Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 45 (8.11.1870)
- Date
- 1870-11-08
- Page
- Seite 879 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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879 ziemt — ein Jude spricht an der Leiche eines Christen, und das ist ihnen verdammenswerth! Dabei wissen sie so wenig von der Sache, daß sie die Rede am Grabe gehalten sein lassen, während sie nach der Trauerrede des Predigers am Sarge im Trauerhause selbst gesprochen worden. Die Rede Lasters liegt jetzt in der „Nationalzeitung" gedruckt vor, und ohne sic vom politischen oder rhetorischen Standpuncte beurtheilen zu wollen, bemerken nsir nur, daß sie in religiöser Beziehung vom Glauben an Gort und Unsterblichkeit getragen ist, ohne mit diesem zu prunken, wie dies in der Regel von Anderen geschieht, die mit ihrer Gläubigkeit schimmern wollen, und dadurch gerade zu erkennen geben, daß ihr Glauben auf hohlen Füßen steht. Der Redner endet mit den Worten: „Wie nach jeder bedeutenden Erscheinung tröstet auch bei seinem Scheiden uns der Gedanke, daß jedes Ende auf dieser Erde zugleich ein Anfang ist." Hannover, 24. Ott. (Privatmitth.) Zu den von uns in Nr. 4V dieses Blattes erwähnten Geschenken, welche von Privatpersonen bei Gelegenheit der unlängst stattgehabten Einweihung unserer neuen Synagoge gemacht worden sind, haben wir noch folgende nachzutragen : Aus dem Nachlasse des seligen Herrn Alexander Cohen sehr kostbare Thoraornamente, vom Landrabbincr Dr. Meyer eine sehr schöne mit Silber beschlagene Bibel zum Gebrauche in der Synagoge, von dem zweiten Vorsteher Herrn Behrens ein schwerer silberner Teller zur Benutzung beim Darreichen des Weines zu Kiddusch und Hawdalah, und vom Herrn Commerzienrarh Berend ein Vorhang vor der heiligen Lade. Der geniale Baumeister der Synagoge, Herr Baurath Oppler, ist von dem Gemeindevorstande mit einer Adresse beehrt worden, in welcher demselben nicht allein Dank und Anerkennung für den ausgeführten Prachtbau ausgesprochen, sondern auch für ihn und seine Frau lebenslänglich Ehrenstellen in der Synagoge angewiesen wurden. Für auf dem Schlachtfelde bewiesene Tapferkeit sind von unseren Glaubensgenossen aus unserer Provinz bis jetzt mit dem eisernen Kreuze decorirt worden der Vicefeldwcbel Rosenstirn aus Einbeck und der Gefreite H. Steinberg aus Dassel. Am 20. d. M. wurde hier das 25-jährige Amtsjubiläum des Herrn Landrabbiners Dr. Meyer gefeiert. Nachdem dem Jubilar bereits am Abend zuvor vom Synagogenchore eine Fackelmnsik nebst Ständchen gebracht worden war, empfing derselbe im Laufe seines Festtages die Glückwünsche von Seiten vieler Gemeindemitglieder wie auch von sämmtlichen in der Gemeinde vorhandenen Körperschaften. Der erste Vorsteher, Herr Heincmann, überreichte eine im Namen des Vorstandes und der Repräsentanten entworfene Adresse, der zweite Vorsteher Herr Behrens übergab das eine Gehaltserhöhung von 3tm Thlrn. involoi rende Schreiben der königl. vanddrostei, und Herr Obergerichtsanwalt Di-. Benfey hielt eine Ansprache, bei welcher er dem Jubilar die durch Sammlung in hiesiger Gemeinde aufgebrachte Summe von 2'»<>" Thlrn. in einer kostbaren Casene überreichte, roelche als ein wahres Kunstwerk betrachtet werden kann. Auch der hiesige israelitische Wohlthärigkeirsverein überreichte dem Jubilar als seinem Präsidenten eine Adresse in prächtigem Umschläge und waren außerdem noch mehrere Adressen eingegangen, darunter eine von verschiedenen christlichen Verehrern. Die Commission des hiesigen jüdischen Seminars beglückwünschte Herrn Dr. Meyer ebenfalls, bei welcher Gelegenheit Herr Schulrath Spieker eine ergreifende Anrede hielt und selbst die Vorsteherinnen des israelitischen Frauenvereins versäumten nicht, ihre Glückwünsche persönlich abzustatten. Geschenke von Privatpersonen aus der Stadt und dem Rabbinatssprengel waren wie Telegramme von auswärts in großer Zahl eingegangen. Unter den Gratulanten befand sich auch Herr Senior Boedeker nebst Gemahlin. Am Abend fand alsdann ein von Seiten der Gemeindepräsentanz dem Jubilar zu Ehren gegebenes Festessen statt, zu welchem von dem Festcomite noch verschiedene Gäste geladen waren und auf welchem der Jubilar eine der Förderung jüdisch-theologischer Studien gewidmete Stiftung begründete, für welche er den zehnten Theil der ihm überreichten und durch Sammlung in hiesiger Gemeinde aufgebrachten Summe aussetzte. SaarlouiH, 26. Ott. «Privarmitth. Es haben vor ca. 14 Tagen im Lager um Metz das eiserne Kreuz erhalten der einjähr. Freiwillige Unterofficier Cohn aus Königsberg, der Füsilier Löwensohn auch aus Königsberg, beide Israeliten dem ostpr. Jnfanterie- Reg. Nr. 43 angehörend. Diese Herren stehen in zwei verschiedenen Comp, dieses Reg., sind die einzigen Israel, der bett. Comp, und die einzigen Träger dieses