Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 39 (27.9.1870)
- Date
- 1870-09-27
- Page
- Seite 761 (sequence 5)
- Language
- German
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761 vier bilden den Gegenstand aller Erzählungen dieser 6 Capp., und unter ihnen wieder vorzugsweise Daniel. Diese also sollten im jüdischen Wißen unterrichtet und kenntnißreich sein, nun aber im Schriftthum und der Sprache der Chaldäer sorgfältig unterrichtet werden. Man erkennt hierin leicht die allgemeinen Bedingungen, welche stets einer Wirksamkeit des jüdischen Geistes auf die geistigen Kreise, aus die Anschauung und Ueberzeugung der anderen Völker gestellt sein muffen. Die dazu tauglichen Männer müssen selbst vom jüdischen Geiste beseelt und mit geuauer Kenntniß des Judenthums versehen fein; sie dürfen sich aber hierin nicht abschließen, sondern die Sprache, Literatur und Wiffenschaft der anderen Völker sich aneignen. Es ist demnach hier ganz concret das angegeben, was wir oben allgemein bezeichneten, daß die Juden zu dem angegebenen Zwecke vom Judenthume erfüllt sein und zugleich dem allgemeinen Culturleben sich genähert haben müffen. Wir haben also an dieser Stelle vom Anfang an einen Fingerzeig für die Tendenz des Buches, wie man ihn deutlicher nicht verlangen kann. — Das 1. Cap. erzählt nun weiter, wie diese Jünglinge von den Speisen und dem Weine des Königs nicht genießen, also dem jüdischen Speisegesetze getreu bleiben wollten, daß ihr Vorgesetzter dies nicht gestatten wollte, weil, wenn sie nur „Krauter äßen und Wasier tränken," sie elend werden und ihm dadurch von Seiten des Herrschers Strafe zuziehen würden. Daniel erbat, einen Versuch wahrend zehn Tage mit ihnen zu machen. „Nach Verlauf der zehn Tage erschien ihr Aussehen bester und voller an Fleisch als aller Knaben, welche die Speise des Königs aßen," worauf der Vorsteher ihnen die gewünschte Ernährungsweise weiter verstattete. Man nimmt gewöhnlich an, daß diese Erzählung den Zweck habe, die Juden selbst zur Beobachtung der Speisegesetze anzufeuern, indem ihnen so gezeigt werde, daß sie keine körperliche Beschädigung dadurch zu fürchten hätten. Mag sein. Aber naher und in genauerem Zusammenhänge liegt es, daß hiermit gerade am Anfang darauf hingedeutet werden sollte, daß die besonderen Sitten und specifischen Gesetze des Judenthums durchaus nicht dem Verkehre mit den anderen Völkern, der Aufnahme der fremden Wiffenschaft und der geistigen Einwirkung auf jene im Wege stehe. Es sollte gewiffermaßen der Unterschied zwischen diesem Gesetze und der jüdischen Gotteslehre gemacht, jenes als nur für die Juden verbindlich, diese auch für alle Nationen geeignet aufgestellt werden. Denn es reiht sich an diese Erzählung sofort, wie diese Jünglinge an „Wisten und Verständniß in allem Schriftthum und Weisheit der Chaldäer" große Fortschritte machten, der König sie darin als die vorzüglichsten befand und sie in seinem Dienste anstellte, wo sie sich weit vor den chaldäischen Männern auszeichneten. Sie hatten sich also eine vorzügliche Bildung erworben und eine hervorragende Stellung gewonnen. Die Bedingungen bedeutender geistiger Wirksamkeit vom jüdischen Standpuncte aus auf die babylonische Welt waren erfüllt. Bemerken wollen wir nur noch, daß man sich diese vier Männer überhaupt als die geistigen Vertreter ihrer Nation zu denken hat. Nicht die jüdische Maste an sich, sondern die von dieser getragene geistige Elite der Nation hat an einer solchen Aufgabe zu arbeiten. Diese Elite wird von den genannten vier Männern vertreten. Die Bahn war ihnen eröffnet; sehen wir, wie sie auf derselben sortschreiten. (Fortsetzung folgt.) „Offener Srief an Fritz Venter." Wir haben heute das Vergnügen, unsere Leser auf eine junge Kraft aufmerksam zu machen, die nach dem ex unxue leonem Tüchtiges verheißt. „Offener Brief an Herrn Dr. Fritz Reuter von Fr. Wachtel. Zum Besten der Hinterbliebener) deutscher Krieger'. Mindestpreis 2'/i Sgr. Leipzig, Oskar Leiner. 1870," ist der Titel einer kleinen soeben erschienenen Broschüre, deren Verfaffer zu Eisenach lebt, wo jetzt auch Fritz Reuter sich aufhält. Kommen wir zur Sache. Der Judenhaß zieht seine Nahrung aus Allem, was geschieht und was er gewahrt. Auch die Feindseligkeit, die jüngst gerechter Weise in den Deutschen gegen die Franzosen wieder erwacht ist, muß ihm in Geistern, in welchen er einmal vorhanden und tief eingewurzelt ist, zur Nahrungsquelle dienen. Herr Fritz Reuter ist bekanntlich ein ausgezeichneter Genremaler im Mecklenburger Dialect und Mecklenburger Gestalten. Er ist ein geborener Mecklenburger und als solcher geboren zu Vorurtheil und Antipathie gegen die Juden. Auch ist bekanntlich die Mecklenburger Art nicht von der feinsten Sorte, und kommt nun hinzu, daß ein Individuum dieser Art sich einem Laster ergiebt, das nicht gerade zur