Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 37 (13.9.1870)
- Date
- 1870-09-13
- Page
- Seite 734 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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734 Stillstand beginnt er von feuern, und wenn er rastet, wehen kalte, schaurige Winde. Der Boden verwandelt sich in Schlamm, die Nächte sind rauh, die Morgen kühl. Welche Beschwerden, welche Mühsale, welche Gefahren! Nicht ihr Heldenmuth allein, ihre Todesverachtung wird gefordert, mehr noch das Aufgebot aller ihrer Kräfte, nicht zu verzagen, wo Alles sie niederdrückt, nicht zu erliegen, wo Unerträgliches ihnen aufgebürdet wird. Die Gefahren bedrohen sie nicht allein aus den furchtbaren Geschossen der Feinde, sondern lauern auf sie auch aus den Schleusen des Himmels, auch aus dem morastigen Boden der Erde.... Herr, hier kannst nur du helfen'. Aller Fürsten und Feldherren Gewalt, aller Heere und Völker Macht hält nicht einen Tropfen in der Wolke, nicht einen Hauch in der Luft zurück — nur deine Hand streut die wärmenden Sonnenstrahlen aus und sendet die linden Wellen der Luft einher. O so flehen wir dich demüthig an. Unser Herz ist so schwer und beängstigt; weitab von uns, fern, wir können sie nicht erreichen, weilen unsere Theuren, o jene Hunderttausende der Unsern, sie sind alle die Unsrigen, wir haben selten, oft keine Nachricht, aber der Wind braust und der Regen rauscht und der Himmel ist grau, und nach Gewölk steigt abermals Gewölk herauf, und scheint einen Augenblick, eine kurze Weile die Sonne, ist es nur, um das nahende Dunkel von Westen nur desto greller zu beleuchten — o Herr, ändere es bald, laß den Himmel sich klären, verscheuche die Wolken, mildere die Schauer der Luft — du bist der Herr des Weltalls, der allmächtige Gebieter alles Daseins, wir erkennen es an, wir beugen das Knie, wir beugen das Haupt vor dirWas ist die Kraft und das Vermögen und der Wille und der Trutz des Menschen vor dir? Du kannst dies Alles knicken wie Rohr, zerbrechen wie dürren Stab. So wende dies Ungemach von unsern Kriegern; sei ihnen freundlich; sende ihnen Erleichterung in ihrem schweren Werke! Nicht wir haben dies gewollt, nicht wir es geschmiedet, nicht wir es leichtfertig heraufbeschworen — unsere Söhne sind hinausgezogen, um das Vaterland zu vertheidigen, um ihre Eltern und Brüder und Kinder zu schützen, um der heiligen Heimath Grenzen zu wahren und die Ehre der Nation zu sichern. Dies, Herr, giebt uns Anspruch auf Deinen Schutz, ermuthigt uns, deine Gnade anzuflehen. O blicke huldvoll auf uns herab, und mindere die Unbille des Wetters, wölbe einen blauen, linden Himmel über die Häupter der Unsern, da sie des schützenden Daches entbehren, daß die Sterne funkeln auf ihre Wege des Nachts und eine milde Sonne am Tage — denn „dein ist der Tag und dein die Nacht, dein das Trockne und die weite Fluch, dein die Nacht und die Herrlichkeit^ — Amen. Ern Erbproceß in Algier. (Nach den -Xr<U. i^i.) «Schluß.) .Wir können dem Vergnügen nicht widerstehen, den Lesern noch eine der bedeutendsten Stellen des Plaidoyers des Herrn Cremieux vorzuführen: „Uebrigens ist es gar nicht die Frage, zu wißen, ob dieses Gesetz, welches das religiöse Gesetz der Juden ist, gut oder schlecht sei, es ist meine Religion, Sie müsien sie respectiren. Welch unseliges Gesetz, sagen Sie,Z>er Vater verkaufte seine Tochter! Ihre Civilisation, die sie so sehr rühmen, zwingt uns zu bezahlen, um unsere Töchter zu verheirathen. Das ist viel bester, nicht wahr, zeigt unsere Civilisation im schönsten Lichte! Wissen Sie, meine Herren, ich finde jenen völlig biblischen Antrag viel schöner und edler: „Deine Tochter ist schön, ich liebe sie leidenschaftlich, und um es zu beweisen, bezahle ich Dir ihre Jungfräulichkeit. Indem Du mir Deine Tochter giebst, beraubst Du Dich des Theuersten, was Du hast, ich gebe Dir einen schwachen Ersatz dafür." Die Civilisation meines Gegners zieht es vor, daß der Vater demjenigen Geld giebt, der um seine Tochter anhält und der eine Mitgift haben will, wenn er sie heirathet, ganz abgesehen davon, daß die Mitgift jeden Tag mit den neuen Bedürfnissen, welche die Civilisation schafft, sich vergrößert. Als ich mich verheirathete, waren fünfundzwanzig tausend Francs eine ganz hübsche Mitgift; als ich meine Tochter verheirathete, betrug die Mitgift hunderttausend Francs; wenn ich das Glück habe, meine drei Enkelinnen zu verheirathen, wird mau mir zweihunderttausend Francs für jede geben. Meine Herren, ich will Ihnen ein herrliches Gemälde, eine Heirath, wie die Bibel sie erzählt, vorführen." Hier erzählt der Redner die Werbung Jakob's um Rachel und fährt dann fort: „Giebt es etwas Lieblicheres in unseren schönsten Romanen? Jakob diente sieben Jahre, um Rachel zu erhalten, und sie erschienen ihm nur wie wenige Tage, weil er sie liebte! Freilich, die Hinterlist Labans täuschte grausam den Jakob; aber ich wiederhole es, es geht durch diese Erzählung ein Zauber, deffen man sich unmöglich erwehren kann. Ist also die Bibel so schlecht? Ich als Freidenker habe das Evangelium, habe den Koran studirt, diese Bücher der Religionen, die sich geossenbart nennen. Und überall habe ich Gesetze und Principien gefunden, die der Achtung würdig waren. Und deshalb kann mich nie etwas mehr entrüsten, als wenn ich von der Bibel sagen höre, daß sie ein barbarisches Buch ist, das verdammte Gesetze enthält. Hauptsächlich auf das Geschlecht der Frauen stützt man