Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 45 (8.11.1870)
- Date
- 1870-11-08
- Page
- Seite 876 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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876 sprechen heißt *a^c und daher Schem ha-Mephorasch, der ausgesprochene Name Gottes (Joma 66 a). Dies ist die einzig richtige Bedeutung des Wortes Mephorasch, über dessen Bedeutung die Späiern philosophirten und deutelten." Dagegen bemerkt Herr Oberrabbiner Leopold Löw in seinem von dem Institute zur Förderung der israelitischen Literatur herausgegebenen Werke" „Graphische Requisiten und Erzeugnisse bei den Juden S. 25: „Wenn diese Erklärung wirklich die richtige wäre, so gäbe es kaum ein seltsameres Wort, als dieses „ha-Mephorasch". Der vierbuchstabige Gottesname wird nicht ausgesprochen, darf nicht ausgesprochen werden; darum heißt er der ausgesprochene Name!!" Hingegen macht Herr Löw die scharfsinnige Entdeckung, daß der Ausdruck „Mephorasch" hier nicht die gewöhnliche Bedeutung „klar, deutlich" u. s. w. hat, sondern „stechen, eingraben" bedeute, welche Bedeutung es öfters im Aramäischen hat. Demnach bedeute Schem ha-Mephorasch der zweite Gottesname, und wird das Tetragrammaton so genannt, weil kein anderer, als der vierbuchstabige Gvttesname auf den Cultusrequisiten eivgegraben war.*) Betrachten wir aber die oben erwähnte HauptsteÜe, worin ausgesprochen ist, daß das Tetragrammaton zu dieser Benennung kommt, tn-rrr; ’ec, so scheint daraus hervorzugehen, daß der vierbuchstabige Name die Benennung Schem ha-Mephorasch erhalten hat, weil darin eine Beziehung zu der absoluten Wesenheit enthalten ist. Als sprach- und sachgemäß durfte sich folgende Erklärung bewähren. Die alexandrinische Schule behauptet, wie Dähne nachweist (II. 28), daß Gott namenlos sei, nach Philo macht das Tetragrammaton hiervon keine Ausnahme. Allein in dem 2. B. Moses Cap. 3, 15. 6, 3 wird mrv als der Name Gottes erwähnt. „Gott sprach zu Moses: So sprich zu den Söhnen Israels: n irs1 — der Ewige, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jacobs hat mich zu euch gesandt. — Das ist mein Name für ewig, und dies mein Andenken für Geschlecht auf Geschlecht." „Und in meinem Namen mni Ewiger bin ich ihnen nicht erkannt worden. Der vom Sein *) Bekanntlich entstand über diese, von vielen Seiten mit Beifall aufgenommene Erklärung ein Prioritätsstreit, der jedoch hier nicht hergehört. hergenommene Name, der weder Attribut noch Umschreibung ist, ist als der eigentliche Gottesname zu betrachten. Es bedeutet demnach Schem ha-Mephorasch, der in der heiligen Schrift genau, bestimmt und deutlich angegebene und erwähnte Name Gottes. In derselben Bedeutung kommt das Wort im 4. B. M. 15, 34 vor «ns "2 „denn es war nicht bestimmt und genau angegeben worden." Eigenthümlich wird der Ausdruck Schem ha-Mephorasch im Targum Schir Ha-Schirim Cap. 2, 17 erklärt, ohne den angeführten Context zu berücksichtigen. Diese Stelle lautet also: n 73 o *p “ 3 's 13 « -i 2 73 to-i ktstd rra p->pn-. Rabb. Dr. Nager. Nachbemerkung der Redaction. Die ganze jüdische Behandlungsweise des vierbuchstabigen Gottesnamens ist eine so eigenthümliche und auf einer so hohen Anschauung beruhende Erscheinung, daß wir der im obigen Aufsatze discutirten Streitfrage auch unsrerseits eine Besprechung widmen wollen. Der gesch. Verfasser geht doch etwas zu schnell über seine eigene Ansicht hinweg, vbschvn er den Gegenstand an der richtigen Stelle erfaßt zu haben scheint. Die von ihm angeführten früheren Erklärungen können als unzureichend und widerlegt angesehen werden. Die Auslassung des Herrn Löw beseitigt in schlagender Weise die Erklärung des Herrn Cassel, aber seine eigene Deutung ist nicht genug begründet, da sie sich eben nur auf eine besondere Bedeutung des Wortes «->2 stützt. Man gestatte uns daher, die Frage noch einmal von vorne anzufangen, noch dazu, da man, wie es uns bedünkt, eine Hauptstelle übersehen hat, obschon sie anderweitig genügend bekannt ist. An der Stelle 2 Mos. 3, 15 wird mrr (anlehnend an rrt-is nurrr rrrts) als Name Gottes „für ewig," „der Gott eurer Väter" u. s. w. als Gottes „Andenken für Geschlecht auf Geschlecht" bezeichnet, jenes weist auf Gott als das ewig-unveränderliche Sein, dieses auf die geschichtliche Erkenntniß des einzigen, allmächtigen Gottes hin. Ganz bestimmt wird der Begriff mrr> als eine höhere, nur der mosaischen Offenbarung angehörige Erkenntnißstufe 6, 3 hervorgehoben, gegenüber dem ■'Tö Vn der Erzväter. War hiermit dieser Gottesbegriff als charakteristisches und höchstes Merkmal der mosaischen Erkenntniß und Offenbarung aufgestellt, so wurde dem