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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-09-20 · Heft 38 (20.9.1870) · p. Seite 741

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 38 (20.9.1870)
Date
1870-09-20
Page
Seite 741 (sequence 5)
Language
German
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741 dem auch Kinder geopfert wurden, der Mond als Mylitta, das werbliche Princip vertretend (mit dem berüchtigten Frauendienste), dann die fünf Planeten, die das Alterthum kannte, als Gad, Meni, Nebu, Merodach und Nergal. Farbe und Stellung derselben ertheilten Aufschlüsse über den zukünftigen Gang der Ereignisse. Hieraus entwickelte sich die Astronomie, welche den Babyloniern Bedeutendes zu verdanken hat. Jndeß wanderte in Babylonien auch die Religion der Magier (Feueranbeter) ein, und duldete theils jene zabische neben sich, theils verschmolzen beide zu einem eigenthümlichen Ganzen. In Babylon war Alles Luxus. Der Kunstfleiß der Bewohner hatte vorzugsweise diesen zu seinem Gegenstände. Die Kunstwebereien der Babylonier in Leinen, Wolle, Baumwolle und Seide, namentlich ihre Teppiche und ihre Färbereien übertrafen alle derartigen anderweitigen Erzeugnisie. Sculptur und Malerei, Metallarbeiten, Schnitzerei in Elfenbein und feinsten Hölzern wurden überaus gepflegt, und wenn die höhere Kunst auch noch nicht an die spatere hellenische reichte, so hatte sie sich doch bereits von den Fesieln der ägyptischen Steifheit und Pedanterie frei gemacht. Ein äußerst lebhafter Handel führte die Producte der Babylonier über alle Theile der damaligen Welt, häufte aber auch die Erzeugnisse aller Länder innerhalb der Mauern dieser Stadt auf. Dafür herrschte aber auch in Babylon ein Luxus, eine Weichlichkeit und eine sittliche Entartung, ja ein Sitterverderbniß, wie sie sich in diesem Umfange an einem anderen Platze des Alterthums nicht wiederholt haben. Besonders war die Sittenlosigkeit des weiblichen Geschlechtes zu einer Stufe der raffinirten Zügellosigkeit gediehen, welche die Propheten genügend andeuten, besonders aber im Curtius (5, 1) eine Schilderung erfährt, deren Wiedergabe unmöglich ist, welche jedoch ihre Abspiegelung in manchen Zügen hat, die aus der großen Seinestadt bekannt sind. Der Satrap von Babylon Nabopolassar hatte im Verein mit dem medischen Könige Cyaxares 623 Niniveh erobert, und theilte sich mit diesem in die assyrischen Lande. Babylonien und die Länder diesseits des Euphrat fielen Nabopolassar zu. Sein Sohn Nebuchadnezar unterwarf Judäa, Arabien, Susiana, Tyrus und soll selbst in Aegypten eingefallen sein. Ihm folgte 56l sein Sohn Ewilmerodach, den jedoch sein Schwager Neriglissar 'chon nach zwei Jahren vom Throne stieß und ermordete. Dieser letztere war ein kriegerischer Fürst, der Hyrkanien unterwarf und Baktrien angriff. Man sieht, daß das babylonische Reich ein umfangreiches und mächtiges war, aber kein Weltreich, wenn es auch danach strebte. Denn am Tigris fand es seine Grenze, weil jenseits desselben ihm das mächtige Medien entgegen trat. Zum Unglück für Babylon war gerade jetzt diese medische Macht in die Hände eines neuen, noch kräftigen Stammes und dessen Fürsten, Cyrus, übergegangen. Allerdings war Cyrus mit seinen Persern noch entfernt davon, die nominelle Herschaft in Medien zu besitzen; vielmehr war er dem medischen Könige Cyaxares II., dem Sohne des Astyages, coordinirt. Als nun Neriglissar das östliche Baktrien, also jenseits des Tigris, in Besitz nehmen wollte, rüstete sich Medien, und Cyrus begann den Krieg. Cyrus trug diesen schnell in das babylonische Reich hinüber, besiegte den chaldäifchen König, uno jagte ihn in seine Berschanzungen zurück, wobei dieser siel. In der folgenden Nacht verließen die Babylonier ihr Lager, Cyrus aber holte sie wieder ein und richtete eine große Niederlage unter ihnen an (555). Den babylonischen Thron bestieg Neriglissar's Sohn, Laborosoarchod, noch ein Knabe. Dieser konnte solchen stürmischen Zeiten nicht gewachsen sein, es kam zu einem Aufstande, in welchem der Knabe getödtet wurde. Auf den Thron gelangte Nabonid, den die Bibel Belsazar nennt, nach dieser ein Sohn Nebuchadnezars, nach Berosus und Megasthenes gar nicht von fürstlichem Geblüte, sondern ein Mann von babylonischer Abkunft. — Cyrus hatte das Werk der Eroberung nicht vollenden können, da er von seinem Mitregenten aus Eifersucht behindert wurde und unterdeß andere Kriege zu führen hatte. Fast zwölf Jahre blieb Babylon verschont, Cyrus hatte aber unterdeß die sämmtlichen Nebenländer Babylons unterworfen. Als er den unmittelbaren Krieg wieder anhob, zog sich Belsazar hinter gute Bollwerke zurück. Der unermüdliche Cyrus jedoch drängte die Babylonier von einem Bollwerk zum anderen zurück, brachte ihnen überall ^Niederlagen bei, und zwang die Neste ihres Heeres, sich hinter die hohen und starken Mauern ihrer Hauptstadt zu werfen. Wie wir schon bemerkt, deutet den raschen Vorgang der Waffen des Cyrus das Buch des 2. Jesaias aufs Lebhafteste an. Cyrus ist der unaufhörlich fortschreitende Sieger, welchen Gott vom Anfang her erweckt hat, dem Sieg begegnet auf jedem Schritt, der Völker vor sich niederwirft und sicher zieht den Pfad hin (41, 2 ff.). Aber die Chaldäer und ihre Verbündeten sind noch voller

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