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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-10-04 · Heft 40 (4.10.1870) · p. Seite 788

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 40 (4.10.1870)
Date
1870-10-04
Page
Seite 788 (sequence 12)
Language
German
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788 aber wir hätten gewünscht, daß sie im Interesse ihres Vaterlandes mehr Kaltblütigkeit, Vernünftigkeit und Sicherheit vor gefährlichen Illusionen gehegt hätten! Italien. Rom, 16. Sept. lPrivatmitth.) Die älteren Leser dies. Zeit. Werdern sich wohl erinnern, daß wir die Mortarageschichte traurigen Andenkens stets als den Wendepunct für die päpstliche Gewalt und Herrschaft angesehen und bezeichnet haben. Nicht als ob wir von der göttlichen Gerechtigkeit und Vorsehung einen so beschränkten Begriff hätten, sie hebe sich aus einer langen Reihe von Thatsachen eine einzelne, und sei sie noch so verbrecherisch, hervor, um auf diese gerade die Strafe erfolgen zu lassen; vielmehr weil sich in dieser unseligen Angelegenheit die ganze Jmmoralität des gegenwärtigen Papstthums und der ganze Umfang der Selbstüberhebung aller Welt offenbarte. Der Widerstand, welchen damals die römische Curie der Fürsprache und den Einwendungen aller Höfe entgegenstellte, die Geringschätzung und Hartnäckigkeit, mit welcher jene diese behandelte, die Verachtung aller natürlichen und göttlichen Gebote, mit welcher die Kirche sich über alle anderen Gewalten und Momente hinaussetzte, und eine von einer jungen Dienstmagd in boshafter Weise vollzogene Ceremonie als unverletzlich, für immer bindend und alle natürlichen Bande zerreißend erklärte, alles dies konnte nur aus der stärksten Selbstverblendung hervorgehen und mußte die Sympathien der ganzen Welt, namentlich der Regierungen, der römischen Curie entfremden. Es war daher nicht schwer, den Sturz der letzteren vorauszusagen, da dieser doch nur durch die Anwesenheit der französischen Truppen aufgehalten wurde, eine Veränderung der Stimmung oder der Lage Frankreichs den Fall des weltlichen Thrones des Papstes also herbeiführen mußte. Als daher kurze Zeit daraus Italien mehrere Provinzen des Kirchenstaates in Besitz nahm, regte sich keine Hand dagegen. Es war eine Warnung, aber wie gewöhnlich, vergebens. Wie dann der Papst auf seinem Wege weiter schritt, wie er, um die Herrschaft wieder zu erlangen, den Syllabus erließ, die persönliche Unfehlbarkeit durch ein gemaßregeltes Concil zum Glaubensdogma erhob, abgesehen von anderen bezeichnenden Facten, z. B. der Heiligsprechung des schrecklichen Abues, weiß Jedermann. Nun ist die ganze Vergeltung eingetreten, und diese um so bitterer, als derselbe Papst sie noch erleben mußte. Der Kirchenstaat und Rom selbst sind von den italienischen Truppen besetzt, überall von den Einwohnern mit Jubel empfangen. Nur das leoninische Stadtviertel mit dem Vatican und der Peterskirche sind dem Papste überlassen geblieben; hier hofft er noch immer, daß die Engel vom Himmel her für ihn streiten werden, aber bis jetzt hat sich von den himmlischen Heerschaaren noch Niemand gezeigt. — Niemand wird in den obigen Zeilen irgend einen Ausdruck einer unedlen Befriedigung finden — man erinnere sich, daß auch wir nebst 45 deutschen Collegen uns damals bittend an den Papst wandten, aber keine Antwort erhielten — allein die großen Lehren über die göttliche Gerechtigkeit, die in der Geschichte waltet, über die Selbstvernichtung, die in der Selbsttäuschung und in der zügellosen Herrschafr liegt, dürfen wir niemals außer Acht laffen, und die Freude über den Fall des Aberglaubens, der fort und fort der Menschheit die drückendsten Lasten aufzuerlegen und allen Grundsätzen der Gerechtigkeit und Freiheit entgegenzutreten strebt, hat nichts gemein mit unwürdiger Schadenfreude und unsittlichem Rachedurst. Rom, 25. Sept. Der römische Pöbel wüthet nicht allein gegen die päpstlichen Wappen, sondern auch gegen die Geistlichen, deren Einige bereits den Tod gefunden. Werden die Ultramontanen auch diesmal sagen, daß dies „Juden" gethan? Portugal. Lissabon, im Sept. Regierung wie Bürger wünschen einen ausgezeichneten Israeliten in die Deputirkammer zu bringen. Aber jedes Mitglied derselben muß den Eid auf den katholischen Glauben schwören. Man wird also auch hier erst diese Eidesformel ändern müssen, und glaubt, daß dies nicht so lange Kämpfe erfordern werde, wie die Abschaffung des Eides auf den anglikanischen Glauben in England.

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