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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-10-18 · Heft 42 (18.10.1870) · p. Seite 823

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 42 (18.10.1870)
Date
1870-10-18
Page
Seite 823 (sequence 7)
Language
German
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823 Xinge aus, die zum Staatsdienste herangebildet werden sollten. Es war dies sicherlich ein Grundsatz, den er auch hinsichtlich der anderen von ihm unterworfenen Nationen befolgte. Er stellt Daniel sogar an die Spitze der chaldäischen Weisen, und verwendet ihn und seine Genoffen zu den höchsten Aemtern in der Verwaltung. Anders waren seine Nachfolger gesinnt, wohingegen der medo-persische König wieder der ersteren Richtung angehörte. Ebenso Cyrus, bei welchem jedoch mit der Zeit andere Einflüsse sich geltend gemacht zu haben scheinen; wohingegen Artaxerxes, der Langhändige, bei welchem Esra und Nehemia in so großem Ansehen, der Letztere in hohem Amte standen, die persischen Vorurtheile völlig überwunden hatte. Wenn in der gebotenen Anbetung des goldenen Götzenbildes unter Nebuchadnezar und in der verbotenen Anbetung eines Gottes während eines Monats unter Cyaxares ein religiöser Fanatismus hervorzutreten scheint, so haben wir gesehen, daß vielmehr ein wichtiges politisches Momenr in jenen Vorgängen lag, und wie schnell das ganze Motiv wieder aufgegeben ward.*- Bei näherer Prüfung werden wir bald einsehen, daß auch die alexandrinische, die römische und die spanisch-arabische Periode, in welchen Zeiten, wie wir zu Anfang angedeutet haben, eine Einwirkung seitens des Judenthums auf die allgemeine Welt stattgefunden, von politisch-liberalem Geiste und von Mangel an religiöser Duldsamkeit erfüllt waren. Als Alexander eine sehr zahlreiche Colonie von Juden nach dem von ihm begründeten Alexandrien versetzte, verlieh er ihnen ausdrücklich, wie Josephus berichtet, gleiche bürgerliche Rechte mit den Griechen und Aegyptern, und die Ptolemäer waren fern von jedem ausfchließenden politischen, wiffenschaftlicheu und religiösen Geiste. Rom hatte das römische Bürgerrecht auf viele Nationen, so auch auf die Juden, ausgedehnt, und die ausschließenden Decrete der späteren christlichen römischen Kaiser liefern den Beweis, wie zahlreich Juden niedere und höhere Staatsämter bekleideten. In Alexandrien und Rom brach mit vem Christen- *) Wir haben in diesen Erörterungen das Buch Esther unbeachtet gelaffen, obgleich in demselben offenbar ein ähnlicher Kampf stattfand, und zwar weil einerseits der geschichtliche Werth der Details in diesem Buche dem Zweifel unterworfen ist, theils weil es sich darin nur um die politische Geltung der jüdischen und antijüdischen Partei, deren Vertreter Mordechai und Haman waren, handelt, ohne jede religiöse Beimischung. thume der religiöse Fanatismus herein und machte dem politischen Liberalismus wie der religiösen Freiheit ein Enve. Mit dem Siege der Spanier über die Mauren trat daffelbe Ereigniß ein, während in der anderweitigen arabischen Welt schon zwei Jahrhunderte früher ein vollständiger Sieg der islamitischen Orthodoxie der schönen Blüthe der Wiffenschaft und Kunst ein schnelles Verwelken bereitet hatte. Wir haben diese, also geschichtlich erwiesene Erscheinung hervorheben wollen, um die am Beginne dieser Abhandlung angedeutete Analogie mit der Jetztzeit zu motiviren. (Schluß folgt.» Ein Äom-Lippur im Lriegslager. Cantonnementsquartier Petit-Marvis bei Metz, den 7. October 1870. Hochgeehrter Herr Doctor! Gestatten Sie gütigst einem jüdischen Soldaten, der sich vor Metz befindet, einen kleinen Raum Ihrer Zeitung zu einem Bericht vom hiesigen Kriegsschauplatz, der wohl für Manchen ihrer Leser nicht ohne Jntereffe sein dürfte. Es ist nicht ein Gefechtsbericht, um deffen Aufnahme ich Sie bitte, denn das würde der mir wohlbekannten Tendenz Ihrer Zeitung widersprechen, sondern ein Bericht über die Feier des soeben verfloffenen Jom-Kippur-Tages, wohl die erste offizielle Feier eines jüdischen Feiertages im preußischen Kriegsheere. Nachdem Rosch haschonoh verflossen war, ohne daß in irgend einer Weise Len jüdischen Soldaten wegen der Feier Desselben eine Berücksichtigung zu Theil geworden wäre, waren wir um so freudiger überrascht, als zwei Tage vor Jom-Kippur durch Corpsbefehl des Generals v. Manteuffel Excellev; die Regimenter resp. Bataillone angewiesen wurden, die Soldaten mosaischen Glaubens zur Feier des Versöhnungstages am 5. d.M. Nachmittags und den darauf folgenden Tag vom Dienste zu diSpenfiren und sie nach St. Barbe, dem zeitigen Sitze des Hauptquartiers, zu beurlauben; vorausgesetzt, daß die betreffenden Truppentheile an diesen Tagen nicht durch Gefechte allarmirt würden. Dieses trat nun glücklicher Weise nicht ein, und so wurde uns jüdischen Soldaten des 1. Armeecvrps wirtlich die hohe Freude zu Theil, einen tiefgefühlten Wunsch unsers Herzens befrie-

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