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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-10-25 · Heft 43 (25.10.1870) · p. Seite 844

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 43 (25.10.1870)
Date
1870-10-25
Page
Seite 844 (sequence 8)
Language
German
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844 sich aufs herzlichste die Worte des weisen Salomo: .a*>» »as: aeo nnb inb-a«n 2V-, a« Oesterreichischungarische Monarchie. Gorlice (Galizien), 28. Sept. Am 26. drangein Haufe von Bürgern und Bauern während des Gottesdienstes in die Synagoge und begannen die Juden zu mißhandeln, doch ist ihnen diesmal der Spaß übel bekommen, indem die Juden, durch ihre Ueberzahl begünstigt, die Tumultuanten hinausgeprügelt haben. Es sollen hierbei 70 Verhaftungen vorgekommen jein. Frankreich. Aus» Frankreich, 7. Oct. Bekanntlich hat die provisorische Regierung seit der Cernirung von Paris ihren eigentlichen Sitz augenblicklich in Tours, und hier ist ihr sichtbares Haupt der Justizminister Cremieux, der, wie die Zeitungen eben berichten, nothgedrungen auch das Kriegsministerium übernommen hat. Absehend von aller Politik, bezeichnet dies eine historische Situation, die wir in d. Bl. nicht übergehen dürfen. Wir haben es nicht zu beurtheilen, in wie weit Crsmieux hierin richtig oder irrig handelt. Unser Theil ist es nur, den Patriotismus und die Hingebung dieses Mannes, eines Greises von 74 Jahren, an die nationale Sache, in welcher er einmal Stellung genommen, zu würdigen und hervorzuheben. Nichts ist leichter, als aus einem sicheren Winkel heraus die Handlungsweise eines so gestellten Mannes zu beurtheilen, zu verkleinern oder gar zu schmähen. Aber in so furchtbaren Augenblicken und Zuständen, unter welchen gegenwärtig Frankreich zusammenbricht, gehört ein wahrer Heroismus dazu, das Steuer in der Hand zu behalten, welches ein von Minute zu Minute wachsender Sturm hinwegzuschleudern versucht, ein Heroismus, der wahrlich nicht durch kleinlichen Ehrgeiz oder sonstige engherzige Motive erklärt werden kann. Niemals konnte das horazische Impavidum ferient ruinae auf einen Mann mehr angewendet werden, als auf den greisen Crömieux in dieser Zeit. Widerwärtig erscheint uns daher, und wir können dies um so mehr sagen, als wir niemals zu den eigentlichen Lobrednern des Herrn Cr^mieux gehört haben, der Spott, der wohlfeile und gemeine Spott, den einige deutsche Scribenten auf Crsmieux ausschütten und zwar» wie es einmal leider deutsche Art ist, aus seiner Eigenschaft als Jude heraus. Erst die Nachwelt wird die Position und die Handlungsweise Cr6mieux's richtig zu beurtheilen vermögen; wir wollen ihr nicht vorgreifen, halten uns aber überzeugt, daß, ist erst die jetzige feindselige Stimmung wieder geschwunden, gerade die Deutschen in ihrem Streben nach Unparteilichkeit auch diese Phase und diesen Mann richüg zu schildern und zu würdigen verstehen werden. Die hochgesinnte, hochedle „Kölnische Zeitung" reibt sich die Hände und meint, Crsmieux sei wohl seit der Zerstörung Jerusalems der erste jüdische Kriegsminister. Nun, wenn wir von der langen mittelalterlichen Ausschließung unseres Stammes Etwas am wenigsten bedauern, so ist es, daß kein Jude Kriegsminister werden konnte und wurde, daß überhaupt die bluttriefende Geschichte der christlichen Völker bis vor 80 Jahren von der Theilnahme der Juden an den ewigen Kriegen, an dem ununterbrochenen Wüchen brutaler Barbarei nichts zu verzeichnen hat. - In der „Neuen fteien Presse" läßt sich Herr Moritz Hartmann folgendermaßen aus: „Eine belagerte Hauptstadt ist keine Hauptstadt, wie ein gefangener Kaiser kein Kaiser ist. Darum ist jetzt Tours die Hauptstadt Frankreichs und Crsmieux ihr Prophet, ohne Rücksicht auf die Confession. Die preußischen Uhlanen und der Himmel allein wissen es, was in diesen jüngstverflossenen jüdischen Neujahrstagen in das Schicksalsbnch über die weiteren Wanderungen dieses Kindes Israels eingeschrieben worden, was an dem demnächstigen Bersöhnungstage besiegelt und wo Crsmieux zum Lauberhüttenfest seine Zelte auffchlagen werde." So Etwas kann H. Moritz Hartmann leicht schreiben, da er als Jude geboren und erzogen worden; von ihm kann es nicht geschrieben werden, da er als Christ diese Feste nicht mehr feiern darf, und da, wäre dies auch nicht der Fall, Niemand darnach ftagen würde, wo und wie Moritz Hartmann auf seinen beständigen Wanderungen sie feiert. Jndeß wollen wir jene Auslassungen dem Feuilletonisten nicht übelnehmen, der doch nur darauf zu sinnen hat, wie er seinem Publicum etwas Pikantes vorsetzen könne, und der dann über die Auswahl nicht schwierig oder gewissenhaft sein darf. Fügen wir vielmehr hinzu, was er weiter sagt: „Es heißt, daß er sich bis Limoges zurückzuziehen gedenke; vielleicht gelangt er bis in seine Heimat, bis

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