Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 38 (20.9.1870)
- Date
- 1870-09-20
- Page
- Seite 747 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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747 cismus identischen Polen unterstützt werden müsse. Andrerseits fiel der Antrag K's. durch und der Landtag blieb bei dem Adreßentwurf der Commission. Wir wollen jedoch aufrichtig sein, und die Phrase des Herrn Zyblikiewicz, daß im Reichstage der Judaismus durch die getauften Juden vorherrsche, nicht als auf Klaczko und Consorten gemünzt deuten, sondern auf die Christen, die zwar getauft, aber nach dem Sinne des edlen Polen doch Juden seien. Er wollte nämlich nichts Anderes sagen, als was die Ultramontanen so häufig sagen, der gesammte Liberalismus, die moderne Gesetzgebung, der Geist der Wissenschaft und Entwickelung seien Judaismus. Ich glaube nicht, daß wir Juden hiergegen protestiren sollen und wollen. — Merkwürdig bleibt es jedoch, daß in der jüngsten Zeit so oft getaufte Juden zu Stützen des Feudalismus, der Reaction, des Pietismus und Ultramontanismus geworden sind. Disraeli in England, Stahl in Preußen, und wie viele kleinere Geister in der ultramontanen Gilde, wie in Frankreich die Baucr's, Ratisbonne's, Lehmanns u. dgl., zu welchen letzteren wir nun den Herrn Julian Klaczko auch hinzufügcn wollen. Wie«, 6. Scpt. (Privatm.) Der in der vorausgehenden Mittheilung besprochene Hofrath Klaczko, der Vertreter des Ultramontanismus und des Franzosenthums im galizischen Landtage, hat nach seiner Rede am 31. Aug. bei seiner Ankunft Hierselbst seine Demission eingereicht und erhalten. Man kann sich denken, daß dies nicht ganz aus freiem Willen geschehen. Seine Par teifreunde werden schon für ihn sorgen. Pest, 8. September. (Privatmitth.) Soeben langte Herr Rabbiner Di-. Kayserling nebst Familie hier an. Eine zahlreiche Deputation, bestehend aus den angesehensten Männern der Pester Gemeinde, eilte dem sehnsuchtsvoll erwarteten neuen Seelsorger nach Waitzen — einer vier Meilen von hier entfernten Stadt — entgegen, wo sie gleichfalls den Dampfer bestieg, auf welchem Dr. K. die Reise von Wien hierher machte, und nachdem sie denselben daselbst im Namen der Gemeinde herzlichst begrüßt hatte, bis hierher geleitete. Eine zweite, eben so glänzende Deputation empfing den verehrten Herrn Doctor in seiner Wohnung und harrt Alles mit der größten Spannung seiner am nächsten Samstage abzuhaltenden Anrrittspredigt entgegen. Me Welt ist hier darüber einig, daß Herr Dr. Kayserling, vermöge seiner Gelehrsamkeit und Beredsamkeit im Vereine mit seinem würdigen Collegen im Amte, Herrn Dr. Kohn, aus die hies. Gemeinde in der gedeihlichsten Weise geistig einwirken wird. Ter Boden ist da wahrlich ein sehr fruchtbarer; uud die durch geschickte Hand ausgestreute edle Saat wird sicherlich nicht verfehlen, alsbald in üppige Halme zu schießen und zur segensreichen Ernte heran zu reifen. In dieser Ueberzeugung rufen nicht nur wir Pester, sondern alle bessergesinnten Israeliten Ungarns dem Herrn Dr. Kayserling aus vollem Herzen entgegen: nrivr -p-ia! F. Aus Ungarn, 28. August. (Privatmitth.) Dieses Bl. brachte in dir. 34 einen kurzen Bericht über den sogenannten Congreß der Schomre-hadath-Partei. Zur Vervollständigung und bessern Beurtheilung gebe ich Ihnen den folgenden Ministerial - Erlaß , der der Einberufung der genannten Versammlung vorausgegangen. Z. 11816. An die Commune der k. Freistadt in Pest. Auf das Gesuch des ungarischen jüdischen Vereins „Hitör", in welchem derselbe um die Bewilligung zur Abhaltung einer Behufs autonomer Bildung einer orthodox isr. Religionsgenossenschaft nöthigen und zu diesem Zwecke im Juni d. I. einzuberusenden constituirendcn allgemeinen Versammlung bittet, übersende ich hiermit zur Verständigung des Vereins der Stadtcommune folgenden Bescheid: Der bittstellende Verein als solcher kann im Sinne seiner am 18. März 1868 snb Z. 1406 genehmigten Statuten zur Einberufung und Abhaltung der verlangten constituirenden allgemeinen Versammlung nicht als berechtigt angesehen werden. Nichts destoweniger, da die Bürger dieses Landes nicht verhindert werden können, über die sie betreffenden Angelegenheiten, selbst wenn diese kirchliche Fragen berühren sollten, Berathungen zu pflegen — so habe ich Nichts dagegen, wenn die Bittsteller als Individuen mit ihren Glaubensgenossen über den von ihnen bezeichnten Zweck innerhalb der Schranken des Gesetzes und der gesetzlichen Ordnung berathen; bemerke jedoch, daß ich diese Zusammenkunft als eine rein private Zusammenkunft ansehe und wünsche, daß das Oberaufsichtsrecht der Staatsregierung in Hinsicht auf den Gang der Bera- 38*