaften Institution aus; in diesem Falle waren die Deutsch-Oesterreicher ein so integrirendes und unentbehrliches Element der cisleithanischen Einheit, daß sie in eine engere Verbindung mit Deutschland durchaus nicht eintreten könnten, da sie hierdurch zu einem dritten gesonderten Theile des Kaiserstaates werden würden. Oder endlich der letztere würde sich zu einem Foderativstaate der verschiedenen zu ihm gehörigen Nationalitäten entwickeln, so daß die Deutsch- Oesterreicher ein gesondertes staatliches Glied ausmachen; dann wären diese zweifellos getrieben, aus inneren wie äußeren Gründen, in und zu Deutschland eine nähere Stellung einzunehmen; aber ebenso zweifellos würde dies auf dem Wege friedlicher Verhandlung zu Stande kommen. Welchen Ausgang also die innere Neugestaltung Oesterreichs nehmen wird, an einen Krieg um deffen deutsche Verhältnisse ist nicht zu denken. Bon hieraus sind die Aussichten nur ftiedlicher Art. Werfen wir daher noch einen prüfenden Blick auf die orientalische Frage. (Fortsetzung folgt.' Sammlung für die verunglückten Israeliten in Straßburg nab Metz. Fortsetzung der Sammlung in Bonn: Herr Albert Cahn 50 Thlr., S. Katz 10 Thlr., N. N. 3 Thlr., S. Baum 3 Thlr., S. Oppenheim 10 Thlr., L. Zuntz 6 Thlr., I. Meyer 2 Thlr., Chevrah Gem Ches 10 Thlr., H. Schildesheim 5 Thlr., A. Frank 3 Thlr., Geschw. Alsberg 4 Thlr., Jsr. Bock 100 Frcs., Frau Eskeles 10 Thlr., Frau 9. Surkann 2 Thlr. Summa 358 Thlr. u. 240 Frcs. Die Redaction.

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