Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 40 (4.10.1870)
- Date
- 1870-10-04
- Page
- Seite 785 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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785 mit den Thorarollen und das Anzünden der ewigen Lampe folgende weihevolle Predigt des Landrabbiners versetzte sämmtliche Zuhörer in eine überaus erhobene Stimmung. Ein Choralgcsang beschloß hierauf die würdige Feier, die gewiß allen Anwesenden noch lange in Erinnerung bleiben wird, und wie unsere an hervorragenden neueren Denkmälern der Baukunst so reiche Stadt dnrch diese neue Schöpfung um eine der werthvollsten architectonischen Zierden bereichert worden ist, so dürfen wir dreist behaupten, daß wir jetzt eine der schönsten Synagogen Deutschlands besitzen. Zu erwähnen sind noch die prachtvollen Geschenke, welche der Gemeinde bei dieser Gelegenheit gemacht worden sind. So haben die Damen einen prachtvollen goldgestickten Vorhang von rothem Sammet, die Damen der Familie Cohen einen anderen für die arr<, die jungen Leute einen sehr schönen silberdurchwirkten Trauhimmel von blauem Atlas, Herr Vorsteher Heinemann vier broncene prächtige Candelaber, Herr Louis Meyer vier dergleichen und ein silbernes iran -i:, Herr Gerson Meyer eine sehr schöne Uhr und Herr I. M. Frensdorfs zwei sehr werthvolle große silberne Leuchter geschenkt. Von einer allgemeinen socialen Feier ist in Rücksicht auf die Kriegsereignisse Abstand genommen worden. Die letzteren haben aber dem in unserer Gemeinde herrschenden Wohlthätigkeitssinne Veranlassung gegeben, sich aufs glänzende zu bewähren und rühren hier die bedemendsten Gaben zur Unterstützung der Verwundeten und der Familien, deren Ernährer im Felde stehen, von Juden her. Leider hat der Krieg auch aus der hiesigen Gemeinde bereits ein Opfer gekostet, indem ein junger Kaufmann Namens Hirschhahn gefallen ist, und in dem uns nahe gelegenen Rodenberg hat ein Gemeindemitglied Namens Behrens das Unglück gehabt, zwei Söhne auf dem Schlachtfelde zu verlieren. Bor Kurzem hat hier eine Stiftung die königliche Bestätigung erhalten, welche der hier geborene, gegenwärtig aber in Amsterdam wohnende Banquier Herr Georg Rosenthal zur Erinnerung an seine hier verstorbenen Eltern errichtet hat. Zweck der Stiftung ist: jungen Männern, welche ihre Studien auf der hiesigen polytechnischen Schule machen, für diesen Zweck Stipendien zu gewähren. Aus den Zinsen der vorläufig, unter Vorbehalt weiterer Vermehrung, zum Grundcapital bestimmten 5000 Thlr. soll alljährlich — zuerst Anfangs October 1870 — ein Stipendium von 200 Thlrn. bewilligt werden. Der etwaige Mehrbetrag an Zinsen sowie das in einem Jahre etwa nicht zur Auszahlung kommende Stipendium soll angesammelt werden, bis daraus weitere gleiche Stipendien verliehen werden können. Derselbe Studirende kann das Stipendium höchstens viermal beziehen. Den ersten Anspruch auf Gewährung eines Stipendiums haben junge Männer, welche, aus der Familie des Stifters stammend, der jüdischen Religion angehören und zwar ohne Unterschied des Heimathsortes; in zweiter Linie solche, die der Synagogengemeinde zu Hannover oder, falls diese keine Bewerber aufzuweisen hat, einer anderen Synagogengemeinde des ehemaligen Königreichs Hannover angehören; endlich junge Männer ohne Unterschied der Confession zunächst aus der Stadt Hannover, eventuell aus einem anderen Orte des ehemaligen Königreichs Hannover. Das Landrabbinat zu Emden ist, nachdem der dortige Rabbiner Hamburger vor einiger Zeit gestorben ist, augenblicklich vacant und ist einstweilen die Verwaltung dem Oberlehrer Dr. Kroner zu Aurich übertragen worden. Oesterreichischungarische Monarchie. Wien, 18. Sept. (Privatmitth.s Der verdienstvolle Herr Dr. Max Letteris wurde zu seinem 7o. Geburtstage von vielen Seiten durch Liebesgaben geehrt und erfreut. Es gelangte auch folgende kaiserliche Auszeichnung an ihn: „Se. k. und. k. Apostolische Majestät haben mit Allerhöchster Entschließung vom 14. September d. I. dem Literaten Dr. Max Letteris in Wien in Anerkennung seiner verdienswollen Leistungen das goldene Verdienftkreu; mit der Krone allergnädigst zu verleihen geruht." Pest, im September. (Privatmitth.) Hier ist die Zusammenstellung der „Gutachten ausländischer Rabbinen über die sanctionirten Statuten und Beschlüsse des am 10. December 1868 erössneten Landes-Congresses der Israeliten in Ungarn und Siebenbürgen" erschienen. Es sind 33 Gutachten aus Frankreich, Belgien, Italien. Schweden, Dänemark, und allen Theilen Deutschlands, sowie Deutsch-Oesterreichs. Sie 40