Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1870)
- Date
- 1870-11-01
- Page
- Seite 861 (sequence 5)
- Language
- German
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861 men werden mußten, Umstande, die selbst auf dem Kriegsschauplätze nicht oie Regel bilden. Aber die Zerstreuung der isr. Soldaten in dem 12 Meilen umfassenden Lager war allerdings für mich ein mächtiges Hinderniß, aber auch nur für mich, weil ich für unsere Zwecke völlig unvorbereitete Verhältnisse vorzefunden, da bei meiner Ankunft in St. Barbe und Olgy .selbst die Zahl der vorhandenen Israeliten erst zu ermitteln gewesen. Ein im Lager fix angestellter isr. Feldgeistlicher würde mit Leichtigkeit in der Lage sein, die Berhältnifse sich zeitig zurecht zu legen und in verschiedenen Zeiten mit verschiedenen Abtheilungen an verschiedenen Orten gottesdienstliche Versammlungen abzuhallen. 3m Uebrigen besteht ja die Wirksamkeit des Feldgeistlichen nicht lediglich in der Abhaltung von gemeinschaftlichen Gottesdiensten, sondern vorzüglich auch in der Einwirkung auf den Einzelnen durch ersprießliche Zusprache in den verschiedenen Lagen, welche die Verhältnisse herbeiführen, und durch hilfteichen Beistand in Wort und That. — Die vollste Anerkennung und Dankbarkeit schulde ich Sr. Excellenz, dem Herrn v. Manteuffel, der mit allem Nachdrucke mein Vorhaben förderte und mich auch persönlich mit großer Freundlichkeit behandelte, was zur Folge hatte, daß sämmtliche Herren Officiere sehr zuvorkommend gegen mich waren. Ich bemerke noch, daß ein von Sr. Majestät dem König ergangener allgemeiner Armeebefehl behufs Befreiung der isr. Soldaten vom Kriegsdienste während der hohen Festtage im Lager vor Metz völlig unbekannt ist; die desfallsigen Anordnungen wurden Namens des commandirenden Generals v. Manteuffel als Corpsbefehl den Truppen verkündet. Ebenso konnte ich nicht erfahren, ob die Soldaten aus der Division Kummer, aus deren Verlangen meine Sendung entstanden, am Versöhnungstage einen Gottesdienst abhalten konnten, obwohl die Zeitungen, wie ich glaube ohne Grund, soviel davon berichteten. Indem ich Hochdemselben wiederholten Dank für das in mich gesetzte Vertrauen ergebenst ausspreche, erkläre ich bereitwilligst, eine zweite Reise zu der von Sr. Excellenz dem Generale v. Manteuffel bewilligten Zeit nach St. Barbe zu unternehmen. Großh. Stadtrabbinate ganz ergebenster Dr. I. Blumenstein. ll. Großh. Stadtrabbinat Mannheim. Nr. 151. Mannheim, den 20. October 1870. An Herrn Dr. I. Blumenstein dahier. 3hren ausführlichen Bericht vom 19. d. M. über 3hre Wirksamkeit in St. Barbe haben wir mit lebhaftem 3ntereffe gelesen und sagen 3hnen Dank für die Uneigennützigkeit und Opferwilligkeit, mit der Sie sich der 3hnen von uns erlheilten Sendung unterzogen. Sie haben, wie uns auch von den isr. Soldaten, mit denen Sie Gottesdienst am Versöhnungstag abgehalten, berichtet worden, Ihre Aufgabe mit Umsicht, Gewandtheit und Hingebung gelöst, weshalb wir 3hre Bereitwilligkeit zu einer zweiten Reise mit Freuden acceptiren und werden nicht ermangeln, Ihnen zur Zeit die noch nöthigen Empfehlungsschreiben auszuhändigen. 3hr Bericht ist von allgemeinem Jutereffe, weshalb ich Ihnen die Veröffentlichung deffelben in der jüdischen Presse empfehle. Das Großh. Stadtrabbinat. Di*. Friedmann. Jeilungsvachrichteu. Deutschland. Aus dem Reg.-Bez. Minden, 12. Oct. (Eingesandt.*) Binnen Kurzem soll eine Neuwahl des Curatoriums der Marks-Haindors'schen-Stiftung durch die Synag.-Gemeinden Rheinlands und Westphalens vorgenommcn werden. Es sind über diese Angelegenheit schon verschiedene Circulare an genannte Gemeinden versandt worden. — Unterm 15. Juni o. sprachen sich die Herren E. Metz und Heinrich Jtzig in Münster für die Wiederwahl der gegenwärtigen Mitglieder des Curatoriums aus, und brachten für den Fall, daß vielleicht der Eine oder der Andere sein Mandat nicht beibehalten mochte, die Herren E. Meyer in Aachen, *) Die obige Correspondenz ist uns von einer Anzahl Lehrer zugesandt worden, und obschon wir uns nicht berufen fühlen, auf eine Wahlangelegenheit irgend einzuwirken, so liegt doch hier ein allgemeines, durchaus nicht persönliches Interesse zu Grunde. Redaction.