Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1870)
- Date
- 1870-10-11
- Page
- Seite 806 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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806 ausschließliche Geber- und gottesdienstliche Sprache sein solle. Jedem sein Recht und sein Maß. Aus Westphalen, im Sept. (Privatmitth.) Der lange gehegte Wunsch der israelitischen Gemeinde zu Dortmund, den öffentlichen Gottesdienst durch die feierlichen Töne einer Orgel zu heben, ist nunmehr in Erfüllung gegangen. Die Gemeinde besitzt fetzt eine sehr volltönende Orgel, die zum ersten Mate am ersten Tage des Neujahrsfestes verwendet werden wird. — Der Vorsteher der israelitischen Gemeinde zu Bochum, Herr Philipp Würzburger, wurde von der dortigen Stadtverordneten-Bersammlung als Beigeordneter gewählt; Se. Majestät der König haben allergnädigst geruht, dieser Wahl gemäß Herrn Würzburger für die nächste gesetzliche Amtsdauer zu bestätigen. Mannheim, 28. Aug. Die „Neue Bad. Landes- Zeit." berichtet: Mehrere Soldaten israelitischer Religion aus der Belagerungsarmee vor Metz ließen für sich und ihre übrigen israel. Kameraden Herrn Stadtrabbiner vr. Friedmann dahier ersuchen, bei dem commandirenden General Herrn v. Manteuffel vorstellig zu werden, daß ihnen gestattet werde, so weit es die Interessen des Krieges ermöglichen, das Neujahrs- und Bersöhnungsfest nach den Vorschriften der israel. Religion feiern zu dürfen. Dem Ansuchen willfahrend, drückte Herr Dr. Friedmann in seiner desfallsigen motivirten Vorstellung noch das Bedauern aus, daß die israel. Soldaten im Kriegsheere der Seelsorge durch einen Feldgeistlichen gänzlich entbehren und erklärte in der Lage zu sein, wenn es genehmigt wird, einen an der jüdisch - theologischen Facultät zu Breslau ausgebildeten Candidaten des Prcdigtamtes präsentiren zu können, welcher aus patriotischer Gesinnung bereit ist, sich sofort zum Zwecke der Ausübung feldgcistlicher Functionen auf den Kriegsschauplatz zu begeben. Durch Telegramm vom 25. d. M. zeigte Herr General v. Manteuffel dem Herrn Dr. Friedmann an, daß er die Berücksichtigung der Soldaten israelitischen Glaubens bei Heranziehung zum Dienste an den hohen Festtagen, so weit nach den Verhältnissen thunlich, angeordnet und auch die Sendung eines Candidaten des Predigtamtes dankbar annehmen würde. Demzufolge begicbt sich der bezeichnete Candidat, Herr Dr. Blumenstein von hier, in das Lager vor Metz. (Wir bemerken hierzu, daß auch wir Veranlassung hatten, uns zu gleichem Zwecke, aber bei einer andern Armee, an einen höhern Officier zu wenden. Allein diese war im Vormarsch begriffen und geradezu vor dem Feinde thätig, und da gestattete der Dienst ein ähnliches Vorgehen nicht. Redaction d. A. Z. d. Jud.) Oesterreichischungarische Monarchie. Wien, 28. Sept. (Privatmitth.) Attt Recht haben Sie die allgemeine Aufmerffamkeit auf den Plan des k. k. Unterrichtsministeriums, eine jüdisch-theologische Facultät zu gründen, gelentt; und wenn auch diese wichtige Angelegenheit augenblicklich ruht, weil gegenwärtig das Budget des Unterrichtsministeriums für den Reichsrath auszuarbeiten ist, und bekanntlich dieser selbst in einer schwierigen Krise sich befindet, so wird sie doch zur Zeit weiter geführt werden, da das materielle Fundament bereits gelegt ist. Das Unterrichtsministerium strebte vor Allem dahin, die Genehmigung des Kaisers für die Anstalt zu erlangen, und die materielle Existenz derselben und zwar zum Theil von den Landesfonds, zum Theil aus Staatsmitteln zu sichern. Dies ist erwirkt. Es will ferner, wenn die Anstalt ins Leben zu rufen ist, ein Curatorium, bestehend aus Juden, einsetzen, das freie Hand haben, aber unter dem Unterrichtsministerium stehen soll. Was die innere Organisatton betrifft, sowie die Ortsfrage, so will das Ministerium ein engeres Comite von etwa vier Personen zusammenberufen, welches die Vorschläge machen soll. Diese werden dann vom Ministerium geprüft, und einem größeren Eomite zur Begutachtung übergeben. Das Ministerium neigt sich jetzt der Ansicht zu, die Anstalt hier zu errichten: es wird jedoch dem Eomite nicht vorgreifen. Die Aussichten sind also gut, mag die Ausführung nicht allzulang auf sich warten lassen. All-Ofen, 16. Sept. (Privatmitth.) Wir wissen sehr wohl, daß die Redaction dieses Blattes grundsätzlich die Polemik mit andern jüdischen Blättern so viel wie möglich vermeidet. Indessen kommen doch immerhin Falle vor, in denen dies geradezu Unrecht wäre, und es kann schließlich nicht darauf ankommen, einer judenfeindlichen, judengehässigen Aeußerung ent-