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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-09-27 · Heft 39 (27.9.1870) · p. Seite 758

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 39 (27.9.1870)
Date
1870-09-27
Page
Seite 758 (sequence 2)
Language
German
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758 den gesehen, was der Fleiß und die Sparsamkeit während vieler Jahre gesammelt, und sind sehr ungewiß, wie sich die Folgezeit für sie gestalten werde! Und versetzen wir uns erst nach dem französischen Lande; denken wir uns die zahlreichen Glaubensgenoffen jener Landschaften und Städte bei dem diesmaligen Beginn unserer religiösen Feste; versetzen wir uns im Geiste nach den Synagogen von Straßburg, Metz und Paris — wie können Worte die Bedrängniß, das Elend, die Noch, die Beängstigung schildern, welche unsre Glaubensgenoffen in ihre Tempel, falls sie diese überhaupt betreten können, begleiten müssen! Fürwahr, einen Augenblick möchte man zweifeln, ob unter solchen Stürmen das Menschenherz sich zu sammeln vermöge, ein Fest, sei es auch ein religiöses, sei es des ernsten Inhalts, wie unser Neujahrs- und Verföhnungs-Fest ist, begehen zu können! Aber hierin bewährt sich gerade der unendliche Segen, der in den heiligen Vorschriften einer positiven Religion enthalten ist, den eine uralte geheiligte Gewöhnung, ein als unverletzlich gehaltener, unter allen Umständen auszuübender religiöser Brauch in sich schließt. Kein Jude wird zweifeln, daß er, so weit es nur die Umstände ihm gestatten, das Fest feiern müsse. Selbst unseren Brüdern und Söhnen unter den Waffen wird das Herz höher schlagen, werden Gedanken und Gefühle der Weihe durch die Seele zittern, wenn sie an diesen Tagen des Festes gedenken, und wie sie es von Kindheit an begangen haben. Sie werden sich trösten damit, daß die Ihrigen in der Heimath es für sie mit begehen, für sie gerade die heißesten Gebete zum Throne des Allweisen und Allbarmherzigen hinaufsenden werden. Ach, sie hören statt des Schosars die dröhnenden Klänge der Kriegsdrommete — aber es ist doch ein heiliger Kampf für das Vaterland, zu dem sie pufgerufen werden. Sie bedürfen des Anblicks des Sterbehemdes nicht, um an die Vergänglichkeit, an die Unzuverlässigkeit des Menschen und alles Menschlichen erinnert zu werden, denn der Tod geht sichtbar unter ihnen einher und nimmt seine Beute vor ihren Augen an sich. Statt der Palme am Laubhüttenfeste müffen sie blitzende Schwerter schwingen — aber sie thun dies ja nur, um die Palme des Friedens zu erringen und die Palme des Sieges nach der geretteten Heimath zu tragen. Und an jenen Schreckens stätten, wo eine Versammlung der Gläubigen nicht möglich, auch da wird das Bewußtsein des Festes in die krampfhaft geschloffenen Herzen einziehen, und sie werden denken, heute wird uns die Gnade des Herrn werden, sein Schatten uns zur Rechten stehn, sein Flügel uns decken, heute wird sich die furchtbare Zeit wenden und eine bessere wieder kommen! Uns Alle aber wird es um so mehr zu den heiligen Stätten drängen, und was wir auch empfinden, sind erst die heiligen Klänge der Gebete in unser Ohr gezogen, von unseren Lippen geflossen, so wird sich die Seele bald losreißen und zur Höhe erheben und vor ihrem Gotte ausgießen, was sie bedrängt, was sie erfüllt. Und was soll ich Euch nun, theure Leser, zu diesem Neujahrsfeste aus sprechen? Es ist mit wenigen Worten zu sagen, und doch mit allen Worten der Welt nicht zu Ende zu sagen. Frieden wünsche ich, Frieden und nichts Anderes — Frieden über die ganze Welt, Frieden über ganz Israel, Frieden über das theure Vaterland, Frieden über jede Familie, Frieden über jedes kämpfende und zagende Menschenkind! Friede ist der Anfang und das Ende. Und das Wort Friede umschließt so unsägliches Heil, daß ich nichts sagen kann, als — Friede! Die erste Hälfte -es Luches Daniel. ii. ii. Die Einwirkungen deö Iudenthumö. Die bei Weitem längste Zeit seines Daseins hat der israelitische Stamm sich in religiöser Beziehung auf sich selbst zurückgezogen gehalten. Indem seine Religionslehre von Beginn an sich aus einen nationalen Boden gestellt, oder vielmehr eine und zwar diese Nation zu ihrem Gefäße erhalten hatte, war ihr die Bestimmung, auch auf andere Völker überzugehen, von Anfang an nicht ausgeprägt worden. Wir sagen, diese Nation, weil eben der israelitische Stamm seinem Ursprung, seinem Charakter und seiner Stellung nach sich nicht zu einem nach Außen gehenden, erobernden eignete. Würde er anders gewesen sein, so mochten seine ersten Führer es immerhin nicht wollen, mit der Zeit hätte er seine Grenzen doch überschritten. Man würde fasch urtheilen, wenn man deshalb dem inneren Lehrinhalt des Judenthums die Universalität, d. h. die allgemein menschliche Wahrheit absprechen wollte. Die Thatsache, daß aus ihm für Abend- und Morgenland hervorgegangen ist,

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