Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-11-01 · Heft 44 (1.11.1870) · p. Seite 863

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 44 (1.11.1870)
Date
1870-11-01
Page
Seite 863 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226744-3226789--28872-3302736
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

863 Munificenz eines hiesigen Glaubensgenossen ist den gedachten Gefangenen auch außerdem manche Bonification zu Theil geworden. Bonn, 9. Oct. Die hiesige Zeitung enthält folgendes : Wir erfahren soeben von einer Militärperson, welche auf kurzem Urlaub aus der Umgegend von Metz hier amvesend war, daß sich Fräulein H., die Tochter eines hiesigen Tabak- und Cigarrenhändlers, welche sich seit dem Beginn des Krieges als Pflegerin der Verwundeten, auf eigene Kosten, in dem Nazareth zu Ars sur-Moselle befindet, durch ihre rastlose und hingebende Thätigkeit in hohem Grade die Achtung aller Personen ihrer traurigen Umgebung erworben hat. Gewiß gereicht der jungen Dame solche Opferwilligkeit zu proßer Ehre. (Wir vernehmen, daß die in Obigem erwähnte junge Dame ein Fräulein Jeanette Hirschfeld ist, die sich auch früher schon einen trefflichen Ruf erworben hatte. Dem Verdienste seine Krone! Redatt. d. A. Z. d. J.> Bonn, 20. Oct. (Privatmitth.) Richtig bemerke unser Correspondent „von der Oder" (Nr. 42), daß es unser Bestreben ist, den Uebertreibungen anderer jüdischer und nichtjüdischer Blätter entgegen, hinsichtlich der Vorfälle im Kriege, bei welchen Juden bctheiligt sind, die Wirklichkeit zu ermitteln und mitzutheilen. Glücklicherweise bedürfen wir keiner Extravaganzen, um den ja schon nach den Landesgesetzen geordneten Antheil der Juden am Militärdienste, sowie an den Werken der Wohlthätigkeit, endlich die Beweise der Tapferkeit Einzelner hervorzuhcben, sondern wir können einfach bei der Wahrheit stehen bleiben. Auch erachten wir dergleichen Uebertreibungen für schädlich, da sie unseren Gegnern die Handhabe zu Uebertreibungen im entgegengesetzten Sinne gewähren können. So hat unsre Corrcspondenz aus dem Kriegslager (Nr. 42, S. 328) die Mittheilung der Berliner „Post" «das. S. 825) auf das richtige Maß zurückgeführt, wobei eben zu erwägen ist, daß die Feier nicht sämmtliche um Metz liegende jüdische Soldaten, sondern nur die vom l. Armcecorps umfaßte. Hinsichtlich der von Berlin aus gegebenen Mittheilung über die 50 französischen jüd. Gefangenen, welche zu Dessau die Feste begingen, scheint uns eine Berichtigung in folgendem, uns soeben zugekommenen Schreiben enthalten. Coswig (bei Dessau», 19. Oct. Im Interesse der Wahrheit im Allgemeinen wie für das in unserer A. Z. d. I. Mitzutheilende halte ich mich verpflichtet Sie mit Folgendem bekannt zu machen. Vor rh bin ich von einem christlichen Beamten im Namen jüdischer Gefangenen in Wittenberg angegangen worden, für diese mich bei dem Commandanten dorr zu verwenden, um die Erlaubniß zur Abhaltung der heiligen Feste bei uns hier (weil Wittenberg keine Juden hat) zu erwirken. Selbstverständlich setzte ich hiervon meinen verehrlichen Vorstand, den vr. Meyer, in Kenntniß, worauf die Erlaubniß eingeholt wurde. Sieben Juden waren es also, die sich vorgefunden hatten, und die auch wirklich zu rn unter Begleitung hierherkamen, nach rraber retournirten um zu 6' wieder zu kommen. Später aber wurden 400 Mann zum Aufenthalte hier auf unser Schloß gebracht, worunter nur 6 der genannten Juden waren, die nun bis zu diesem Augenblicke auch noch hier sind. Angenehm war uns dies insofern, als es geschulte Juden sind, demnach unser knappes Minjan vervollständigen konnten. Diese Leuten wurden alle Festtage bei unsern Familien verpflegt, was wohl noch öfter Vorkommen möchte, wenn sie noch lange hier bleiben. Gerson Cohen. Oesterrcichischungarische Monarchie. Wien, 21. Ott. Die „N. Fr. Pr." enthält folgende Zuschrift: Herr Redacteur! Die Judenkrawalle haben in Galizien solche Dimensionen angenommen, daß sie das Ansehen kleiner Revolten haben. Auch unsere friedliche Stadt Brzesko war am 12. Ottober Abends der Schauplatz von derlei Gräuelscenen. Die christliche Bevölkerung in Brzesko, welcher das Verfahren der Gerichte gegenüber den in Tarnow, Gorlice :c. wühlenden Excedenten als lau und oberflächlich schien, glaubte darin einen Wink zu finden, auf die hiesige Judenschaft in ähnlicher Weise losgehen zu sollen, und diese fortwährende Gährung fand ihren Ansbruch unter der hiesigen christlichen Bevölkerung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.