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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-09-20 · Heft 38 (20.9.1870) · p. Seite 748

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 38 (20.9.1870)
Date
1870-09-20
Page
Seite 748 (sequence 12)
Language
German
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748 thungen sowie auf deren Resultate aufrecht erhalten werde. Ofen, 18. Juni 1870. Das Ministerium für Cultus und Unterricht. Die Sitzungen des orthodoxen Congresses — im ganzen 6 — sind bereits zu Ende. Es ist jetzt nicht die Zeit, in eine Kritik dieses und besonders des von der Presse als überaus freisinnig gepriesenen Schulstatutes, das sich für Durchführung der confessionslosen Simultanschule erklärte, einzugehen, da die großen Tagesereignisse solchen Besprechungen weder Muße noch Aufmerksamkeit schenken. Zeit wäre es aber endlich zum Frieden und zur Ruhe zurückzukehren! Am besten man läßt die Sache auf sich beruhen, um mit vereinten Kräften an der endlichen Lösung der Frage der Religionsfreiheit zu arbeiten. Nur die Freiheit bringt den Frieden! Graz (Stehermark), 31. August. lPrivatmitth.) Im hiesigen „Tageblatt veröffentlicht Herr Dr. G. Wolf aus Wien „GrazerStatistik", aus welcher wir folgende Stelle herausheben: „In der Rubrik: „Nach der Religion" erkennt man Neuösterreich. Es befinden sich hier Freichristliche, Freidenker, Confessionslose. Insbesondere möchten wir jedoch die Zahl der Israeliten, 566, hervorhcben. Bekanntlich waren im Mittelalter zahlreiche jüdische Gemeinden in Stehermark. Unter Kaiser Maximilian wurden sie im Jahre 1496 vertrieben, wie cs heißt, weil sie Christenkinder getödtet re. Dafür jedoch erhielt der Kaiser 36,000 fl. von den Ständen. Es braucht heute nicht weitläufig auseinandergesetzt zu werden, aus welchem Grunde derartige Ausweisungen erfolgten, und welcher Werth den vorgebrachten Be-, schuldigungen beizumesscn ist. Der Glaubensfanatismus war wohl mit eine Ursache, aber nicht immer die Hauptursache. Diese war zumeist um auf leichte Weise sich zu bereichern und weil man sich der Hoffnung hingab, Handel und Wandel würden sich zu Gunsten der Christen bester gestalten, wenn die Concurrenz der Juden, die fast ausschließlich auf den Handel angewiesen waren, aufhörcn würde. Die Nationalökonomie befand sich damals in primitivem Zustande und man hielt jede Concurrenz für schädlich. Wir haben nachgewiesen, daß sowohl in Wien nach der Vertreibung der Juden im Jahre 1670, sowie in Böhmen nach der Vertreibung im Jahre 1744 <vergl. unsere „Juden in der Leopoldstadt" und die Vertreibung der Juden aus Böhmen 1744) förmlich darum petirt wurde, die Juden wieder nach Wien, respective nach Prag kommen zu lassen. Das Ausweisungsdecret der Juden aus Stehermark gibt übrigens am besten den Beweis, daß die Beschuldigungen, deren die Juden angeklagt werden, nur eitle Vorwände sind; wäre dies nicht der Fall, so hätten wohl nicht die Stände für die Austreibung 36,000 fl. zahlen müssen. Doch es bedarf heute all dieser Auseinandersetzungen nicht. Trotz aller Gegenbestrebungen gewinnt das Reich der Humanität immer mehr Boden. Die Religion wird das, was sie sein soll, Sache des Herzens, die jeder mit sich selbst in's Klare zu bringen hat. Nach Außen hin aber gilt cs Mensch zu sein." Frankreich. London, 22. August. (Privatmitth.) Sie werden sich wundern, von hier aus statt von Paris einen Brief von mir zu erhalten. Er hätte allerdings ebenso gut von Brüssel, Amsterdam, Genf oder Basel datirt sein können. Denn es kam nur darauf an, wohin auf meiner Flucht mich zu wenden ich für das Beste gefunden hätte. Wohin ich aber auch gegangen wäre, meine Gedanken würden immer noch in jener unglücklichen Stadt geweilt haben, in der sich jetzt ein so trauriges Stück Geschichte abspielt. Ich bin also geflohen, könnte aber ebenso gut sagen, ich bin vertrieben. Letzteres bewirkte die Vorschrift der Polizei, Ersteres die wüste Gewalt des Pöbels, des oberen, mittleren und unteren Pöbels. Was deutsch ist, sein Deutschthum bewahrt hat und bewahren will, das muß aus Paris hinaus, und mag es Jahrzehende schon sich daselbst heimisch gemacht haben. Ich brauche nicht zu bemerken, daß, was ich hier von Paris sage, vom ganzen Frankreich gilt. Darunter leiden nun auch viele Juden. Denn gerade deutsche Juden waren sehr zahlreich in Paris, und man kann es ihnen zur Ehre nachsagen, sie haben mit geringer Ausnahme ihr Deutschthum hoch gehalten. Viele meiner Bekannten waren vorsichtiger als ich, und haben schon vor Wochen den immer ungastlicher werdenden Boden zur rechten Zeit verlassen. Sie hatten deshalb Zeit, über ihre Habe zu verfügen, und was sich nicht mitnehmen läßt, unter angemessenen Schutz zu bringen. Mir ward es nicht so gut und ich werde mein Vertrauen, daß die

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