Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 40 (4.10.1870)
- Date
- 1870-10-04
- Page
- Seite 782 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Daniel 1× ep/1003977
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782 gen zurückgekehrt war, wollte er einen solchen Huldigungsact begehen laffen. Mitten in einem weiten Thale bei Babel ließ er ein großes goldenes Götterbild errichten, die Oberhäupter und Vettreter aller ihm unterworfenen Völker aufrufen und ihnen befehlen, sich beim Schalle der Hörner und Instrumente vor jenem niederzuwerfen. Wer nicht Gehorsam leiste, sollte den Feuertod erleiden. Alle gehorchten bis auf die anwesenden drei Genossen Daniels. In der Ungeheuern Menge mochte dies unbemerkt geblieben sein. Aber die Feinde der Juden — dies deutet uns die Bezeichnung „chaldäische Männer" (B. 8) an, da 2, 2. 4 ff. Chaldäer «Magier) als Beschwörer, Geheimdeuter verstanden werden, welche durch Daniel und seine Genoffen sich zurückgesetzt sahen — „naheten zur selbigen Zeit und gaben verräterisch die Jchudim an." Sie sprachen „Da sind jehudische Männer, die du verordnet hast über die Verwaltung der Landschaft Babel, Schadrach, Meschach und Abed-Nego, diese Männer achten nicht auf dich, o König, deinen Göttern dienen sie nicht, und vor dem goldnen Bilde, das du errichtet, beten sie nicht an." Diese Worte charakterisiren die ganze Situation. Die Angeber verrathen ihr Motiv, indem sie vor Allem hervorheben, daß N. sie zu Verwaltern der Landschaft erhoben, sie wenden sich zunächst an das persönliche Gefühl des Königs, daß jene den König mißachteten, und gedenken dann erst der Götter, wodurch sogleich der politische Charakter der ganzen Feierlichkeit bestätigt wird — von hier ab tritt wieder das religiöse Moment in den Vordergrund. Der König ftagt die Juden: „Wer ist der Gott, der Euch erretten könnte aus meiner Hand?" Jene antworten, der Gott, den sie anbeten, vermöge sie auch zu retten; so er es aber nicht thut, so würden sie doch niemals andern Göttern dienen und vor Götzenbildern anbeten. Sie sind bereit den Tod zu erleiden, da nicht die Gefahr und nicht die Rettung sie von ihrer religiösen Pflicht befreien könnten. Die Männer wurden in den Feuerofen geworfen, blieben aber unversehrt, und als N. dies gewahrte, trat er heran und rief: „Diener des höchsten Gottes, gehet und kommet heraus!" Nebuchadnezar hebt an :„ Gepriesen sei der Gott dieser Männer u. s. w." Ferner (V. 29): „So ergeht der Befehl von mir, daß jedes Volk, Nation und Zunge, wer aussprechen wird Lästerung wider den Gott Schadrachs:, Meschachs und Abed-Nego's, soll in Stücke gehauen und sein Haus zu Schutthaufen verwandelt werden, dieweil es nicht giebt einen andern Gott, der zu erretten vermöchte, wie dieser!" Das Ansehen und die Macht der jüdischen Partei ging nur um so glänzender aus diesem Kampfe hervor (B. 30). Wenn in dem ersten Ereigniß Alles Idee war, und es sich um die Erkenntniß der Vergänglichkeit aller irdischen Macht und des großen menschengeschlechtlichen Entwicklungsganges handelte; in diesem zweiten ist Alles fattisch. Es gilt die Ausführung eines götzendienerischen Gebots, den Widerstand aus religiösen Motiven, thatsächliche Berräthereien, drohenden Sturz und Untergang, glanzende Rettung und Sieg. Der Ausgang war zwar hier ebenfalls nur die Anerkennung der Macht des Gottes, den Israel verehrt und lehrt, als höher denn die Kraft anderer Götter, und zwar nach der factischen Seite seiner rettenden Allmacht — aber es knüpft doch bereits ein factifcher Erfolg daran, nämlich das Verbot, daß Niemand eine Lästerung wider diesen Gott ausspreche. Jede Feindseligkeit gegen die Gotteslehre Israels war hiermit abgebrochen und eine negative Anerkennung vollzogen. (Fortsetzung folgt.) Literarischer Wochenbericht. Wien, 21. September. Mechilta de R. Jsmael, der älteste halachische und hagadische Midrasch zu Exodus. Nach den ältesten Druckwerken herausgegeben, mit kritischen Noten, Erklärungen, Jndices und einer ausführlichen Einleitung versehen von M. Friedmann, Bibliothekar und Lector am Bet-Hamidrasch in Wien. Selbstverlag des Herausgebers LXXX und 286 Seiten. Es ist ein nicht hoch genug anzuschlagendes Verdienst der neueren, unter dem Einstuffe kritischer Forschung arbeitenden Talmudistenschule, ältere, wichtige Druckwerke der jüd. Literatur, die im Laufe der Zeit durch Mißverständniffe unwissender Abschreiber und Correctoren vielfach corrumpirt worden sind, nach ihrem ursprünglichen, von allen irrthümlichen Zuthaten gereinigten Texte herauszugeben. Der Freund jüdischen Schriftthums, wenn er diese schon äußerlich herrlich ausgestatteten Werke liest, hat gar keine Ahnung von der unsäglichen Mühe, die der Herausgeber trotz immenser Belesenheit aufbieten muß, um die ursprüngliche Leseart wieder herzustellen. Der Umstand, daß die Texte alt-