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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-10-18 · Heft 42 (18.10.1870) · p. Seite 820

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 42 (18.10.1870)
Date
1870-10-18
Page
Seite 820 (sequence 4)
Language
German
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820 fo lange es die Gefammtheit duldet, und die eigentliche Verantwortlichkeit falle auf diefe — sich immer mehr verbreite und befestige und zur religiösen Gewifsenspflicht Aller werde, um das ersehnte Ziel des Bölkerfriedens zu erreichen. Weiß und fühlt dies erst die Mehrheit, so sind wir am Ziele. Die erste Hälfte -es Luches Daniel, v. Die jüdische Partei, Daniel an der Spitze, war also in der letzten Zeit der chaldäischen Herrschaft zurückgedrängt und in der Opposition gewesen. In der größten Gefahr herbeigerufen, hatte sie zwar die Regierenden aus ihrer Erschlaffung mit treuem Sinne zu wecken gesucht, aber, des völligen Verfalls der chaldäischen Macht bewußt, den Sieg der Medo-Perser vorausgesagt. Es war daher sehr natürlich, daß, wie einst in ähnlichem Falle, Nebuchadnezar den Propheten Jeremias nach dem Sturze Jerusalems begünstigte und zu hohen Ehren gebracht hätte, wenn dieser eingewilligt, die medo-persischen Könige die jüdische Partei, und insonders Daniel, mit wohlwollenden Augen ansahen und in ihr eine Stütze ihrer Herrschaft innerhalb des unterworfnen chaldäischen Reiches erblickten. Während der Perser Cyrus seine siegreiche kriegerische Laufbahn verfolgte, übernahm der medische „Darjawesch" Cyaxares II.*) die innere Verwaltung (Dan. 6, 1. 2>. Er theilte das ganze nunmehrige Reich in 120 Satrapien, und diese wieder in 3 Vezirate, von welchen er eines dem Daniel übergab. Diese hatten besonders das ganze Rechnungswesen, Einnahmen und Ausgaben, unter sich. Es ist hieraus ersichtlich, daß der Regent besonders auf die Unterstützung der jüdischen Partei rechnete, und wir können annehmen, daß es gerade das eroberte chaldäische Reich war, welches das Vezirat Daniels ausmachte, und in welchem dieser durch seine frühere Stellung die größte Sachkenntniß und Einsicht befaß ,V. 3). Der König lernte den Daniel persönlich genau kennen, hochfchätzen, ja lieben, und dachte sogar daran, ihn zum Großvezier zu erheben (V. 4. 15. 19). Nichts natürlicher, als daß hiergegen sich eine große Opposition bildete, und in echt asiatischer *) Darjawesch, Darius, in der Keilschrift Darywas, heißt dem Haupttheil des Wortes nach „Königs, und Cyaxares II. hatte wohl vorzugsweise diesen Titel. Weise darauf ausging, Daniel um jeden Preis zu stürzen, wodurch zugleich seine ganze Partei beseitigt werden mußte. Zunächst versuchte man es, ihn hinsichtlich seiner Verwaltung zu verdächtigen und Anklagepuncte zu finden. Dies scblug jedoch fehl, „alldieweil er treu war, und kein Fehl und keine Schuld an ihm zu finden" (V. 5). Man beschritt deshalb den Weg der Jntrigue und verfiel hier abermals aus das religiöse Moment, das bei den innerasiatischen Völkern so lax, bei den Juden , namentlich ihren Führern, so streng und consequent war. Jene politische Bedeutung, welche, wie wir früher gesehen, der Religion des Königs einwohnte, indem eine dieser dargebrachte Huldigung zugleich ein Act der unbedingten Anerkennung der königlichen Herrschaft war, wie sie uns aus dem 3. Cap. hervorging, konnte hier abermals den gewichtigsten Anhaltspunct gewähren, man mußte nur nach den veränderten Umständen vorgehen. Während man also darauf rechnen konnte, daß der König aus einen derartigen Vorschlag willig eingehen würde, konnte man dies Mal nicht wie bei Nebuchadnezar an die Errichtung eines Götterbildes denken, was durch die Religion namentlich der Perser unstatthaft und bei der Neigung des Königs zu den Ideen Daniels (V. 17) unpaffend gewesen. Statt deffen wählte man das negative Mittel, zu verbieten „daß Jedweder von irgend einem Gotte oder Menschen etwas erbäte binnen dreißig Tagen außer vom Könige" (V. 5), also ein Verbot religiöser Anbetung während einer beschränkten Zeit. Es war also hier kein bleibendes Geltendmachen der Religion des Königs und keine Vergötterung deffelben beabsichtigt. Die Anbetung des Königs oder des Ferwers deffelben war medo-persischer Glaube, und da dieselbe unterlaffen werden konnte, nur daß eine andere Gottheit während dieser 30 Tage nicht an gebetet werden sollte, so widersprach dies dem Geiste der innerasiatischen Völker nicht. Diese zeitweise Ausschließung sollte kein religiöser, sondern ein politischer Act sein, um damit bei den vor Kurzem unterworfenen Völkern die Anerkennung des Königs zu einem vollendeten Ausdruck zu bringen.*) Die polytheistischen Völker waren damit in ihrem Cultus anderweitig nicht gestört, und der schwachköpfige König mit feiner Ehrfurcht vor allen möglichen Nationalgöttern, also auch vor dem Gotte Daniels, *, Es geht dies klar aus B. 14 hervor, wo nur die Nichtachtung des Königs und seines Verbotes seitens Daniels und der „Weggeführten aus Jehud" hervorgehoben wird.

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