Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 40 (4.10.1870)
- Date
- 1870-10-04
- Page
- Seite 786 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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786 sprechen sich sämmtlich mit Entschiedenheit zu Gunsten der Congreßstatuten in sofern aus, als sie die beiden vorgelegten Fragen: „1) Ob diese Statuten religionsgefährliche Lehren enthalten und in die Vorschriften der Religion und der religiösen Tradition einen Eingriff thun? 2) Ob Diejenigen, die sich auf Grundlage dieser Statuten constituirt haben oder sich noch constituiren werden, mit Recht als aus dem Verbände des bestehenden Iudenthums ausgetreten, als eine neue Secte zu betrachten sind?" nachdrücklich verneinen. Einige, und zwar von Männern, welche viel auf ihren conservativen Ruf halten, sprechen sich sogar entrüstet über die Behauptungen und Jntriguen der Gegner aus, welche diese Gutachten nothwendig machten. Ob nun die Herren Deputirten des magyarischen Landtages sich durch diese Gutachten bewegen lassen, ihr ohne Sachkenntnis abgegebenes Urtheil zurückzunehmen, muß dahin gestellt bleiben. Jedenfalls ist hierdurch von der Majorität des Congresses jener Vorwurf beseitigt worden, als ob sie, dem Geiste der Neuerung allzusehr ergeben, der Gewissensfreiheit der Orthodoxen Gewalt angethan. Man kann nicht leugnen, daß die ungarischen Fanatiker sehr schlau zu Werke gegangen waren, indem sie laut über die Gefahr der Gewissensfreiheit schrien, weil sie wußten, daß die Herren Magyaren sich von diesem Geschrei bedeutend imponiren lassen würden, da die letzteren um so energischer für jenes Princip bei den Juden eintreten würden, je weniger sie dies betreffs der christlichen Kirchen zu thun gesonnen sind. Nun, wir müssen der weiteren Entwickelung entgegensehen. Pest, im Sept. (Privatmitth.) Es hat hier beim Lehrertag angenehm berührt, daß gerade die Israeliten sich als gediegene magyarische Redner hervorgethan haben. Wie wir vernehmen, soll der wackere Musterlehrer Nathan Fischer das Directorat an der hiesigen Mädchenschule erhalten. Fischer gehört zu unseren bessern Lehrern und hat auf dem Gebiete der Pädagogik tüchtiges geleistet. 2 . . . . Auö Oesterreich, im Sept. lNotizen.) Agram, das 1870 nicht mehr als 1483 Seelen, alle katholischen Glaubens, zählte, hat heute eine Bevölkerung von 20,000 Einwohnern, darunter 864 Israeliten. — In Raab wurde den 15. d. die neuerbaute Synagoge durch Herrn Oberrabbiner Löw aus Szegedin eingeweiht. — In Wien ist in diesen Tagen ebenfalls eine neue Nebensynagoge eingeweiht worden. Aus dem Tokayergebirge, 15. Sept. (Privatm.) Unsere Deputirten sind vom orthodoxen Congresfe heimgekehrt und haben bereits ihren Wählern Rechenschaft von ihrem Wirken abgelegt. Das Zempliner Comitat dürfte bis heute am stärksten im orthodoxen Lager vertreten sein und um so intereffanter ist das Verhalten der Bevölkerung gegen die Congreßbeschlüsse der Orthodoxen. Große Sensation machte bei uns die Nichtannahme einer Deputirtenstelle Sr. Hochwürden des Oberrabbinen Jeremias Löv in S. a. Ujhely, obwohl derselbe sich in Ofen im Bade befand. Wie bei der Nagy-Mihalyer-Bersammlung Jeremias Löv um keinen Preis zu bewegen war neben Rebbe Hillel Platz zu nehmen, so hat auch diesesmal dieser ebenso gelehrte als wahrhafte Orthodox alle Gemeinschaft mit einer Versammlung und deren Beschlüssen abgelehnt, die den Lißkaer Rebbcn, einen berühmten chassidischen Fanatiker, zu ihrem Orakel gemacht hat. Die Herren KrauS und Farkas thaten nicht wohl daran sich dem Chassidismus in die Arme zu werfen und sich in Szanc Instructionen zu holen. Da der heilige Wundermann in Lißka nichts unternimmt ohne Segen von dem im Bann liegenden Heiligen in Szanc zu erflehen, und ersterer die Seele des orthodoxen Congresses ist, so sind wir kaum im Stande die traurige Lage der gemäßigten Orthodoxen zu schildern. Wie wir vernehmen, werden dem Landtage wiederholt die Beschlüsse des Congresses vorgelegt werden und wollen nunmehr auch die Orthodoxen dem Landtage ihre Beschlüsse unterbreiten. Unsere Orthodoxen erwarten nicht nur Anerkennung her Beschlüsse des orthodoxen Congreffes und Corporationsrechte, sondern auch Antheil am Schulfonds, u. s. w. Der Landtag, deffen Vorgehen in dieser Frage fast vorgezeichnet ist, wird sich schwerlich, trotz der Gutachten ausgezeichneter ausländischer Capacitäten, in die Angelegenheit der ungarischen Juden weiter mischen. Da die linke Partei im Lande täglich wächst, die rechten Deputirten Unpopularität fürchten, so werden beide Parteien es nicht mit der orthodoxen Landbevölkerung verderben wollen. Das ist denn auch die Ursache, wenn Deak, der große Sohn des Vaterlandes, sich kalt gegen die Bestre-