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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-09-27 · Heft 39 (27.9.1870) · p. Seite 765

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 39 (27.9.1870)
Date
1870-09-27
Page
Seite 765 (sequence 9)
Language
German
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765 die Minorität gegen die Majorität siegte, so wird auch die israel. Gemeindeverfassung hier von der Minorität gestürzt werden! — so hofft diese Partei. Vor wenigen Tagen ist eine Uebersicht des Haushalts der jüdischen Gemeinde vom Jahre 1869 erschienen. Die Einnahme schließt mit 116,942 Thlr. 29 Sgr. 9 Pf., die Ausgabe mit 105,527 Thlr. 28 Sgr. 7 Pf. Es lassen sich an diese Verwaltung, besonders was die Schulangelegenheiten anbetrifft, manche Betrachtungen knüpfen, die wir uns auf die Friedenszeit vorvehalten. — Die Vorbereitungen zu beginnen in gewohntem Eifer. Der leidige Billetverkauf für den Gottesdienst hat seinen Anfang genommen. Speculanten aller Art miethen Vergnügungslocale, ganz wie früher, und schaffen dieselben zu Synagogen um. Die Gemeinde muß es sich daher einmal zur Aufgabe machen, diesem Unwesen indirett entgegen zu arbeiten. Das kann nur dadurch geschehen, daß erstens die Stätten der drei Haupffynagogen zum öffentlichen Verkauf gestellt werden, und was nicht verkauft ist, muß für jeden Besucher offen sein; zweitens müssen wenigstens noch drei Synagogen gebaut werden, bei denen dasselbe Verfahren beobachtet wird. Einer so großen Gemeinde wie der Berliner muß das möglich sein. Berlin, 16. Sept. (Privatmitth.) •pnan1«« ttbi ^-rurr-, b? ban Am 14. d. M. Abends starb plötzlich an einem Schlaganfalle Herr Herrmann Lachmann, ein hochgeschätzter Mitbürger unserer Stadt und ein hervorragendes Mttglied unserer Gemeinde. In weitesten Kreisen ist er als der älteste und angesehenste Lieferant der preußischen Armee bekannt, und verstand er es, seine Firma aus kleinen Anfängen heraus auf die höchste Stufe zu erheben. In seiner Eigenschaft als Kaufmann ersten Ranges zeichnete er sich auch durch treues Festhalten an den Sitten und Gebräuchen des traditionellen Judenthums vortheilhaft aus und widmete seine Thätigkeit mit allem Eifer der Förderung jüdischer religiöser Institute. Im Stillen wohlthätig mied er es ängstlich vor der Oeffentlichkeit mit seinen Liebeswerken zu prunken! Bor einigen Jahren setzte er ein Legat von 10,000 Thlrn. zur Ausstattung armer Bräute fest. In letzterer Zeit trug er sich mit dem Gedanken eine bedeutende Stiftung zu einem edlen Zwecke zu gründen, an dessen Ausführung ihn leider ein jäher unerwarteter Tod verhinderte. So ist er denn zu früh verschieden, dieser wahrhaft fromme und edle Mann, und berechtigt ist die Trauer, welche die engeren und weiteren Kreise über seinen Verlust erfüllt. Sanft ruhe seine Asche! AuS der Provinz Posen, im Sept. (Privatmitth.» Unsere Bermuthung, daß eine Zusammenstellung derjenigen Ersatzmannschaften, welche zur Einstellung bei der Armee gelangen und ohne Schulbildung vorgefunden werden, nach den Eonfessionen in hohem Grade zu Gunsten der Juden sich Herausstellen würde, findet in der Mittheilung der Regierung von Bromberg vom 17. August e. im amtlichen Schulblatte für die Provinz Posen Nr. 18 d. I. seine volle Bestätigung. Es heißt darin wörtlich: Aus den uns vom Königlichen General-Commando zu Berlin übersandten Uebersichten derjenigen Ersatzmannschaften pro 1869/70, welche bis zum 1. April e. bei den Truppentheilen des 2. Armeecorps zur Einstellung gelangt und ohne Schulbildung vorgefunden sind, ergiebt sich Folgendes: Es sind im Ganzen 208 Ersatzmänner ohne alle Schulbildung vorgefunden worden und zwar: 1) katholische Ersatzmänner 184 2) evangel. - 23 3) nicht bestimmt angegeben 1 Summa: 208 Der Ersatz für den Jahrgang 1869/70 hatte 221 solcher ohne Schulbildung befundenen Ersatzmänner ergeben, nämlich 195 katholische, 25 evangelische und 1 jüdischen Ersatzmann. Sicher würde eine Zusammenstellung derjenigen, welche sich zum einjährigen Dienste beim Heere melden, nach den Eonfessionen ebenso zu Gunsten der Juden ausfallen, da die höheren Anstalten verhältnißmäßig am meisten von diesen frequentirt sind. V .... r. Oesterreichischungarische Monarchie. Pest, 11. September. (Privatmitth.) Gestern am Sabbath Parschath «sn hielt der neugewählte Prediger, Herr Dr. Kayserling, in unserem prachtvollen Cultustempel, welcher in allen seinen Räumen mit Andächttgen, Vertretern der verschiedenen anderen

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