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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-09-13 · Heft 37 (13.9.1870) · p. Seite 725

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 37 (13.9.1870)
Date
1870-09-13
Page
Seite 725 (sequence 9)
Language
German
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725 Juden in Stcyerrnark 1499. Die Vertreibung der Juden aus Steyermark fand bekanntlich 1496 statt. Nichts destowcniger fand ich noch eine Urkunde vom I. 1499, 29. Mai, welche die Unterschrift eines Juden Vt -c-n» -12 tragt. Da und dort scheinen also noch einzelne Juden geblieben zu sein. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 2. Sept. «Privatmitth.) Der gegenwärtige Krieg bietet außer den kriegerischen Ereignissen so überaus bedeutsame kulturhistorische Momente, daß Sie mit vollem Rechte in diesem Blatte sie zu verfolgen und zu kennzeichnen sich bemühen! Leider sind dieselben zwar oft überraschend, aber zugleich enttäuschend und tief betrübend. Cs knüpfen sich aber hier und da auch leicht Bemerkungen daran, die eine mittelbare Beziehung auf unsere Verhältnisse in Vergangenheit und Zukunft haben. Wer ist nicht bewegt, erschüttert von der Austreibung der Deutschen aus Paris, aus Frankreich an sich und durch die sie begleitenden Mißhandlungen und Beraubungen! Das hat man von der französischen Nation und in unserer Zeit nicht erwartet. Entschuldbar, wenn sie ein Act der Nothwehr wäre, ist sie empörend als Act der Rache und in solcher Weise verübt. Jndeß wurden wir, als wir die sittliche Entrüstung der Kreuzzeitung über diese That der Barbarei lasen, als sie nicht Worte genug finden konnte, die Franzosen deshalb zu brandmarken, lebhaft an das Gebühren derselben Kreuzzeitung und ihrer Schleppträger in den Jahren 1849—1857 gegen die Juden erinnert, deren „Austreibung als Fremde," deren Versagung nach Palästina wegen ihrer Volks- und Landesgefährlichkeit sie nicht Worte genug fand zu verlangen, zu deren Ausrottung sie sich nicht scheute, die Wuth des Pöbels aufs Heftigste anzufachen. Glücklicherweise fand sie außerhalb ihrer kleinen, aber mächtigen Partei bei dem deutschen Volke nicht so williges Gehör und keinen so fruchtbaren Boden für ihre Giftsaat, wie die französischen Gewalthaber und Journalisten unter den gegenwärtigen Verhältnissen bei den Franzosen. Sonst wäre es uns damals noch viel schrecklicher ergangen, als unsern armen deutschen Brüdern jetzt in Frankreich. — Noch einen anderen Gedanken lassen Sie mich aussprechen. Wie erhebend war es, als bei der ersten Kriegsdrohung von Westen her sich Süd - und Norddeutsche vereint zum Kampfe erhoben; von wel« cher glücklichen Vorbedeutung für die Zukunft Deutschlands, daß sich diese Waffenbrüderschaft durch alle Stadien des Kampfes treu bewährt, und von allen Seiten Alles geschieht, um die Interessen aller deutschen Stämme zu identificiren. Wir lesen daher in der Tagespresse warme Kundgebungen, wie diese gemeinsam überstandene Gefahr und dieses gemeinsam vergossene Blut der feste Kitt der Nationalität und für die dauernde Vereinigung aller Deutschen sei. Nun, wir nehmen dasselbe in Anspruch für unsere Glaubensgenossen bei all' den Deutschen, die sich unglücklicherweise noch immer nicht von den Vorurtheilen gegen die Juden bis jetzt losmachcn konnten, welche sich immer noch vorkommenden Falles auf ihre anerzogenen Antipathien beriefen, für die sie ja nichts könnten und die ein germanischer Zug zu sein schienen. In der That waren die Antipathien der Bayern und Schwaben gegen die Preußen, der Sachsen gegen die Märker um nichts schwächer, als jene Leute gegen die Juden hegten. In Wort und That sprachen sich diese Antipathien der deutschen Stämme unter einander ebenso heftig aus, wie jene sich nur gegen die Juden kundthatcn, und man würde bisher nicht übertrieben haben, wenn man gesagt hätte, die Antipathien der deutschen Stämme unter einander seien ein germanischer Zug. An Waffenbrüderschaft, an gemeinsam bestandener Gefahr und gemeinsam vergossenem Blute hat es zwischen den deutschen Juden und den deutschen Christen seit 1813 nicht gefehlt. So können wir wahrlich nunmehr auch verlangen, daß der letzte Rest jener Antipathien schwinde, und daß man unsere Glaubensgenossen fortan aus der deutschen Nation ebensowenig ausscheide oder als gesondert betrachte, wie in Zukunft dies zu thun sich die deutschen Stämme gelobten. Alle diese Momente wollen wir gegenwärtig aufsammeln, um davon, was wir allerdings nicht hoffen wollen, später vorkommenden Falles Gebrauch zu machen. 37

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