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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-11-08 · Heft 45 (8.11.1870) · p. Seite 878

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 45 (8.11.1870)
Date
1870-11-08
Page
Seite 878 (sequence 6)
Language
German
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878 bene Auseinandersetzung und keine künstliche Ableitung zu denken, sondern nur: die Schrift nannte ms-p den Schem, und die Späteren deshalb Schem ha-Mephorasch, d. h. den eigentlichen, wirklichen, entschiedenen Gottesnamen. Dies ist um so sicherer, weil die Bezeichnung sich an die Halacha knüpfte, wie diese an die Schriftstelle in einfachster Weise. Zeit«»gsuachrichteu. Deutschland. Bonn, 24. Ott. (Privatmitth. > Unsere Zeit bietet so eigenthümliche Situationen, wie sie in früheren Jahrhunderten gar nicht möglich waren, und die deshalb von uns verzeichnet zu werden verdienen, weil sie in späteren Zetten vorkommenden Falles nicht mehr auffallen werden. Den Lesern ist es bekannt, daß jüngst Garibaldi der französischen Republik seine Dienste angeboten und nach Tours, dem jeweiligen Sitze der Regierung, gekommen ist. Daselbst logirte Crsmieux, Justizminifter und Vertreter der französischen Regierung, im erzbischöflichen Palaste. Der Erzbischof suchte Crvmieux auf und legte ihm dringend die Bitte ans Herz, jenen Erzfeind der katholischen Kirche nicht in seinem, des Erzbischofs Hause, empfangen zu wollen. Erömieux sagte es zu und suchte lieber seinerseüs Garibaldi auf. Welche seltsame Eonjunctur: der katholische Erzbischof wendet sich an den jüdischen Minister, der in seinem Hause wohnt, einen Katholiken als Feind seiner Kirche von seiner Schwelle abzuhalten! — Am Grabe des Abg. vr. Twesten hielt der Abg. Dr. Laster eine an Inhalt und Form ausgezeichnete Rede, selbstverständlich nach der Rede des evangelischen Predigers. — Einige Zeitungen thcilen mit, daß die Ultramontancn, besonders im Rheinlands, bei den bevorstehenden Abgeordnetcnwahlen eine Partei bilden wollen, welche nur den Candidaten ihre Stimme geben würde, die versprächen, im Abgeordnetenhause durch ihr Votum die Staatsregierung zu nöthigen, für die Wiederherstellung der weltlichen Herrschaft des Papstes ihre ganze Macht einzusetzen. Der protestantische König von Preußen soll also Italien mit Krieg überziehen und Rom und den Kirchenstaat für den Papst wieder erobern! Eine neue Auflage der deuffchen Römerzügc! Diese Idee ist zu thöricht, als daß sie eine andere Chance haben könnte, als ihre Urheber und Förderer einfach lächerlich zu machen. Bonn, 26. Qct. tPrivatmitth.) Der reattionären altpreußischen Partei wird, wie den Ultramontanen und Feudalen aller Länder, stets Alles ein Greuel sein, was der Annäherung der Menschen als solcher, mit Nichtberücksichtigung der confcssionellen Spaltungen, enffpringt und was dieser dient. Da haben gemeinsam überstandene Kämpfe und Gefahren keinen Werth, und es steht um sie nach einem ereignißvollen Kriege, wie der gegenwärttge, gerade eben noch so wie vor ihm. Dies dürfen wir uns nicht verhehlen. Thatsachen haben bei diesen Leuten kein Gewicht, sie übersehen sie, verschweigen oder leugnen sie. Ihnen gelten nur die Interessen ihrer Partei und die Conservirung ihrer Grundsätze, selbstverständlich die letztere allein, weil daraus jene Interessen gefördert und befriedigt werden. Hierin wird der Krieg von 187 V so wenig etwas ändern, wie der von 1864 und 1866 etwas geändert hatte. Wer hieran nicht glauben will und es uns am Ende als eine eigensinnige Meinung auslegt, als ob wir nicht minder von unserem einmaligen Standpuntte nicht abgingen, den können einzelne Vorkommnisse von seinem Jrrthum genügend überzeugen. Wir führen heute nur Eins an. Die „Kreuzzeitung" und ihre Satelliten ereiferten sich gar sehr, daß es einem Juden, dem Abg. Lasker, gestattet worden sei, am Grabe eines Christen, des Abg. Twesten, eine Rede zu halten. Das ist ihnen eine Blasphemie, eine Entweihung des geweiheten Bodens. Was gilt es ihnen, daß Twesten und Lasker durch die innigsten Beziehungen der Freundschaft, sowie durch das gleiche politische Meinen und Stteben mit einander verbunden waren, daß Twesten seinen Freund bis zu seinem letzten Athemzuge vorzugsweise bei sich empfing, was gilt es ihnen, daß deshalb die Eltern selbst gerade aus dem Munde Laskers Worte der Tröstung. Worte der Würdigung ihres dahingegangenen Sohnes zu vernehmen wünschten, und nun auch in einer Weise vernahmen, wie es beredter und erhebender kaum geschehen konnte, daß endlich dieser Vater ein Professor der christlichen Theologie, ein Oberconsistorialrath ist, der doch so gut wie die Parteigänger der Kreuzzeitung ein Urtheil hat über das, was sich christlichersetts ge-

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