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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-10-25 · Heft 43 (25.10.1870) · p. Seite 849

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 43 (25.10.1870)
Date
1870-10-25
Page
Seite 849 (sequence 13)
Language
German
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849 stand unserer braven römischen Glaubensbrüder gründlich und dauerhaft zu bessern. Der Commendatore Epaminonda Segre, Divisionschef beim Finanzministerium, hat vor einigen Wochen von der Regierung den Auftrag erhalten, die finanziellen Beziehungen der neuerworbenen römischen Provinzen zu regeln, uud der von allen Parteien des Parlaments hochgeachtete Deputirte Maurogonato ist dem General Cadorna bei seiner Expedition nach Rom zur Regelung der Finanzverhältnisse der neuen Hauptstadt zuertheilt worden. Aus Oberitalien, 14. Oct. (Privatmitth.) Die römische Amtszeitung berichtet vom 9. l. M.: In der vergangenen Woche meldeten fich die israelitischen Eheleute Coen um die Mitwirkung der öffentlichen Sicherheitsbehörde anzurufen, zum Behufe der Herausgabe ihres Sohnes Joseph, der ihnen im Juli 1864 entrissen, und zuerst im Hause der Katechumenen, später im Waisenhospiz in St. Maria in Aquire eingeschlossen war. Den eifrigen Nachforschungen der Behörde wollte sich der Rettor des Convents entziehen, indem er zur Entschuldigung die Flucht des Jünglings vorgab. Dieser war in der That zur Flucht veranlaßt und in einem Privathause in Rom verborgen. Die schleunigen Nachsuchungen des Sicherheitsamtes wurden vom glücklichsten Erfolge gekrönt, und am gestrigen Tage wurde der junge Coen ausgefunden und mit den geeigneten Vorsichtsmaßregeln seiner Familie zurückerstattet. Der Obere des Convents, der für die Flucht verantwortlich war, und die Person, bei welcher Coen verborgen war, wurden festgenommen, und zum regelmäßigen Verfahren dem Gerichte überliefert. Diesen amtlichen Bericht bereichert eine Correspondenz der Opinione vom 12. l. Dt. mit manchen Einzelnheilen, die geeignet sind die mannifaltigsten Gefühle zu erregen. Diese Affaire L la Mortara ist Ihnen sowohl als Ihren Lesern in frischem Andenken geblieben. Ganz Europa protestirte, die Verwendung von Gesandten und Fürsten war vergebens. Der römische Hof blieb unerschütterlich. Die arme Mutter ward von Gensdarmen ergriffen und ins Gefängniß geworfen, weil sie sich unterfing neben dem Hause der Katechumenen ihrem Sohne nachzuspähen, ob er sich am Fenster zeigen möchte! Der französische Gesandte erlangte ihre Befreiung, aber die Mutter ward wahnsinnig! Anfangs October l. I. wurde der Knabe Coen < er ist jetzt 15 Jahre alt? in das Waisenhospiz S. Maria in Aquire gebracht, welchem Pius IX. für dessen Unterhalt 11 Thaler monatlich bezahlte. Die Eltern Coen, in Rom angelangt, begaben sich ungesäumt ins Convent, ihren Sohn zuriickzusordern; sie wurden barsch abgefertigt, beschlossen sich daher an die Polizeibehörde zu wenden. Als es dieser gelang den Coen im Wohnhause eines Beamten des Hospizes selbst ausfindig zu machen, handelte es sich darum, der armen Mutter, welche während ihres sechsjährigen Aufenthaltes in Livorno mit ihrer Familie zu einem gewissen Grade von Beruhigung gelangt war, mitzutheilen, daß das Herz ihres Sohnes stumm für ihren Schmerz, für ihre Freude, für ihre Zärtlichkeit sei! Und leider! überzeugte sie sich selbst davon. Ihren Küssen, ihren Umarmungen, ihren Thränen, ihren Bitten, ihren Beschwörungen, ihrem Flehen, ihrer Mutterliebe stellte er ein todtes, fühlloses Herz entgegen! Guter Gott im Himmel! Was ist das für eine Lehre, welche im Lehrer, wie im Belehrten alles Menschengefühl abtödtet, im Namen einer Religion der Liebe? Armer, unglücklicher Knabe! Vor der Auslieferung desselben an seine Eltern mußte diese sich förmlich verpflichten die religiösen Ue berzeugungen ihres Sohnes zu schonen. Dieselbe geschah in Gegenwart zweier isr. Gemeindedeputirten. Nun ist die ganze Familie Coen wieder nach Livorno zurückgekehrt. Das römische Volk hat während des Verlaufes dieser Angelegenheit für die Familie Coen warme Partei ergriffen, und war schon aus dem Puncte, seiner Erbitterung gegen die Pfaffen freien Lauf zu lassen, hätte sich nicht glücklicherweise die Nachricht von der Auffindung des Knaben mit elektrischer Schnelligkeit verbreitet. Serbien. Belgrad, 7. October. lPrioatmitth.) Bekanntlich leben die Juden in Serbien in!gan; anomalen Verhältnissen; sie können, außer in Belgrad, nirgends in

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