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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-09-13 · Heft 37 (13.9.1870) · p. Seite 722

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 37 (13.9.1870)
Date
1870-09-13
Page
Seite 722 (sequence 6)
Language
German
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722 Die Resolution -er israelitischen Synode zu Leipzig. Als die bekannte Resolution der Synode zu Leipzig in die Oeffentlichkeit kam, wurde sie allseitig von den Organen der Publicität freudig und warm begrüßt. Sie war damals ein willkommener Ausspruch des allgemeinen Bewußtseins in den Bekennern des Judenthums, ein gern entgegengenommenes Zeugniß außerhalb des Judenthums, ein Lichtstrahl in dem Dunkel, welches auf mehreren protestantischen Synoden und im bald darauf eröffneten römischen Concil sich geltend machte. Eine geringe Ausnahme machten pietistische und ultramontane Blätter, z. B. die Kreuzzeitung u. dgl. Denn offenbar hatte die Resolution eine zwiefache Bedeutung, zunächst als der Ausdruck einer theologischen Versammlung, die doch immer zur Halste aus Theologen bestand, und jedenfalls zu theologischen Zwecken zusammengekommen war; alsdann aber, daß diese Versammlung in diesem ihren Bekenntniß der modernen gesellschaftlichen Principien sich zugleich auf dem religiösen und zwar auf dem positiven mosaisch-jüdischen Boden wußte und erklärte. Nichts destoweniger mußte man sich Voraussagen, daß die Resolution auf viele Widersacher stoßen muffe. Die Gegner waren zunächst die Feinde aller positiven Religionen, welche nur widerwillig irgend eine Wahrheit, irgend eine wohlthätige Lehre aus jenen hervorgehen sehen. So sehr diese auch mit der feierlichen Aussprache liberaler Principien einverstanden sein mußten, konnte sie doch der Grund und Boden, aus dem jene wuchsen, chokiren. Es ist uns jedoch von dieser Seite aus ein Widerspruch nicht aufgefallen. Unangenehmer mußte alsdann die Resolution denen sein, welche Feinde des Judenthums überhaupt sind, und deren Anzahl ist bekanntlich nicht gering. Daß das Judenthum in seinen Fundamenten, im Mosaismus und Prophetismus Principien ausspreche oder als Gedanke enthalte, zu denen erst die Rechtsentwickelung unseres Jahrhunderts gelangt, konnte ihnen nichts anderes als widerwärtige Erscheinung sein. Aber mehr noch als diese berührte die Resolution die kirchlich gläubigen Christen. Für diese bestand von jeher das Dilemma, das Alte Testament als göttliche Offenbarung anerkennen zu sollen, und dennoch ihm eine Inferiorität zuschreiben zu müffen. Deshalb jenes durch alle Zeiten bemerkbare Schwanken, bald den Inhalt des Alten Testaments als göttliche Wahrheit und Weisheit zu rühmen, bald wieder als unzulänglich und irrig zu verwerfen, ihn als niedrigere Stufe zu verachten. Es kam nur immer auf den Augenblick an, ob man sich vor den Schriften des israelitischen Stammes beugen sollte, oder ob man sie als das Eigen- und Heiligthum der Juden zu beschimpfen und herabzusetzen habe. Für diese war selbstverständlich diese Aufklärung über das religiös-sociale Wesen des Judenthums, die zugleich eine Verklärung deffelben bedeutete, ein scharfer Dorn im Auge, eine eiserne Stachel in der Seite. Besonders mußte dies bei einigen getauften Juden der Fall sein. Wir sagen bei einigen, nämlich bei solchen, welche ihren Abfall doch etwas ernster nehmen; denn es lag diesen die Frage vor: wenn das Judenthum diese höchsten und lautersten Principien enthält, warum haben wir es verlaffen? Einer aus dieser Kategorie unternahm es daher auch, eine dicke Broschüre gegen die Resolution zu schreiben, ein Herr Maaß, der schon früher mit einigen jüdischen Theologen Streitschriften gewechselt. Herr Maaß versetzte sich in dem Streite gegen die Resolution auf zwei, für die aufgestellten Principien völlig irrige Standpuncte, machte sich so die Sache leicht, aber hiermit auch der Widerlegung ganz unwerth. Einerseits wies er nach, daß die aufgestellten Principien in der Geschichte der Juden sich nicht verwirklicht haben. Er übertreibt hierin, beurtheilt Vieles schief, und verschweigt, sei es absichtlich, sei es aus Ünkenntniß, Anderes. Jedermann sieht ein, daß es sich hierum gar nicht handelt. Niemals hat Jemand behauptet, daß die Principien des mosaischen Gesetzes, ja das mosaische Gesetz überhaupt wahrend des israelitischen Staates vollständig ausgeführt und verwirklicht worden seien. Dies nimmt aber dem Vorhandensein der Principien weder Richtigkeit noch Werth. Diese überleben die Zeiten und wirken auf die spätesten Geschlechter, die sich immer wieder zu ihnen zurückwenden und sie festhalten. Was würde Herr Maaß dazu sagen, wenn wir die Principien seiner jetzigen Religion, des Christenthums, aus der Geschichte der christlichen Völker bis auf die neueste Zeit, z. B. aus dem gegenwärtigen Kriege, ja selbst aus der Geschichte der christlichen Kirchen, z. B. der Arianer, Waldenser, Inquisition, des dreißigjährigen Krieges, des Syllabus und des römischen Concils ableiten und dem Christenthum alle Principien absprechen wollten, die sich in dieser Geschichte nicht verwirklicht finden? Oder wenn man die Existenz der Grundsätze von 1789 leugnen wollte, weil sie im Napoleonismus nicht realisirt, sondern

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