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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-10-11 · Heft 41 (11.10.1870) · p. Seite 805

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 41 (11.10.1870)
Date
1870-10-11
Page
Seite 805 (sequence 9)
Language
German
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805 zu lassen. Das Almemmon in der Mitte, die Frauenstätte mit Gittern versehen u. s. w. Zwei prächtige Menauraus zieren auf beiden Seiten die heilige Lade, zu welcher sowie zur Kanzel 3 Treppen hinaufführen, die heute durch Blumen und Guirlanden geschmückt waren. Ueberhaupt ist die Beleuchtung durch wohl angebrachte Kronen gelungen. Vergebens haben wir uns aber nach dem ror umgesehen. Um 6 Uhr begann die Feier mit einem einleitenden Psalm von einem Cantor in würdiger Weise vorgetragcn. Die Vorsteher und Repräsentanten hielten den üblichen Umgang mit den Gesetzesrollen unter Absingung des von Seiten der Versammelten. Der Gesang des Vorbeters konnte keine große Wirkung erzielen, da derselbe viel zu eintönig und ermüdend war. Nächst dem Cantor trug die erste Gesetzesrolle der Rabbiner vr. Hildesheimer. Fest eingehüllt in seinen Talis und von hoher Begeisterung durchdrungen, bestieg er, nachdem die heilige Lade mit den Thorarollen verschlossen , die Kanzel, um die Weiherede zu halten. Er leitete dieselbe mit a^n^: crN ein und sprach über: bn ar -naia ab-jan ana-i rraia® aa .anan an Unter den 613 Vorschriften, meinte er, nimmt die Synagoge gerade nicht den ersten Platz ein. Hauptsächlich wird auf das Studium der Thora der größte Werth gelegt. Das Beth-Hamidrasch sei die eigentliche Grundsäule für das Bethaus. Dadurch unterscheide sich diese zu weihende Synagoge von den übrigen Bethäusern der Gemeinde. Hier soll Thauro, Halocho und Agodo gepflegt werden. Was nun die Awaudo, den Gottesdienst, anbetrifst, so soll allerdings Ruhe und Ordnung das erste Element bilden; doch soll die Gemeinde nicht eine bloße Maschine sein, sondern selbstthätig in die Gebete mit eingreifen. Wer hierher kommt, meinte er, um ein ästhetisches Stündchen zu verleben und Geflunker zu hören, der würde sich enttäuscht fühlen. Die Synagoge muß mitgenommen werden auf die Geschäftsstube, in die Küche u. s. w. Endlich führte er den dritten Theil cnon ni'ri:; auf folgende Weise aus. Hierin, sagte er, stehen wir auf ganz gleichem Boden, auch mit denen, die nicht zu uns gehören. Wir führen nur Krieg mit den Soldaten, mit den geistlichen Soldaten, die uns das heilige Buch, um das unsere Väter gelitten und gestorben, aus den Händen reißen wollen u. s. tu. Zum Schluffe hielt er noch eine Gedächtnißrede auf die verstorbenen Rabbiner Oettmeyer, Rosenstein und Sachs, und endete dann mit einem Gebete für den König und für das königliche Haus. Berlin, 28. Sept. (Privatmitth.) Sie haben bereits den erfreulichen Vorgang berichtet, wie fünfzig französische Gefangene jüdischen Glaubens in Wittenberg Crlaubniß erhielten, zum Feste nach Dessau, der nächsten Gemeinde, zu gehen und dahin von preußischen Soldaten jüdischen Glaubens gebracht wurden, und wie hier eine Geldsammlung veranstaltet worden, um diese sämmtlich am Feste zu bewirthen. Gestatten Sie mir aber, diese eigenthümliche Erscheinung noch einen Augenblick vor der Seele der Leser festzuhalren. Welche merkwürdige Complication! Wie spiegelt sich, gleich dem Sonnenbilde im Thautropfen, eine ganze Weltgeschichte in diesem kleinen aber gemüthvollen Ereigniß! Wie stellt sich uns die eigenthümliche Lage des jüdischen Stammes in diesem einen Vorgänge dar — wie nämlich die Juden als Glieder der Völker, unter denen sie zerstreut leben, in lebendigster Weise an deren Geschicken, an deren Siegen und Niederlagen, an deren Auf- und Niedergang betheiligt sind und Theil nehmen; wie sie aber dennoch durch ihre Religion, deren Lehre und Gesetz eine Einheit bilden, die zwar im Geiste beruht, aber auch zu Zeiten in das Leben tritt und sich darin verkörpert. Jüdische Gefangene als Franzosen, jüdische Wächter als Deutsche, jüdisches Fest, das sie wieder Alle vereint, und jüdische Wohlthätigkeit, die ihnen Allen das Fest bereitet! Dies Alles tritt uns hier so energisch entgegen, daß es eines weiteren Commentars nicht bedarf. Dennoch kann ich eine Bemerkung nicht unterdrücken. Aus diesem Vorgang springt einmal wieder so recht in die Augen, welch ein Erforderniß die Erhaltung der hebräischen Sprache in den Grundelementen unseres Gottesdienstes ist, was selbstverständlich nicht mit der Ausnahme mannigfacher Theile in der Muttersprache streitet. Wenn der jüdische Gottesdienst in Dessau ganz deutsch gewesen wäre, was hätten die Franzosen dort gewollt und gefunden? Es ist dies durchaus nicht nebensächlich, und wem die Einheit der jüdischen Religion ein Unterpfand ihres Bestandes scheint, der muß auch für die Erhaltung der hebräischen Sprache im Gottesdienste stimmen, wenn auch dieses Moment durchaus nicht dafür geltend gemacht werden kann, daß die hebräische Sprache unsere 41

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