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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-09-27 · Heft 39 (27.9.1870) · p. Seite 766

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 39 (27.9.1870)
Date
1870-09-27
Page
Seite 766 (sequence 10)
Language
German
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766 Confessionen und auch der Tagespresse bis zum Erdrücken angefüllt war, seine Antrittspredigt. Er setzte in wahrhaft geistvoller Weise mit glänzender, stellenweise tiefergreifender Beredtsamkeit die Aufgabe eines Seelsorgers überhaupt und desjenigen einer so großen Gemeinde, welche ihren Schwestergemeinden im Vaterlande mit gutem Beispiele voranzuleuchten hat, insbesondere auseinander. Ferner kennzeichnete er den Standpunct, welchen er in Erfüllung seiner Amtspflicht den verschiedenen Parteien gegenüber einzunehmen fest entschlossen ist, wobei er sich zur größten Freude seiner nach Tausenden zählenden Zuhörer als einen entschiedenen Feind aller und jeder Zweideutigkeit manifestirte. Als er dann noch am Schluffe seiner durch zahlreiche treffende Bibel- und Midraschstellen gewürzten Rede der Versammlung das erhabene Bild des altehrwürdigen Judenthums im Glorienscheine seiner ursprünglichen Reinheit, seines Gesinnungsadels und seiner musterhaften Duldsamkeit vor Augen hielt und die Anwesenden zur Eintracht, Friedens- und Bruderliebe ermahnend, sein wahrhaft herzerhebendes Schlußgebet sprach — da erglänzten in den Augen vieler Zuhörer Thränen der Freude und der Rührung. Heute, Sonntag, empfing Dr. K. die Lehrkörper der hiesigen öffentlichen Gemeinde- Lehranstalten, wie auch die Vorstände verschiedener anderer Eorporationen, die sich sämmtlich beeilten, dem neuen Seelsorger ihre herzlichsten Grüße darzubringen. Und so möge denn die Hoffnung unserer hiesigen Glaubensbrüder, daß seine Amtswirksamkeit hier zu Lande unter Gottes allgütigem Beistände von langer, langer Dauer und eine wahrhaft segensreiche sein werde, in Erfüllung gehen! F. Krakau, 0. Sept. (Privatmitth.) Der zwischen Frankreich und Deutschland ausgebrvchene Krieg nimmt auch hier alle Geister in Anspruch, und wirkt lähmend auf alle Localangelegenheiten. Namentlich wird das jüdische Gemeinwesen sehr davon betroffen, und der so schon schwache Eifer für bestehende oder unternommene Anstalten völlig abgeschwächt. Es geht mit ihnen abwärts, fast wie mit den ftanzösischen Heeren. Die wenigen Männer des Forffchrittes, welche bei den letzten Wahlen in den Vorstand gekommen, sind bis auf Dr. Samelsohn ausgetreten, da sie leider zu spät einsahen, daß ihr Bleiben in diesem Collegium der Sache des Fortschrittes mehr schadet als nützt, da es ohne sie nur ein Rumpfparlament blieb. Es geht nun da zu wie in einem Schiffe ohne Rüder. Es werden mit Noth kaum die laufenden Geschäfte erledigt. Von einer Hebung der Gemeinde in materieller und geistiger Hinsicht kann gar keine Rede sein, da die zurückgebliebenen Männer, der erstarrten Orthodoxie angehörig, gar kein Verständniß dafür haben. Aber auch die deutsche Tempelgemeinde leidet an völliger Energielosigkeit. Der Vorstand derselben glaubt genug gethan zu haben, nachdem er eine Petition um Ausscheidung aus der Großgemeinde eingereicht hat, und hält es für überflüssig, sich um deren Schicksal weiter zu kümmern. Der Magistrat hat nun dieselbe schlecht befürwortet, indem er die Theilung der jüdischen Gemeinde für der Stadt nachtheilig erklärte. Die Angelegenheit wird hieran scheitern oder doch erst nach langer Zeit vom Ministerium bewilligt werden, während welcher wir das Joch der Großgemeinde zu tragen haben und von Männern regiert werden, die sich als die äußersten Zeloten geriren. Daß unter solchen Umständen Gotteshaus, Schule und Vereinswesen nicht gedeihen können ist selbstverständlich. Es fehlt hier wie in ganz Galizien an Charakteren, an Männern, die wissen, was sie wollen. Man muß sich beschränken, einzelne Humanitätszwecke, so gut es gehen will, zu fördern. So besteht, wie in d. Bl. bereits gemeldet, seit 1866 ein Handwerkerverein, der bereits 40 Knaben in die Lehre gebracht, so daß schon manche, die vor drei Jahren noch betteln gingen, nützliche Mitbürger geworden. Der Präsident dieses Vereins ist Dr. Rapoport und Secretär Buchhändler I. S. Herzog; das jährliche Budget beläuft sich auf 1600 fl., der Fond auf 1000 fl. Sehr wohlthättg wirtt der Armenbekleidungsverein, der jährlich eine bedeMende Anzahl Kleidungsstücke vertheilt. — Die am 18. Aug. verstorbene Frau Rosalie Lebenslein hat ein Legat von 10,000 Rubeln zu verschiedenen wohlthätigen Zwecken hinterlassen. — Sonntag, den 4. d. wurde im Tempel eine Gedächtnißfeier für den verstorbenen David Rapoport abgehalten, dessen Tod, wie in d. Bl. bereits gemeldet wurde, die hiesige Gemeinde so schmerzlich betroffen hat. Eine große Wirkung verliehen dem Acte Herr Cantor Fischer durch seinen ttefergreifenden Gesang und Herr Dr. Dankiewicz durch seine schwungvolle Rede. Jh. Krakau, 12. Sept. (Privatmitth. von einem anderen Corresp.) In Wisnitz, einem sechs Dieilen von

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