Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 38 (20.9.1870)
- Date
- 1870-09-20
- Page
- Seite 744 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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744 von Rabbiner Dr. M. Kayserling." Dieses Heft enthält Biographie und Proben von Herxheimer, Benedikt Levi (Gießen) und den Anfang von L. Philippson. Die Beilage bringt den Anfang einer Abhandlung von M. Steinschneider über „arabische Predigten" und Anderes. — Wir erhielten ferner an Broschüren: „Das Heer- und Wehrgesetz der alten Israeliten im Vergleiche zu den in Ungarn-Oesterreich bestehenden diesfälligen Bestimmungen. Bon Samuel Spitzer, Oberrabbiner zu Effegg. Pest, I. Neuer, 1560." Ein sehr wackeres Schriftchen, das mit Sachkenntniß und Umsicht in 3 Abschnitten von der Dienstpflicht, von der Organisation des israelitischen Heeres und Heerdienstes und „wer ist vom Dienste befreit?" handelt und in jedem Paragraphen einen vergleichenden Blick aus das österreichischungarische Wehrgesetz wirft. Der Vers, arbeitet überall nach den Quellen, und hat durchaus nicht die Absicht zu apologisiren, sondern was er ausspricht, erhärtet er durch Ausweis. Wir hatten daher nur eine Bemerkung zu machen, zu welcher uns freilich nicht unser achtungswerther Autor allein, sondern längst eine Reihe jüdischer Schriftsteller Veranlassung gab, nämlich daß sie mit Eifer die Schriften christlicher Gelehrten benutzen und citiren, hingegen die Arbeiten neuerer jüdischer Gelehrten gänzlich ignoriren. Und dabei beklagen sich die jüdischen Literaten, daß man sie von christlicher Seite unbeachtet lasse'. Unser Vers, wäre gewiß, noch zu mancher Erörterung bewogen gewesen, wenn er z. B. Saalschütz, Mosaisches Recht, Mayer, die Rechte der Israeliten, Athener und Römer u. A. eingesehen hatte. — Von demselben Verfasser „Ruth im Kampfe mit Moab, Rede, gehalten am 1. Tage des Wochenfestes 5630 5. Juni 1870 von Sam. Spitzer. Effek, Juni 1870, I. Frank." In geistreicher Weise wird der Kampf Ruth's mit dem Kampfe des jüdischen Volkes verglichen, und dieser Gedanke in charakteristischer und schwungvoller Weise durchgeführt. — „Organisationsstatut für die autonome jüdisch-orthodoxe Religionsgenoffenschaft Ungarns und Siebenbürgens. <Nebst einigen Vorbemerkungen) Pest, 1870." Wir haben über dieses Statut bereits ausführlich referirt. — Jeitungsnachrichte«. Deutschland. Berlin, 9. Sept. (Privatmitth.) Wenn man die vom „Staatsanzeiger" gebrachten Verlustlisten der preußischen Armee durchgeht, so trifft man, wie es sich von selbst versteht, auch auf viele specifisch jüdische Namen, so weit man diese eben herauserkennen kann. Die Cohns und Levys, in der Mannigfaltigkeit ihrer Schreibart, die Nathans, Davids, die Berge, Thäler, Bäume, Steine, Blätter :c. mit den verschiedenen Blumen davor u. s. w. haben ihr Contingent zu den Todten, schwer und leicht Verwundeten gestellt, und Namen wie Aaronheim, Bamberger u. dgl. lassen ihre Abstammung vermuthen. Freilich kann man hierbei die Listen der Ossiciere übersehen, denn mit sehr geringen Ausnahmen ist es jüdischen Männern und Jünglingen immer noch benommen, ihre Fähigkeit und Tapferkeit anders als in den Reihen höchstens der Unterofficiere in den preußischen Heeren zu erweisen. In den anderen deutschen Armeen gilt dasselbe, und nur Oesterreich macht hiervon eine rühmliche Ausnahme, und zwar seit längerer Zeit. — Nach den öffentlichen Blättern hatte das Landrabbinat von Hannover bei dem Cultusminister die Anstellung einiger jüdischer Feldprediger beim Heere beantragt; Herr v. Mühler hat bedauernd abgelehnt, weil die verhältnißmäßig kleine Zahl jüdischer Soldaten und ihre Zerstreuung unter alle Truppen eine etatsmäßige Regelung der jüdischen Militärseelsorge unausführbar mache. Der Landrabbiner von Hannover hätte sich dieses Gesuch sparen können, welches übrigens wohl an den Bundeskanzler hätte gerichtet sein müssen, als eine Angelegenheit des Norddeutschen Bundes und dessen Heere betreffend. Im Uebrigen ist das Motiv des Herrn v. Mühler immerhin ein begründetes. Im norddeutschen Bunde ist der 100. Mensch ein Jude, und es kämen also numerisch auf eine halbe Million norddeutsche Soldaten 5VVV Juden, die in allen möglichen Corps vertheilt sind. Wollte man der an sich wohl zu beachtenden Angelegenheit eine Grundlage geben, welche von Eindruck sein könnte, so müßte man irgend einen Truppentheil ausfindig machen, in welchem durch Localität und Umstände sich gerade eine größere Zahl von Juden befindet, z. B. in einem