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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-09-13 · Heft 37 (13.9.1870) · p. Seite 733

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 37 (13.9.1870)
Date
1870-09-13
Page
Seite 733 (sequence 17)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Zu-enthmns. Feuilleton-Leilage;u Nr. 37. Leipzig, den 13. September 1870. Gebete während des Krieges, ix. Wunden, welche die Menschen einander schlagen, in ihrem Wahne, in ihrer Leidenschaft, in ihrer blinden Wuth — Du heilest sie, denn du bist „alles Fleisches Arzt'."... Ich ging durch die Säle des Lazareths, darin Verwundete unseres und des feindlichen Heeres liegen, ich trat zu ihren Schmerzenslagern, ich sprach mit ihnen, weilte bei ihnen. Nun hat man sie gut gebettet, bringt ihnen Hülfe und Linderung, so viel man vermag, nicht des Tages, nicht in der Nacht entbehren sie der Obhut und Pflege — aber warum hat man sie denn hingeführt auf das Brachfeld, in die Verschanzungen, gegen die Besten, gab ihnen das Geschoß und das Schwert in die Hand, und machte es ihnen zur heiligsten Pflicht, auf einander loszustürzen und sich gegenseitig zu morden, zu verstümmeln, zu verwunden? Mit welchem Auge muß der Gott der Liebe gewahren, wie seine Kinder, seine vernunftbegabten Söhne, seine mit Gewissen und Religion ausgestatteten Geschöpfe so gegen einander wüthen und rasen, wie die blutgierigsten Raubthiere es nicht thun?! Doch nein! darum wollte ich nicht beten, dessen nicht vor dir gedenken, Vater — denn wenn ich dessen gedenke, überkommt mich die Scham und der Schmerz und die Menschenverachtung — und hieran würde ich selbst Schaden nehmen. Wie sie da liegen, in der Blüthe der Jugend und Kraft hingestreckt, mit schweren und leichten Wunden, voll Schmerzen, kraftlos, der eine den Tod im Innern, der andere schon im Antlitz — Andere wieder bald geheilt, der Genesung fröhlich entgegenfehend, Andere in dieser nur eine düstere Zukunft nahe erblickend, welche ihnen, den Verstümmelten, nur Entbehrung und Sorge, nur Mühsal zu verheißen hat. Ach, sie Alle zogen aus vor wenigen Wochen, in Äugeudfrische, heiter, begeistert, für das Vaterland zum Kampfe bereit — schnell war der Schnitter, sicher sein Schlag.... Und wie geduldig ertragen sie es, kein Murren, kein Widerwillen, auch kein lautes Schreien und Schmerzensrufen, Helden waren sie auf dem Kampfplatz, Helden sind sie auf dem Wunvenlager! O Gott, lindre ihre schmerzen, schließe ihre Wunden! Wen du bestimmt hast zum Scheiden, möge seines Leidens Ende schnell kommen; wen du für das Leben erhältst, umwehe ihn bald mit dem Hauche ver Heilung! Aber hältst du es gut in deiner Weisheit, daß dieser und dieser länger leiden, flöße ihnen Ausdauer und Ruhe ein, damit ihr Leid ihnen zum Heile werde und nicht allzuschwer zu ertragen! Stärke die Aerzte, die Pfleger, die Wärterinnen, die ihr kostbares Werk diesen Unglücklichen widmen, mit seltener Hingabe ihre Liebesdienste vollbringen! Bor Allem hüte dieses Haus, daß nicht böse Krankheiten darin entstehen, nicht schwere Seuche sich seinen Wänden einpflanze und neues Verderben über die Leidenden bringe! O Gott, wie ist das Herz so beschwert; wie wendet es sich hierhin und dorthin, und findet Weh und Leid — o nur nach einem Orte kann ich die Augen richten und es kommt mir Tröstung — empor zum Sitze deiner Herrlichkeit, zu dir auf, zu deinen Himmeln! Da allein ist Sicherheit und Klarheit und Festigkeit, Eines, nichts als Eines, die Liebe! Von dorten wird leise, dann starker, siegreich der Hauch des Friedens kommen und über die arme, bewegte Erde wehen, und all den Sturm der Leidenschaften beschwichtigen, und Frieden bringen — X. Gott des Schutzes! Unsere Männer und Jünglinge weilen draußen im feindlichen Lande; vorwärts marschiren sie von Flur zu Flur, von Berg zu Berg, von Fluß zu Fluß; sie ziehen von Kampf zu Kampf, und nach geschlagener Schlacht dürfen sie nicht rasten, sondern es gill den Feind verfolgen und weiter dringen zum Ziele, zum endlichen Ziele vollendeten Sieges. Kein gastliches Haus öffnet sich ihnen, keine freundliche Ruhestätte. Auf dem weiten Brachacker müssen sie ihr Nachtlager suchen, kein Dach wölbt sich über ihren Häuptern. Und nun sind die Schrecken bösen Wetters eingetreten! Regen strömt hernieder unaufhörlich, und nach kurzem

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