Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 40 (4.10.1870)
- Date
- 1870-10-04
- Page
- Seite 778 (sequence 2)
- Language
- German
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778 wunderbarer Patriotismus erfüllt sie jetzt, der in Solidarität, Wohlthätigkeit und Bruderliebe besteht. Sie bildet ein bewunderungswürdiges Freimaurerthum." Ferner: „Die Emancipatiou des jüdischen Volkes datirt seit der Zerstörung Jerusalems, Judäa war sein Körper, seine Umhüllung; indem es sie abstreifte, nahm es seinen freien Flug. Man nennt es das umherirrende Volk, ich nenne es das befreite Volk. Es hat weder König, noch Armee, noch Budget, noch Beamte; es hat noch Priester, aber schon entsagen sie, denn auch ihre Religion vergeistigt sich; wenn es das Bewußtsein dieser Güter besitzt, wird es das erste unter allen Völkern werden. Wenn es eines Tages mit der Humanität verschmilzt, dann ist seine Function erfüllt, seine Rolle ist glorreich vollendet, es ist in den Hafen der Wahrheit eingelaufen." Endlich: „Bedenken Sie jedoch, daß die jüdische Nation, deren Philosophie und Wiffenschast, deren Einfluß und Reichthümer, deren Geschmack und Befähigung für die Künste Sie nicht bestreiten, frei und glücklich lebt, keine Regierung mehr hat und keinen Krieg mehr führt. Sie kennt von allen Uebeln nur die unsrigen; da sie zur Menschheit gehört, muß sie das Band mittragen, aber sie bringt der menschlichen Gesellschaft keinerlei Elend und sie kann den Tag segnen, der ihr, indem er ihr das Vaterland nahm, die Freiheit gab." Niemandem wird entgehen, daß in diesen so edel ausgesprochenen Sätzen, deren Unbefangenheit nur aus dem Boden einer wahren Humanität erwachsen konnte, viel Wahres enthalten ist. Um dies zu erkennen, braucht man nur zu erwägen, daß diese Staatslosigkeit, dieses Nichtgebundensein an ein bestimmtes Territorium die einzige Rettung des jüdischen Stammes war. Wie sein Staat vom Auftreten der großen innerasiatischen Dynastien zwei Mal vernichtet und wahrend seines zweiten Bestandes meist in Abhängigkeit erhalten wurde, konnte er jenem furchtbaren Völkersturme, der seit dem Sturze der Römerherrschaft über Vorderasien, insbesondere über Palästina und Syrien dahinraste, nicht widerstehen, und unfehlbar würde der jüdische Stamm unter den ehernen Tritten der Tataren, Mongolen, Seldschucken, Araber, Türken, unter den Kämpfen der Kreuzzüge ausgerottet worden sein. Nicht minder war es die Zerstreuung, welche ihn während der mittelalterlichen Verfolgungen vor dem Untergänge schützte. Andrerseits bringt die Verbreitung der Juden unter fast alle Völker der Erde, ihr Vorhandensein vorzugsweise unter den civilisirten Völkern noch ein unschätzbares, positives Moment heran. Jede Nation mit ihrem Charakter, ihrer Sprache, Literatur, Sitte und Geschichte entwickelt eine besondere Eigenthümlichkeit des Geistes. Die Juden, indem sie an dem Culturleben jeder Nation Theil nehmen, empfangen von dieser Eigenthümlichkeit und entwickeln sie in sich. Bereinigen sie sich aber nun in der religiösen Idee des Judenthums nach deren ganzem Umfange und in ihrer Stellung als Juden, denn diese behält stets eine gewisse Besonderheit, treten sie, wie es durch die jüdische Presse, Literatur und andere Institute geschieht, in eine gewisse Verbindung und gegenseitigen Austausch, so stellt sich hierdurch eine Allgemeinheit dar, die nicht in einem bloßen Gedanken, sondern in der Wechselwirkung der Geisteseigenthümlichkeiten aller bedeutenden Nationen besteht. Dies ist dies praktische Seite dessen, was wir von Herrn Bertram gehört, und nach dieser practischen Seite hin haben wir zu arbeiten. Die erste Halste -es Suches Daniel, in. Bevor wir jedoch das 1. Capitel verlassen, haben wir noch eine Bemerkung zu machen. Der 17. Vers lautet: „Aber diese vier Knaben, ihnen gab Gott Wissen und Berständniß in allem Schriftthum und Weisheit, und Danijel hatte Einsicht in alle Gesichte und Träume." Zuerst wird hier eine unmittelbare Beziehung für die von den vier Jünglingen erreichte Intelligenz mit Gott angedeutet, sie wird als eine Gabe Gottes bezeichnet, und hiermit der religiöse Charakter alles dessen, was folgt, eingeleitet. Dann wird aus den Bier Daniel besonders hervorgehoben und auf die Höhe gestellt; den Dreien wird „Wissen und Berständniß in allem Schriftthum und Weisheit" zugeschrieben, während Daniel noch „Einsicht in alle Gesichte und Träume" hatte. Daniel wird hierdurch über das Bereich des menschlichen Wissens und Verständnisses, so weit es selbst das glänzendste Genie unter den begünstigtsten Umständen erreichen kann, hinausgehoben und in jene geheimnißvolle Region des Geistes versetzt, wo ein Zusammenhang 'mit dem Ueberirdisch-Geistigen anhebt. Allerdings wird vorsichtig dem Daniel die Prophetie nicht zugeschrieben, es heißt