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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-10-04 · Heft 40 (4.10.1870) · p. Seite 779

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 40 (4.10.1870)
Date
1870-10-04
Page
Seite 779 (sequence 3)
Language
German
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779 von ihm -paf: '„er hatte Einsicht in Gesichte und Traume;" er hatte die Gesichte und Traume nicht selbst, Andere hatten sie, und er verstand nur, sie richtig auSzulegen, wie dies auch in den folgenden Erzählungen stattfindet. Er war damit auf dieselbe Stuse mit Joseph gestellt, und hieran erinnert auch B. 20: „Und in jeder Sache weiser Einsicht, um die der König sie befrug, fand er sie zehnfach über alle Geheimdeuter, die Beschwörer, in seinem ganzen Reiche." Zum dritten Male steht hier ein israelitischer Gottbegeisterter Mann den Männern der geheimen Wiffenschaft und Künste anderer Völker gegenüber, den cisa-in *), Joseph, Moses und Daniel. Eine Steigerung ist erkennbar. Bei Joseph (1 Mos. 41, 8) handelt es sich um die Erhöhung dieses Mannes, allerdings damit das Werk der Vorsehung, das Haus Jakobs nach Aegypten zu bringen, erfüllt werde; Lei Moses (2 Mos. 7, 11. 8, 1b. 9, 11.) gilt eS, die Befreiung des israelitischen Volkes zu erwirken, Lei Daniel aber, wie es unzweideutig ausgesprochen wird, die Lehre vom einzigen allmächtigen Gotte zur Erkenntniß und zum Siege auch bei den anderen Völkern zu bringen. Hiernach ist auch die ganze Scenerie verändert. Bei Joseph ist es die Auslegung eines Traumes, welche die ägyptischen Weisen nicht zu geben vermögen, eines Traumes, der ein bald eintretendes Ereigniß, den kommenden Ueberfluß und Mißwachs der Ernten, enthält. Bei Moses vermögen die ägyptischen Geheimkünstler die Wunder zuerst nachzuahmen, alsdann sind sie dies nicht mehr im Stande, werden selbst von denselben betroffen und erklären die Macht des Gottes, den Moses anruft, für größer als die ihrer Götter. Hier aber, bei Daniel, enthält der auszulegende Traum die allgemeinste Beziehung auf die gesammte irdische Machtfülle der weltlichen Menschenreiche und ihre gänzliche Unterordnung unter die Allmacht Gottes, und das Ziel ist die Anerkenntniß und Anbetung dieses einzigen unkörperlichen Gottes. Joseph steht gewisiermaßen für ein persönliches Jntereffe, Moses für ein nationales Werk, Daniel für eine menschengeschlechtliche Aufgabe ein. Auf dieser gewonnenen Grundlage wird sich uns das Einzelne verständlicher machen. Das 2. Cap. enthält den berühmten Traum Nebu- *) Nur hier und 2, 2 wird v'-swrr hinzugefügt, ein Wort, deffen Bedeutung sehr zweifelhaft ist und von den Commentatoren verschieden ausgelegt wird: Astrologen, Philosophen, Beschwörer, Aerzte, Magier, s. unsere Erklärung. chadnezars, der V. 32—35 beschrieben wird: „Das Bild, sein Haupt war von feinem Golde, seine Brüste und seine Arme von Silber, sein Leib und seine Hüften von Kupfer, seine Schenkel von Eisen, seine Füße zum Theil aus Eisen und zum Theil aus Thon. Du schauerest, bis sich da losriß ein Stein, nicht durch Menschenhände, und dem Bilde auf seine Füße von Eisen und Thon stieß, und sie zermalmte. Alsbald wurden zusammen das Eisen, der Thon, das Kupfer, das Silber und das Gold zermalmt, und wurden wie Spreu von Sommertennen, und der Wind trug sie von dannen, und nirgends wurden sie gefunden, aber der Stein, der das Bild gestoßen, ward zu einem mächtigen Berge, und füllte die ganze Erde." Daniel deutet diesen Traum (B. 37—45): Nebuchadnezar und sein Reich seien das Haupt von Gold, „aber nach dir wird ein anderes Reich erstehen, geringer als du, und ein anderes drittes Reich von Kupfer, das herrschen wird über die ganze Erde. Und ein viertes Reich wird fest fein wie Eisen; deshalb wie Eisen zermalmt und zerschlägt Alles und wie Eisen zerschmettert, wird es alle jene zermalmen und zerschmettern. Und daß du die Füße geschaut und die Zehen zum Theil Töpferthon und zum Theil Eisen, ein zerrissenes Reich wird es sein, obschon von der Stärke des Eisens in ihm sein wird, weshalb du Eisen geschaut durchmischt mit Lehmthon." „Aber in den Tagen dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Reich aufrichten, das in Ewigkeiten nicht zerstört wird, und deffen Herrschaft einem anderen Volke nicht übergeben wird: es wird zermalmen und vernichten alle jene Reiche, aber selbst bestehen in Ewigkeit; weshalb du geschaut hast, daß von einem Berge sich losriß ein Stein, nicht durch Menschenhände, und zermalmte das Eisen, das Kupfer, den Thon, das Silber und das Gold." Schon die Lesung dieser Verse muß uns überzeugen, daß hier ein ganz anderes Ziel erreicht werden sollte, als in den beiden früheren, oben erwähnten Fällen. Ein factisches, wie bei Joseph und Moses, konnte es nicht sein, da in diesem Traume und seiner Deutung nur eine auf die fernste Zukunft reichende Idee enthalten war. Welches dieses Ziel nun war, spricht der ganze Bericht aufs Deutlichste aus. Schon die Einleitung. Pharao erzählt seinen Geheimdeutern und dem Joseph seinen Traum und verlangt deffen Deutung; Nebuchadnezar aber fordert, daß seine Weisen ihm den Traum selbst aus ihrer Wiffenschaft heraus verkünden sollen, will hierin die Bürgschaft für die Richtigkeit der Deu- 40*

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