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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-10-25 · Heft 43 (25.10.1870) · p. Seite 847

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 43 (25.10.1870)
Date
1870-10-25
Page
Seite 847 (sequence 11)
Language
German
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847 die Hirtenbriefe einiger Bischöfe sind von geringem Belange und ganz erfolglos. Freilich tröstet sich die päpstliche Partei mit dem Ausruf: „Das Papstthum kommt doch wieder!" und beruft sich auf die oft wiederholte Rückkehr des Papstthums nach Rom. Die Gegenpartei ruft aber noch stärker: „Das Papstchmn kehrt niemals wieder nach Rom!" und beruft sich auf die immer wiederholte Verjagung des Papftthums als Zeugniß seiner Unhaltbarkeit, die endlich zum letztmaligen Sturze führen mußte. Nun, hierüber hat nur die Zukunft zu entscheiden, vernünftige, jurivische und geschichtliche Grunde richten hierin Nichts aus. Aus Oberitalien, 12. Oct. «Privatmitth.) In Folge des Segens, welcher sich da verbreitet, wo nicht die Willkür, sondern gesunde Rechtsprincipien walten, haben auch die Israeliten Roms nicht erst ein eigenes Emancipationsgesetz abgewartet, sondern sie betrachteten sich durch die Befreiung Roms und handelten auch sofort als römische Bürger, in welcher Eigenschaft sie eben die von Ihnen jüngst mitgetheilte Adresse an den König gerichtet haben. Und als römische Bürger wurden sie auch von Seiten der provisorischen Regierungsbehörde behandelt, denn nicht nur nahmen sie an der Abstimmung beim Plebiscite Theil, sondern es wurde von dem provisorischen Regierungscomits nebst dessen Mitgliedern und denen des Wahlcomitss unter mehreren andern ausgezeichneten Persönlichkeiten des Adels und der Intelligenz in die Repräsentanz der römischen Provinzen bei Ueberreichung des Resultats des Plebiscits vom 2. l. M. zu den Händen des Königs auch ein Israelit, Herr Samuel Alatri mitberufen.*) Welch ein Gegensatz! Unter der gefallenen Regierung mußte die Gemeinde alljährlich die Erlaubniß in Rom zu wohnen für einen bedeutenden Preis und unter erniedrigenden Förmlichkeiten erkaufen! O nicht mit Unrecht können die jesuitischen Parteigänger der weltlichen Herrschaft den UMergang derselben nicht verschmerzen. Was jetzt in Rom vorgeht, ist ein Gräuel in ihren Augen, und die Ernte Cattolica, ganz vergessend, mit welcher Wegwerfung und Verachtung sie bis nun von den Juden zu sprechen pflegte, legt ihnen nun, freilich blos um im Namen einer Religion der Liebe Haß und Groll zu säen, eine ungemeine Macht zu, und schreibt in einem ihrer jüngsten Blätter: es sei der Sabbath zur Ankunft der römischen Deputation in *) Ist auch vom Könige mit decorirt worden. Redact. Florenz den Juden zu Liebe gewählt worden, weil diese nicht minder als alle Juden Europas die Regierung Roms bewerkstelligt haben. Allzuviel Ehre! Möchte sich doch die Unitä cattolica schämen, ihren Lesern solch dummes Zeug zum Besten zu geben. Sie wünschen, geehrter Herr, einige Notizen über die Beschaffenheit der römischen Gemeinde. Nun ich nehme keinen Anstand, Ihnen solche nach einem Berichte mitzutheilen, welcher im October v. I. im 6orriere Israelitico erschienen ist. Der Correspondent ist ein Römer, Herr Angelo Levi. Ich gebe Ihnen vom Berichte nur das Factische, da die Berbesserungsvorschläge, die er enthält, unter den jetzigen glücklichen Umständen hoffentlich in erweitertem Maße ausgeführt werden dürften. Die Israeliten-Gemeinde Roms zählt gegenwärtig ungefähr 5000 Seelen. Ihre Angelegenheiten werden durch einen Notabeln-Rath geleitet, von welchem jährlich drei Mitglieder ernannt werden, welche die Gemeindedcputation bilden. Diese Deputirten repräsentiren die Gemeinde und führen deren Administtation. Außer den Gemeindeangelegenheiten ist die oberste Aussicht sämmtlicher Lehranstalten, aller Gotteshäuser und der religiösen Corporation in ihren Händen. Hier giebt es keine oberste Religionsbehörde in der Person eines Oberrabbiners. Wir haben nur selten einen Oberrabbiner. Die kärglichen finanziellen Verhältnisse, unter welchen das Gemeindeärar stets darniederliegt, verhindern es ein Gehalt auszusetzen, welches der Würde eines Oberrabbiners und der Gemeinde entsprechend wäre, und man ist deshalb genöthigt, mit rabbinischen Capacitäten geringeren Grades vorlieb zu nehmen. Gegenwärtig sind die Herren Laudadio Coen und vr. Samuel Toscano (Arzt) unsere Rabbinatsverweser, unter Beihülfe unseres aus andern bedeutenden Religionslehrern bestehenden Synedriums, welches die von Zeit zu Zeit aufschießenden religiösen Fragen discutirt und entscheidet. In dieser Gemeinde gibt es fünf Gotteshäuser, drei von italienischem und zwei von spanischem Ritus. Zwei von denselben sind in jüngster Zeit mit Malereien, Vergoldungen, mit Marmor- und andern Arbeiten ausgeschmückt worden, und dürften zu den schönsten isr. Gotteshäusern Italiens und Europas gezählt werden können. Allein der äußern Ausstattung entspricht keineswegs die Art, wie hier der Gottesdienst abgehalten 43*

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