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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-10-18 · Heft 42 (18.10.1870) · p. Seite 821

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 42 (18.10.1870)
Date
1870-10-18
Page
Seite 821 (sequence 5)
Language
German
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821 nicht in Eonftict gebracht.*) Für Daniel mußte dies aber eine Falle sein, denn in seiner consequenten Denkungsart war für ihn eine absichtliche Unterlassung gottesdienstlicher Anbetung auf menschlichen Befehl implicite ein Abfall, eine Verleugnung Gottes, und zwar um so mehr, als er auf Grund alter Sitte den Opfercultus im Tempel zu Jerusalem durch einen bestimmt geordneten Gebetritus ersetzt hatte. Er ließ sich daher in dieser seiner Weise innerhalb seines Hauses durch die im königlichen Verbote angedrohte Todesstrafe nicht abschrecken, da gerade durch diese ganze Situation ihm die Verleugnung Gottes um so sichtbarer erscheinen mußte. Seine Gegner hatten dies erwartet, belauschten und überraschten ihn, und drängten den über das Unglück Daniels schwer betrübten König, Daniel in die Löwengrube werfen zu lasten, indem sie sich auf die Unverletzlichkeit des königlichen Gesetzes beriefen. Das Vorhandensein solcher Löwengruben und dieser Art von Todesstrafe steht monumental sicher. Die Löwen verschonten unseren Helden, der König ließ ihn voll Freude über seine Rettung Heraufziehen und seine Ankläger hineinwerfen. Sein Einfluß und seine Macht blieben ihm unter der Regierung des Cyaxares und bis unter Der des Cyrus. So weil das politische Moment in diesem Vorgang. Die Hinneigung des Königs zu den religiösen Ideen Daniels spricht sich in desten Vertrauen aus, der Gott, den Daniel anbete ohne Unterlaß, werde ihn aus dieser Gefahr erretten lV. 17). So spricht er, und hiernach handelt er auch, da er mit der nächsten Morgenröthe schon sich zur Löwengrube begiebt, und hinunter ruft lV. 21»: „Daniel, Diener des lebendigen Gottes', dein Gott, dem du dienest ohn' Unterlaß, vermochte er dich zu befreien von den Löwen?" Alsdann erließ der König ein Rescript an alle Völker kV. 27. 25»: „Von mir ergeht der Befehl, daß man in der ganzen Herrschaft meines Reiches verehre und fürchte den Gott Daniels, denn er ist der lebendige Gott, ewig bestehend, und dessen Reich nicht zerstört wird, und dessen Herrschaft bis ans Ende. Er befreit und rettet und thut Wunder im Himmel und auf Erden, der da Daniel befreite aus der Gewalt der Löwen." — Vergleicht man dies mit dem Ebicte des Nebuchadnezar 3, 29 und Cap. 4, so wird der Fortschritt und Abschluß ersichtlich. Dort *i Hiermit fallen die oft vorgebrachten Bedenken gegen die Erzählung in Cap. 6 weg, wie in unf. Commentar zur Stelle ausführlich besprochen worden. das Verbot jedweder Lästerung des Gottes Israels, dann das Bekenntniß des Königs für den Glaube:: an den Alles lenkenden Gott des Himmels, wie er aus Der Religion Israels fließt, hier das Gebot der Verehrung dieses Gottes und der Furcht vor ihm — selbstverständlich ohne eine bestimmte gottesdienstliche Anordnung. Auf das Negative folgt also das Positive; zuerst wird die Verfolgung dieser Gotteslehre beseitigt, dann dieselbe anerkannt und zur allgemeinen Anerkenntniß empfohlen. Hiermit schließt unser Buch ab, wie eine weitere Wirksamkeit der israelitischen Gottesidee unter den damaligen historischen Verhältnisten auch nicht möglich war. Wie weit sie befruchtend auf die innerasiatischen Völker gewirkt hat, vorbereitend zu Den ferneren religiösen Gestaltungen in jenen Reichen, besonders zu dem späteren schnellen Siege des Islam, kann nicht nachgewiesen werden; das Dasein ihres Einflusses jedoch ist hiermit eonftatirt. Jndeß lassen sich für die folgende Zeit doch noch einige geschichtliche Notizen anführen. Von dem Falle Babylons an hatte Die jüdische Einwirkung bei den persischen Herrschern eine zwiefache Richtung: die eine bezweckte die Zurückführung der jüdischen Exulanten, die Wiederherstellung des Tempels und der jüdischen '.'Nationalität in Palästina, die andere die Erhaltung der jüdischen Stellung in den innerasiatischen Bezirken, in welchen die größere Zahl der Exulanten zurückgeblieben. Die Erreichung der ersteren hing von der zweiten ab, da es besonders galt, die Anfangs arrnselige Restitution zu größerer Blüthe zu bringen, durch neue Zuzüge und bedeutende Spenden wachsen zu machen und der jüdischen Colonie in Palästina die Gunst der persischen Herrscher zu erhalten. Mit der Alleinherrschaft des Cyrus tritt die erstere in Action, und obgleich Daniel, so weit wir von ihm wissen, nach außen und nach innen die politische und religiöse Erhebung der jüdischen Exulanten im chaldäischen und medo-persischen Reiche vorzugsweise vertrat, wird er doch seinen Einfluß, den er nach «'>, 2:» auch unter Cyrus besaß, für die Erlaubnis zur Rückkehr der Exulanten nach Jerusalem verwendet haben. Wir sehen daher (Esra I) Cyrus im er'sten Jahre seiner Alleinregierung durch einen Erlaß diese Erlaubnis: geben. Es heißt zwar dort V. 1 : „Der Ewige erweckte den Geist des Cyrusindes; schließt dieses durchaus nicht aus, daß dieser Entschluß durch das Gesuch der jüdischen Führer selbst hervorgerufen worden. Ganz in dein Geiste, den wir aus der ersten Hälfte des Buches Ta-

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