Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1870)
- Date
- 1870-10-18
- Page
- Seite 826 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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826 zubringen. Selbstverständlich war ihnen eine militärische Wache beigegeben, und diese hat in der That aus jüdischen Landwehrmännern bestanden. Die Franzosen, wie ihre Wächter, haben an dem Festgottesdienste Theil genommen und sind, wie sich von selbst versteht, von der Gemeinde Posen verpflegt worden. Es hat sich sogar auch herausgestellt, daß unter den 7 jüdischen Söhnen Frankreichs nicht mehr als 4 des hebräisch Lesens kundig waren. Ferner ward durch verschiedene Blätter — zuerst durch die Berl. Volks-Zeitung — die Nachricht gebracht, daß in Frankfurt a. d. Oder während der verflossenen hohen Feiertage der Israeliten 6 jüdische Franzosen-Officiere dem Gottesdienste im Tempel beigewohnt hätten. — Auch nicht wahr! Vielmehr befindet sich unter den ca. 40 französischen Officieren, welche die Stadt Frankfurt a. d. Oder zu ihrem Aufenthalte gewählt haben, auch nicht ein einziger Jude. Der jüdische Franzose, den man und in der Synagoge daselbst will bemerkt haben, soll nur der Bursche eines französischen Officiers gewesen sein. Man sieht also, mit welcher Vorsicht derlei Nachrichten heutzutage ausgenommen werden müssen! — Die „Allg. Zeitung des Judenthmns" geht hierin — das muß man sagen — äußerst behutsam zu Werke. Glogau, im August. «Privatmitth. Verspätet). Unserm gelehrten Mitbürger, Herrn Professor Dr. Eduard Munk, wurde vor einiger Zeit eine ebenso überraschende, als höchst ehrenvolle Anerkennung seiner verdienstvollen Leismngen auf dem Gebiete der classischen Literatur zu Theil. — Durch die spanische Gesandtschaft in Berlin erhielt derselbe eine in den schmeichelhaftesten Ausdrücken abgefaßte Zuschrift des Dr. Camus, Professors an der Universität zu Madrid, und des Dr. Rivero, Mitglieds der constituirenden Cortes, in französischer Sprache, in welcher beide Herren die Bitte an Herrn Professor Munk richten, er möge gestatten, daß seine beiden Werke: „Geschichte der griechischen und Geschichte der römischen Literatur" in die spanische Sprache übersetzt würden, damit sie auf den spanischen Universitäten als Lehrbücher eingeführt werden könnten. Zugleich erbitten sie sich den Rath des Verfassers, wie die Schriften den Studirenden am meisten nützlich gemacht würden. Es ist diese Anerkennung und Anfrage um so ehrenvoller, als zwischen Deutschland und Spanien kein Vertrag besteht, der die Ueöersetzung fremder Werke ohne Einwilligung der Verfasser verbietet. — Mit großer Bereitwilligkeit verstand sich Herr Prof. Munk dazu, das Gesuch zu bewilligen, und so haben wir die Freude, deutschen Fleiß und deutsche Gelehrsamkeit auch in Spanien anerkannt zu wissen. Oesterreichischungarische Monarchie. Pest, im October. Der Pester israelitische Frauenverein hat seine bisher so erfolgreiche Thätigkeit auf ein neues, für die nothleidende Armuth sehr ersprießliches Feld gerichtet; der Verein hat eine „Armen - speiseanstatt" gegründet, welche mit dem Beginne des Winters der hungernden Armuth eröffnet werden soll. Diese Speiseanstalt, in der Valerogasse Nr. 5 befindlich, ist nach dem System der Volksküchen eingerichtet und wird daselbst einem jeden Armen um den Preis von 10 Kreuzern ein Mittagmahl, bestehend aus Rindsuppe, Fleisch, Gemüse und Brod, verabfolgt. Es versteht sich von selbst, daß ein solcher Preis große Opfer auferlegt, die der Verein nur dann zu bestreiten im Stande sein wird, wenn er auf die nachhaltige Unterstützung seitens der Privatwohlthätigkeit rechnen darf. Um nun für solche Privatwohlthätigkeit einen wirklichen und dauernden Erfolg zu sichern, nimmt der Verein Gaben für die Speiseanstalt entgegen und zwar in der Art, daß dem Stifter für ein Capital von je 100 fl. — geringere Stiftungen können nicht angenommen werden — 50 Speisemarken alljährlich verabfolgt werden, welche er an beliebige Arme vertheilen kann, die dann für eine jede Marke ein Mittagmahl, wie oben näher bezeichnet, erhalten. Die liebenswürdige Bereitwilligkeit und die nicht genug zu lobende Energie, mit welcher die „wohlthätigen Frauen" bisher sich ihrer Aufgabe unterzogen, läßt uns hoffen, daß auch die Speiseanstalt zum Segen der nothleidenden Armuth heranblühen werde, und wollen wir nur wünschen, daß recht viele „Gründer" sich finden, welche die Damen in ihrem segensreichen Wirken thatsächlich unterstützen. Italien. Rom, 1. Ott. Die Adresse, welche die Juden von Rom an den König Vittor Emanuel gerichtet und dem General Cadorno überreicht haben, lautet wie folgt: